Anmerkungen zur Corona-Pandemie

 

Bild: 7CO/CC BY-2.0

Der öffentliche Diskurs über den Umgang mit der Corona-Pandemie erweist sich als komplex. Es spielen in ihm neben den rein medizischen politische, soziale und historische Faktoren eine beachtliche Rolle.

Die Corona-Pandemie hat „die Welt“ erschüttert. Sie zeitigte sehr bald nach ihrem Ausbruch rigorose Maßnahmen seitens der Staates, und je mehr man dabei erkennen musste, dass man der schnellen Ausbreitung des Virus keinen Einhalt zu gebieten vermochte, radikalisierten sich die Maßnahmen, bis hin zur Paralysierung des öffentlichen Lebens durch totale Lockdowns. Das hatte vor allem damit zu tun, dass man das Virus (noch) nicht kannte und sich entsprechend an den standardisierten Anordnungen und Prozeduren im Umgang mit Pandemien seit Beginn des 20. Jahrhunderts hielt: radikale Reduzierung der Interaktionen zwischen den Menschen im öffentlichen Raum, Quarantäne, social distancing, Gesichtsmasken etc.

Schon kurze Zeit nach der Etablierung dieser notgedrungenen Maßnahmen entfachte sich eine vor allem in den sozialen Medien hitzig geführte Debatte über die Triftigkeit der staatlichen Anordnungen. Zum einen wurde behauptet, die Maßnahmen seien panisch und stünden in keinem Verhältnis zur realen pandemischen Bedrohung; der Vergleich mit der alljährlichen Grippewelle wurde besonders oft herangezogen. Zum anderen grassierten sehr bald auch Vermutungen, warum die staatlichen Institutionen so agierten; der Verdacht machte (immer erfolgreicher) die Runde, es gebe da eine „hidden agenda“, die persönliche Freiheit der BürgerInnen zu beschneiden, mithin die individuellen Menschenrechte zu beschränken. Der Staat befleißige sich eklatanter Bevormundung, um seine Herrschaftsmacht zu steigern.

Die Debatte steigerte sich noch und die Empörung stieg ins Unermessliche, als die Impfung gegen die Krankheit gefunden wurde; man wisse noch zu wenig über das Virus, um schon eine Impfung zu wagen; der Entwicklungsgang des Serums sei zu hastig gewesen, mithin nur auf Druck der Ministerien medizinisch ratifiziert und zugelassen worden; es sei unverständlich, dass sich Menschen unbekümmert fremde, womöglich schädliche Stoffe in ihren Körper einspritzen lassen. Der kritische Diskurs über den Umgang mit der Pandemie erstreckte sich von sachlichen fachmedizinischen Einwänden über reale Ängste in der Bevölkerung vor der Impfung und prinzipielle Impfverweigerung bis hin zu konspirationstheoretisch eingefärbten Rechtfertigungen der Opposition gegenüber den staatlich verordneten Maßnahmen zur Bändigung der Pandemie.

Die historische Dimension in Deutschland

Man mag sich fragen, wie das zu erklären sei, gemessen daran, dass die Pandemie weltweite, teils horrende Folgen hatte und entsprechende institutionelle Reaktionen zeitigte. Über den globalen Aspekt seien weiter unter einige Überlegungen angestellt. Aber es gibt auch einen spezifisch deutschen Kontext, den es zu erörtern gilt. Denn die Kritik an der Einmischung des Staates als ein „von oben“ kommendes Diktat korrespondiert mit einem prononcierten Grundmuster der öffentlichen politischen Sphäre Deutschlands, die sich seit den 1960er Jahren in der alten Bundesrepublik allmählich herausgebildet und sie nachhaltig geprägt hat: das Misstrauen gegenüber der Autorität.

