Chemiewaffen-Einsatz? – Angeblich neue US-Strategie im Informationskrieg gegen Russland

 

Propaganda des ukrainischen Verteidigungsministeriums: Asow-Kämpfer verteidigen gegen das Böse – die Russen werden gerne Orks genannt – eine Mutter mit Kind, was wohl auf Maria mit Jesu anspielen soll.

„Es muss nicht solides Geheimdienstmaterial sein, wenn wir darüber sprechen.“  US-Geheimdienstinformationen ohne oder mit geringer Evidenz werden zur medialen Verbreitung freigegeben.

 

Putin bereitet Chemiewaffeneinsatz vor? Russland bittet China um Waffen? Der Rückzug russischer Truppen ist nur strategischer Natur? Diese und andere Schlagzeilen gingen um die Welt. Vor kurzem berichtete der US-Sender NBC News: Für diese Behauptungen der US-Regierung gab es keine Evidenz. Als schnöde Desinformation oder gar Lüge wird das aber nicht bewertet. Denn die evidenzfreien Behauptungen sollen Teil einer raffinierten neuen US-Kommunikationsstrategie sein, welche sich die (in Deutschland während der Pandemie als „Präventionsparadox“ bezeichnete) selbstzerstörende Prophezeiung (self-defeating prophecy) zu Nutze machen will.

So habe es etwa für die zunächst von anonymen Geheimdienstquellen lancierte, später vom amerikanischen Präsidenten Biden bekräftigte und weltweit verbreitete Warnung, Putin werde Chemie-Waffen einsetzen, keine Evidenz gegeben. Von drei verschiedenen offiziellen Stellen, so NBC-News-Korrespondent Ken Dilanian im Interview vom 6. April, habe der Sender die Bestätigung erhalten, dass die Geheimdienste sich eigentlich gar nicht klar darüber waren, was da vor sich ging,

„aber sie entschieden, dies zu verkünden, um Russland abzuschrecken, das zu tun, und die Welt darauf hinzuweisen, dass dies passieren könnte“.

Auch westliche Geheimdienste, die Nato und europäische Politiker hatten für die Verbreitung dieser Meldung gesorgt, so dass sie lange die Schlagzeilen prägten. Bundeskanzler Scholz nutzte am 27. März die Gelegenheit, bei Anne Will die Warnung vor einem russischen Chemiewaffeneinsatz unterzubringen: „Lass es bleiben.“

Als weiteres Beispiel nennt NBC-Korrespondent Dilanian die Verbreitung der Nachricht, dass Russland sich an China mit der Bitte um Waffen gewandt habe. Auch dafür habe es keinerlei Anhaltspunkte gegeben. Die Nachricht wurde weltweit und auch von deutschen Medien verbreitet.

„Es muss nicht solides Geheimdienstmaterial sein, wenn wir darüber sprechen“, so ein US-Beamter gegenüber NBC News, „es ist wichtiger, ihnen [den Russen] einen Schritt voraus zu sein – insbesondere Putin -, bevor sie etwas tun.“

„Ziemlich bemerkenswert“ und „beispiellos“, bewertet NBC-Korrespondent Dilenian die neue US-Strategie zur Nutzung von Geheimdienstinformationen, „ein solches Niveau von Informationskrieg haben wir von der US-Regierung noch nie vorher gesehen“.

Selbsterfüllend könnte die „Vorhersage“ gerade in Mariupol werden, wo die im weitläufigen Metallwerk Azovstal verschanzten und von der Außenwelt abgeschnittenen Asow-Kämpfer jeden Tag damit rechnen müssen, überwältigt zu werden. Sie haben gerade behauptet, dass die russischen Truppen mit einer Drohne Chemiewaffen eingesetzt hätten (Werden in Mariupol Chemiewaffen eingesetzt?). Überprüfen lässt sich das nicht aus der Ferne, das Pentagon erklärte, das nicht bestätigen zu können. Aber die Meldung geht, wie beabsichtigt, bei den Medien um und wird zum Anlass, die oben beschriebene Prophezeiung wieder aufzunehmen. Unter dem Titel „Eine scharfe Waffe gegen die Zivilbevölkerung“   schreibt beispielsweise so anlässlich des Einsatzes gegen die Asowe-Kämpfer, die nicht gerade Zivilisten sind, die Süddeutsche Zeitung:

„Seit Wochen wird vor einem Einsatz chemischer Kampfstoffe im Krieg in der Ukraine gewarnt. Sie können die Menschen in Angst und Schrecken versetzen – es wäre nicht das erste Mal, dass Russland zu diesem Mittel greift.“

5 Kommentare zu Chemiewaffen-Einsatz? – Angeblich neue US-Strategie im Informationskrieg gegen Russland

  • „es wäre nicht das erste Mal, dass Russland zu diesem Mittel [Chemieawaffen] greift.“

    Diesen alten, abgeschmackten Witz sollte die diesbezüglich äußerst zerrockte & beeinflussbare SZ erst mal qualitätsjournalistisch, vulgo: unabhängig und ohne größere Lücken, belegen. Das wird bestimmt spannend. Und unterhaltsam .
    🙂

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  • Die Ukraine bekommt nicht,was sie will. Bucha ,Kramatorsk,angeblich Chemiewaffen. Von der Layen reist…und macht Zugeständnisse. Ukraine fordert,bekommt es nicht und 2 Tage später Massaker,die angeblich die Russen verübt haben.Für mich steckt da eine Taktik dahinter-Kaum ein ÖFR recherchiert,alle übernehmen ungeprüft die Meldungen der Ukrainer. Man schaue sich die Videos an und hört aufmerksam zu…die Menschen erzählen,was da los ist….https://www.youtube.com/watch?v=rLZ2ZzoD-W0

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  • An den militärischen Gegebenheiten ändert das alles nichts. Mariupol ist seit Wochen verloren und bald wird es auch der gesamte Donbas sein. Objektiv hat die Ukraine auch unter verdeckter u.s.-Führung keine Chance. Um die Kräfteverhältnisse auch nur ansatzweise zu ändern, müsste der Westen direkt eingreifen – und damit einen dritten Weltkrieg endgültig auslösen. Damit das zerstören, was man vorgeblich verteidigt.

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  • Ganz ehrlich, die Nachricht ist keine. Amerikanische und westliche Medien und Regierungen lügen sich stets die Wirklichkeit zurecht. Ich gehe inzwischen davon aus, dass wahrscheinlich nichts dahinter steckt.
    Was ich aber bedenklich finde, ist, in welch unverfrorener Art Oppositionspolitiker und Öffentliche Medien diese Vorwürfe gegen verantwortliche Politiker in Stellung bringen, um den Krieg womöglich zu eskalieren. Von unverantwortlichen Politikerinnen in der Regierung ganz zu schweigen.

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  • Wenn Phosphor eingesetzt wird , ist das kein Chemiewaffeneinsatz . Phosphoreinsatz ist von taktischer Natur .
    Es entwickelt Hitze u. behindert den Einsatz v. Wärmebildkameras der ukrainischen Scharfschützen .

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