Was noch in der rebellierenden Studentenbewegung und Neuen Linken als rigorose antiautoritäre Ausrichtung apostrophiert und emphatisch gefördert wurde, modifizierte sich in den nachfolgenden Jahrzehnten zu einer reflektierten kritischen Haltung, die sich im Akademischen, im medialen Diskurs und in der allgemeinen öffentlichen Debattenkultur niederschlug. Das will nicht besagen, dass affirmativ-konservative und reaktionäre Anschauungen aus der deutschen Politlandschaft eliminiert worden seien. Die blühten wie eh und je und bildeten dabei mitnichten eine Ausnahme im Vergleich zu anderen demokratischen politischen Kulturen der westlichen Hemisphäre. Das war ja das „normal“ Vorwaltende. Neu hingegen war die dezidiert kritische Haltung gegenüber der hohen Politik und ihren Institutionen.

Um den Stellenwert (und in der Tat die Errungenschaft) dieser autoritätskritischen Haltung einzuschätzen, muss man die historische Heranbildung der politischen Kultur Deutschlands in der Moderne seit dem 19. Jahrhundert in Erinnerung zurückrufen. Denn diese – nicht zuletzt determiniert durch die spezifischen Bedingungen dessen, was man späterhin den „deutschen Sonderweg“ genannt hat – zeichnete sich vor allem durch ein von Friedrich Meinecke als „Obödienzgesinnung“ charakterisiertes Grundmuster, nämlich das des Gehorsams gegenüber der staatlichen Autorität (in Preußen sprach man gar von „Kadavergehorsam“).

Politisch bedeutete das vor allem die Tabuisierung der Empörung gegenüber der Gewalt, mithin die Verweigerung des revolutionären Aufstands gegen die bestehenden Herrschaftsstrukturen und die sich von ihnen ableitenden Machtverhältnisse. Nicht von ungefähr sprach man von Frankreich als dem Revolutionsland par excellence, wohingegen Deutschland als das Land verhinderter Revolutionen (die, wenn sie schon stattfanden, zum Scheitern verurteilt waren) galt.

Das Phänomen dieser gehorsamsaffinen Mentalität beschäftigte im 20. Jahrhundert die Forschung der politischen Psychologie. Es war vor allem die Kritische Theorie Frankfurter Provenienz, die sich der Kategorie des sogenannten „autoritären Charakters“ annahm. Man befasste sich mit dem Phänomen des autoritätsabhängigen Menschen, dessen Selbstverständnis sich an der unantastbaren Wirkmacht der Herrschaft orientiert, der er für seine (antiemanzipativen) Selbstsetzung bedarf. Von Bedeutung war dabei, dass diese emotionale Anbindung an die Autorität sich als ein unbewusstes psychisches Bedürfnis erwies, welches sich allerdings nach außen hin in ideologische Ausrichtungen auf „die Welt“ übersetzt.

Das war die Geburtsstunde des interdisziplinär operierenden Freudomarxismus, der die psychischen Grundlagen der Ideologie zu ergründen trachtete, mithin der Frage nachging, warum Menschen politischen Haltungen, die ihren eigenen (freiheitlichen) Interessen widersprechen, nicht nur anhängen, sondern auch fanatisch zu erhalten und zu verteidigen suchen. Dieser Forschungsansatz erwuchs nicht im luftleeren Raum, sondern korrespondierte mit dem spezifisch deutschen Kontext der sozioökonomisch wie psychosozial bewirkten Heraufkunft des Faschismus im Allgemeinen und des deutschen Nazismus im Besonderen.

Autoritärer Charakter

Die Einsicht in die Verschwisterung der historischen Etablierung des Autoritären mit dem Phänomen des autoritären Charakters spielte dann eine gewichtige Rolle in der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit, als die ersten, zunächst eher zaghaften Ansätze zu einer „Aufarbeitung der Vergangenheit“ sich in der BRD-Öffentlichkeit der 1960er Jahren bemerkbar machten. Vorreiterin war die Literatur mit bedeutenden Werken von Günter Grass, Heinrich Böll und Siegfried Lenz u.a. Es erschienen auch wichtige Sachbücher wie Alexander und Margarete Mitscherlichs „Die Unfähigkeit zu trauern“ und „Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft“. Und besondere Sprengkraft entfaltete eben die Theorie des autoritären Charakters von Erich Fromm, Max Horkheimer, Theodor Adorno und Herbert Marcuse, die von der Achtundsechziger-Generation emphatisch rezipiert und in politische Praxis übersetzt wurde.

So überspannt die damaligen Protagonisten (zum Leidwesen ihrer geistigen Ziehväter) zuweilen agierten, mithin sich doktrinär geben mochten, kann ihre Wirkung auf die sich in den Folgejahren nach und nach etablierenden politischen Kultur Deutschlands nicht hoch genug geschätzt werden. Denn war der unbedingte Gehorsam der staatlichen Autorität (bzw. ihrer „Führer“-Inkarnation im Nazismus) gegenüber der dominante Faktor in dieser antidemokratisch fehlentwickelten politischen Kultur der Deutschen, mithin zentraler Gegenstand der Kritik an ihr, so kann die Rebellion der Achtundsechziger und ihr nachhaltiger Impact auf die öffentliche Sphäre der Republik als eine Art Wendepunkt angesehen werden.

Was sich dabei vor allem herausbildete, war ein gewisses Misstrauen gegenüber dem Staat. Gerade weil der deutsche Staat im 20. Jahrhundert so viel Unheil angerichtet hatte, war der unkritische Bürgergehorsam in Verruf geraten, und die Skepsis ihm gegenüber wurde gar als heilsam angesehen. Geläufige Kategorien wie Nationalismus und Patriotismus waren als erwünschte „Lehre“ aus der Vergangenheit diskreditiert.

Aber was sich als begrüßenswertes Ergebnis eines bürgerlichen Lernprozesses etabliert hatte, mochte auch in eine Art Religion umkippen, bei der das Misstrauen fetischisiert und der Impuls des Ungehorsams verdinglicht wurde, mithin das Kind insofern mit dem Bade ausgeschüttet wurde, als die Empörung gegen staatliche Maßnahmen zum Selbstzweck geriet. Man kann durchaus nachvollziehen und sogar anerkennen, wenn Bürgerinnen und Bürger gegen den Erhalt von Atomkraftwerken, gegen schädliche Umwelt- und ungerechte Sozialpolitik, gegen inakzeptable militärische Auslandsinterventionen, aber auch gegen staatlichen Eingriffe in die Bürger- und Menschenrechte demonstrieren, letztlich gegen alles, was der Staat sich eigenmächtig herausnimmt, ohne sich des bürgerlichen Konsenses zu vergewissern.

Aber wie verhält es sich bei Naturkatastrophen, oder etwa bei einem ausbrechenden Krieg bzw. einem Terroranschlag, der die öffentliche Sphäre erschüttert? Gerade dann erwartet man vom Staat, dass er „etwas unternimmt“. Ausmaß und Gewalt der Katastrophe führen die Ohnmacht des Einzelnen vor Augen; man erwartet von den staatlichen Instanzen und Apparaturen, dass Sicherheit und Versorgung wie dann auch die Wiederherstellung der „Normalität“ gewährleistet werden. Eventuelle Kritik und Protest gegen die Handhabung des vom Staat Erwarteten werden für gewöhnlich auf die Zeit nach dem Ausnahme- und Notzustand verschoben. Und selbst für diese gibt es staatlich konstituierte Prozeduren in Form von Untersuchungsausschüssen des Parlaments bzw. der jeweils relevanten Behörde.

Anforderungen an den Staat

Zu fragen gilt es also: Womit hatte man es bei der Corona-Pandemie zu tun? Womit sahen sich die Staaten der Welt konfrontiert? Und in inwiefern „verdienten“ sie es, dass man ihnen mit Misstrauen oder gar dezidierter Abweisung begegnete?

Wie schon eingangs erwähnt, muss hervorgehoben werden, dass man zunächst gar nicht wusste, was es mit dem Virus auf sich habe. Klar war nur, dass er sich sehr schnell (weltweit) verbreitete, sehr ansteckend war und große Opferzahlen forderte. Der Vergleich mit den alljährlichen Opferzahlen bei saisonalen Grippewellen war zwar nicht völlig unangebracht, aber doch insofern fehlgeleitet, als er nicht mitbedachte, dass man bei der Grippe zumindest weiß, woran man ist, gegen sie eine Impfung zur Verfügung steht und der wie immer schwere Verlauf der Krankheit unter Kontrolle gebracht werden kann. Mag sein, dass sich künftig erweisen wird, dass dem auch bei der Corona-Erkrankung so sein wird, aber bei Ausbruch der Pandemie war das nicht der Fall.

Insofern die Pandemie eine panische Reaktion seitens des Gesundheitswesens zeitigte, war sie zumindest dahingehend gerechtfertigt, dass man sich einer noch unübersehbaren Bedrohung gegenübergestellt sah. Die beschwichtigenden Argumente seitens der Kritiker hatten den besorgten seitens des Staates nichts voraus – und in einer solchen Situation neigt man zurecht dazu, sich der (wie immer noch im Ungewissen tapsenden) wissenschaftlichen Autorität anzuvertrauen. Dass sich die Wissenschaft im Ausnahmezustand zur Kooperation mit der Politik gezwungen sieht (mithin in Kauf nehmen muss, von dieser eventuell für fremdbestimmte Zwecke instrumentalisiert zu werden), kann ihr nicht zum Vorwurf gemacht werden.

Es gibt in einem solchen kollektiven Moment keine Alternative – die kritische Debatte über die Befugnis des Staates mag erforderlich sein, aber sie bietet keine praktische Handlungsanleitung angesichts der bedrohlich um sich greifenden gesundheitlichen Gefahr. Man bedenke, dass die pazifistische Gesinnung im Moment des real ausgebrochenen Krieges keine effektive Möglichkeit mehr zur Verhinderung des bereits wütenden Krieges abgibt. Demonstrationen gegen den Krieg werden erst dann Wirkung zeitigen, nachdem der Krieg sich „genügend“ ausgetobt hat, mithin auch empirische Daten über seine Auswirkungen – die Verwüstung, die er angerichtet hat, und die Anzahl der im Kampf Gefallenen bzw. als „Kollateralschaden“ in der Zivilbevölkerung Getöteten – vorliegen.

Nebenbei bemerkt, darf beim Umgang mit der Pandemie gefragt werden, ob der Staat nicht besser auf das noch Ungewisse, aber durchaus schon als möglich in Betracht Gezogene hätte vorbereitet sein können. Vergleicht man die Versorgung des Gesundheitswesen, mithin die Kürzungen, die an ihm vorgenommen werden, mit den Investitionen der staatlich abgesegneten Waffenindustrie und dem sich von dieser ableitenden Waffenhandel, ermisst man erst, wie die Prioritäten des Staates gesetzt sind. Aber das betrifft schon eine andere Dimension des Kollektiven, namentlich die Frage nach der Gesellschaftsordnung, die gerade solche Prioritäten zeitigt.

Anders verhält es sich bei Anwürfen der Corona-Kritiker, die dem handelnden Staat von vornherein böse Absichten unterstellen. Das ist, wie gesagt – gerade im deutschen Zusammenhang –, zwar nachvollziehbar, insofern man meint, aus der Vergangenheit aktuell-relevante (oder gar grundsätzliche) Schlüsse auf die Gegenwart ziehen zu dürfen. Aber stimmt das so? Darf man von der Hitler-Diktatur Schlüsse auf die Demokratie der Merkel-Ära ziehen?

Ein solcher Vergleich hieße doch, sowohl das NS-Schreckensregime zu banalisieren, als auch dem real existierenden deutschen Staat etwas blindlings unterstellen. Es bedarf eines handfesten Kriteriums, um der heutigen deutschen Republik etwas nachzusagen, das sich als „Lehre aus der Vergangenheit“ vom Nazismus ableitet. Verfügt man über ein solches Kriterium nicht, dann ist man letztlich vor allem mit realitätsfernen Ängsten befasst, weniger mit einem aus besagten „historischen“ Gründen zu bekämpfenden realen Zustand. „Wehret der Anfänge“ ist von großer Relevanz für jegliche kritisch-reflektierte Wirklichkeitswahrnehmung, das Postulat mutiert aber unweigerlich zum Fetisch, wenn es zu einem Selbstzweck verkommt, bei dem die „Anfänge“ keine sind, vielmehr ein Popanz – eine Chimäre, die sich bald genug als solche erweist, wenn man nur das Vorausgesetzte reflektiert überdenkt.

Konspirationstheorien

Die Staatsskepsis wächst ins Unermessliche, wenn sie konspirationstheoretisch beseelt ist. Auch hierbei handelt es sich allerdings um die Verhunzung des Denkparadigmas einer bedeutenden philosophischen bzw. gesellschaftstheoretischen Tradition.

Es waren Geistesgrößen wie Marx, Nietzsche und Freud, die immer darauf hinwiesen, dass das äußerlich Erscheinende trügen mag, mithin dass dem Wahrgenommenen etwas zugrunde liegt, das nicht unmittelbar zugänglich bzw. nicht bewusst sein kann. Was bei Freud das Unbewusste meinte, als er sagte, der Mensch sei nicht Herr seiner selbst, und bei Nietzsche die der rationalen Erkenntnis entgegengesetzten und diese prägenden psychischen Motivationen des Individuums, die ihm als das Menschliche-Allzumenschliche galten, manifestierte sich bei Marx in der Ideologie als das falsche Bewusstsein, welches die repressiven gesellschaftlichen Strukturen zu rechtfertigen, mithin die Macht- und Herrschaftsverhältnisse als das unhinterfragbar Gegebene hinzunehmen trachtet.

Was dem Denken aller drei gemeinsam ist, ist die postulierte Diskrepanz zwischen der Realität und ihrer Wahrnehmung, zwischen dem ideologisch Imaginierten und dem real Bestehenden, letztlich die erkannte Unfähigkeit der allermeisten Menschen, die Strukturen der Wirklichkeit auf ihre Veränderbarkeit hin zu reflektieren. Im Marxismus hat sich sehr früh die Vorstellung etabliert, dass die Menschen nicht wissen, wie sie manipuliert werden. Man denke nur an Marx‘ „Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“ von 1852.

Was aber Marx noch eine akribische historische Analyse abforderte, um in der Lage zu sein, den Verlauf des Staatsstreichs und der Februarrevolution als Klassenkämpfe zu durchschauen, wird von jetzigen Konspirationstheoretikern geflissentlich unterlassen, um stattdessen dem Narrativ von „hinter der Bühne“ agierenden Mächten des (politisch) Bösen Gehör und Geltung zu verschaffen. Marx sprach nicht von bewussten Konspirationen (wiewohl auch diese vorkommen mochten), sondern von einem sozialen Zustand, bei dem bereits real Bestehendes vorwaltet – eben der Klassenkampf –, aber als solcher noch nicht erkannt ist. Das falsche Bewusstsein war dabei kein Resultat einer inszenierten Kabale und partikularen Manipulation, sondern das Spiegelbild eines historisch strukturierten gesellschaftlichen Zustands.

Marx meinte zwar am Anfang seiner Schrift: „Hegel bemerkt irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Thatsachen und Personen sich so zu sagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als große Tragödie, das andre Mal als lumpige Farce.“ Aber seine ironische Bemerkung ist nicht als höhnischer Sarkasmus zu verstehen, sondern als Einsicht darin (und Bedauern darüber), dass was noch nicht erkannt worden war, bereits hätte erkannt werden können. Mit Intrige seitens derer, die objektiv ein Interesse an der „lumpigen Farce“ haben mochten, hatte das herzlich wenig zu tun.

Wenn aber beim Umgang des Staates mit der Corona-Pandemie eine Konspiration gewittert wird, muss man diese Anschuldigung empirisch belegen können. Unterstellt  man etwa, dass es eine verschwörerische Abmachung zwischen Regierungsinstanzen und der Pharmaindustrie gegeben habe, muss man eine solche nicht nur belegen, sondern vor allem auch die Frage beantworten können, welches Interesse die Politik bei einer solchen Konspiration haben mag, wenn sie dabei andere Wirtschaftszweige lahmlegen muss.

Es ist davon auszugehen, dass die Pharmaindustrie an der Aufblähung der pandemischen Gefahr und der Schürung öffentlicher Ängste ein kapitalistisches Interesse hat; aber es stimmt auch, dass es sie ist, die ein Impfmittel, potentiell gar ein Medikament zur Behandlung der Krankheit zu finden vermag. Und wer meint, dass es überhaupt keines Impfmittels zur Bekämpfung der Krankheit bedarf, muss sich Rechenschaft darüber abgeben, auf wessen Kosten eine solche Behauptung in die Welt gesetzt wird.

Ohnehin müssten sich die Konspirationstheoretiker fragen lassen, ob es sich bei der wissenschaftlichen Findung des Serums gegen Kinderlähmung und anderer Kinderkrankheiten auch um eine Konspiration seitens der Pharmaindustrie gehandelt hat – wobei freilich gar nicht infrage gestellt werden soll, dass sich die Pharmaindustrie angesichts ihrer allzu oft auf Profitgier ausgerichteten Praktiken das Misstrauen der Konsumenten gegen sie wohlverdient hat.

Bürgerrechte und Willensentscheidung

Der geläufigste und wohl auch gewichtigste Vorwurf von Konspirationstheoretikern bezieht sich gleichwohl auf etwas Anderes: die Beschneidung der Bürgerrechte und das Eindringen in die Privatsphäre der Menschen von Seiten der staatlichen Autorität. Eine solche Befürchtung ist stets geboten, weil in der Tat davon ausgegangen werden darf, dass der Staat immer an angepassten Bürgerinnen und Bürger interessiert ist, die seine Apparate und Praktiken nicht hinterfragen, mithin die etablierte Ordnung der Dinge für „natürlich“ erachten.

Die Kritik an den Dressurmechanismen des Staates macht gleichsam die bürgerliche Raison aus, wenn man vom liberalen Postulat der Freiheit und Souveränität des Individuums ausgeht. Dass es zwischen dem Recht des Einzelmenschen auf Mündigkeit und der objektiven Notwendigkeit seiner Einordnung in das soziale Kollektiv ein permanentes Spannungsverhältnis besteht, war schon immer klar. Es ging in der (philosophischen) Moderne daher auch nie um die totale Parteinahme für das Individuum oder die für das Kollektiv, sondern stets um eine kompromissgesteuerte Balance zwischen dem Privatinteresse und dem Interesse des Kollektivs (bzw. der Öffentlichkeit), die ein konsensuelles Zusammenleben der Menschen miteinander garantiert.

Beim Corona-Diskurs kam die Frage der beschränkten Rechte des Individuums sowohl (gleich zu Beginn) in Zusammenhang mit den kollektiven Lockdown-Maßnahmen als auch (späterhin) im Kontext der angelaufenen Impfpraxis auf. Die Auslegung des Lockdowns als eine Dressurmaßnahme des Staates korrespondierte mit der (weiter oben erörterten) Behauptung, dass es überhaupt keiner rigorosen Schritte seitens des Staates bedürfe. Entsprechend seien die freiheitsbeschränkenden Verordnungen primär ein weiterer Versuch des Staates, die Freiheit seiner Bürger mit den Mitteln propagierter Gefahr und Angst einzwängend zu beschränken.

Die Kritik der Lockdown-Maßnahme basierte, so besehen, auf ein prästabilisiertes Misstrauen gegenüber dem Staat, welches sich gleichsam kontingent an der Auseinandersetzung mit der Pandemie festmachen und öffentlich manifestieren konnte – was übrigens mit merklicher Emphase geschah, da die erforderliche staatliche Verordnung in der Tat rigoros ausfallen musste. Wer die schiere Maßnahme für überflüssig, gar anmaßend hielt, musste ihr bzw. den ihr zugrunde liegenden Intentionen des Staates mit großer Skepsis und Empörung begegnen. Dies zeitigte bei den ersten Lockdowns besonderen Widerwillen, weil die Verordnung von strikten polizeilichen Kontrollen begleitet war.

Das Problem besteht darin, dass die pandemische Logik des Lockdowns in der Tat auf eine relativ hermetische Isolierung der Individuen basiert. Sie lässt sich nicht partiell, also mit Ausnahme gewisser Bevölkerungsteile, bewerkstelligen. Der Lockdown kann nur effektiv wirken, wenn die Bevölkerung bei der Einhaltung der vorgeschriebenen Verhaltensformen solidarisch mitmacht. Es ist nun aber genau diese Solidarität, welche die Corona-Skeptiker bzw. -Leugner für autoritären Gehorsam erachten, den es zu durchbrechen gelte. Strukturell handelt es sich also um einen Zirkel, aus dem man nicht leicht herauskommt.

Impfpraxis

Als komplizierter erweist sich der Diskurs um das bürgerliche Freiheitsrecht bei der Impfpraxis. Denn diese erfordert einen Konsens, dessen Durchbrechung von realen Ängsten getragen werden mag. Sowohl die Eile, mit der das Impfserum gefunden und massenweise produziert worden ist, als auch der Umstand, dass man noch nicht allzu viel über seine Nebenwirkungen auf langer Sicht weiß, geben gewissen Grund zum Unbehagen, fremde Stoffe in den Körper einspritzen zu lassen. Das hat nicht unbedingt etwas mit Wissenschaftsfeindlichkeit zu tun, sondern eher mit dem Gefühl, dass die Wissenschaft unter Bedrängung seitens staatlicher Behörden überhastet agiert habe.

Zum konkreten Problem der Bürgerrechte gerät der Impfdiskurs, sobald sich die Frage der freien Willensentscheidung stellt. Und diese muss sich stellen, denn beim Impfen wird die Souveränität des menschlichen Körpers tangiert, die als unantastbar gilt. Entsprechend gibt es auch keinen staatlich verordneten Impfzwang – der Zwang entsteht, wenn überhaupt, sozial. Indem man die Bewegungsfreiheit von Ungeimpften beschränkt (bzw. Geimpften Vorteile etwa beim Einlass in öffentliche Veranstaltungen verschafft) kollidiert man zwangsläufig mit ihrem unverbrüchlichen Recht auf freie Willensentscheidung.

Das ist genau, was die Impfgegner monieren – sie verspüren nicht nur den auf sie verübten sozialen Zwang, sondern sehen auch ein ihnen a priori zustehendes Recht verletzt. Akzeptiert man aber diesen Vorwurf, dann sieht man sich vor einem neuen Dilemma gestellt: Denn wenn die Impfverweigerung die erhoffte Wirkung der Impfmaßnahme (etwa die Herdenimmunität) beschränkt oder regelrecht verhindert, dann darf sich das Kollektiv der Geimpften in der Verwirklichung seines Anspruchs auf Abwehr der Krankheit beschnitten sehen. Auch hierbei spielt die prästabilisierte Einstellung zur Impfung ein zentrale Rolle: Die Impfgegner stellen ihre Notwendigkeit essentiell infrage. Ihre Befürworter sehen in ihr die Verheißung der Pandemie-Überwindung. Beide Seiten begründen ihre Einstellung mit dem Recht auf freie Willensentscheidung, vor allem aber mit der Insistenz auf ein Bürgerrecht.

Unerörtert mag hier die Kritik der Konspirationstheorien insgesamt bleiben, insofern die Theorie einem festen, aber unbegründeten Glauben entstammt. Die Behauptung, dass der Kennedy-Mord unaufgeklärt geblieben sei, oder die, dass die Amerikaner 1969 gar nicht auf dem Mond gelandet seien, ist insofern „unwiderlegbar“, als die Urheber solcher Behauptungen alternative Erklärungen zum Ereignis bieten und die Erklärung mit jedem sich ihnen bietenden Mittel zu erhärten versuchen. Wenn man die angebotenen „Beweise“ abschlägt, wird dies als weiterer Beweis dafür genommen, wie wirksam die manipulativen Fänge der offiziellen Erklärung wirkten.

Wer an die historische Triftigkeit und Beweiskraft der „Protokolle der Weisen von Zion“ – einer der berühmtesten Konspirationstheorien des modernen Zeitalters – fest glaubt, wird sich von diesem Glauben kaum je durch historische Dokumente über den realen Entstehungszusammenhang der Konspirationstheorie abbringen lassen. Das lässt sich auch an der Wirkungsmacht des Riesenarsenals an Konspirationstheorien von Trump-Anhängern deutlich erkennen. Ihnen allen ist der Hass auf „Washington“ gemeinsam. Dass die sozialen und sozial-psychologischen Gründe für diesen Hass sich analysieren und erklären lassen, nützt nichts bei der Debatte mit diesen Anhängern. Die jeweilige Konspirationstheorie ist ihnen gleichsam zum Lebenselixier geronnen.

Corona-Leugner und Impfverweigerer sind gleichwohl nicht solchen Fanatikern zuzuzählen. Ihre Argumente fußen zuallermeist im Realen, die Expertenmeinungen und Untersuchungen, die sie für ihre Argumentation rekrutieren, erheben einen Anspruch auf diskursive Anerkennung, und in jedem Fall bewegen sich die meisten von ihnen im Diskursbereich medizinischer und sozialtheoretischer Argumentation.

Wenn sie dennoch als Konspirationstheoretiker apostrophiert werden, so rührt es vor allem daher, dass sie selbst in den Maßnahmen der Pandemie-Bekämpfung und der Impf-Emphase eine Verschwörung wittern, nämlich die des Staates gegen seine Bürgerinnen und Bürger. Dafür gibt es aber, wie dargelegt, keinen empirischen Beweis (außer dem der schieren Bekämpfung der Pandemie und der Praktizierung der Impfmaßnahme, was aber ein Zirkelschluss ist), vor allem erschließt sich aber nicht, welches Interesse die Politik habe, die bürgerlichen Rechte zu beschränken – wenn es ein solches Interesse gibt (das der Steigerung der Herrschaftsmacht durch Kontrolle), dann ist es allgemeiner und grundsätzlicher Natur, und insofern ist die Kritik an der Pandemie-Bekämpfung durch etwas motiviert, das außerhalb des Bereiches der Pandemie als solchen und des Diskurses um sie liegt.

Und man muss sich in der Tat fragen, was es spezifisch an der gegenwärtigen Krisensituation ist, das die rigorosen Träger dieser Kritik so in Wallung bringt. Denn Impfungen sind nicht nur keine Neuigkeit, sondern zählen zu den wissenschaftlichen Errungenschaften des 20. Jahrhundert, für die man gemeinhin dankbar ist. Es stimmt, dass die Spätmoderne eine Übermedikalisierung des Lebens gezeitigt hat, aber die Kritik an ihr belangt ja nicht die Behandlung von Krankheiten, sondern die „Suggerierung“ von medikamentös zu behandelnden Krankheiten, welche in der Tat allzuoft auf Beliebigkeit zu basieren scheint, weil die Kriterien für die „notwendige“ Behandlung zu dehnbar geworden sind (z.B. der gültige Cholesterinwert, den es zu senken gilt).

Gilt dies aber auch für die Corona-Pandemie? Sind die unsäglichen Bilder, die man auf dem (vorläufigen) Höhepunkt der Pandemie in Italien, Spanien und den USA gesehen hat, nur „fake news“? Ist das Anführen einer Vergleichsstatistik zur Grippe nicht nur ein abstraktes Mittel der Beschwichtigung, ein Zeugnis vorwaltender instrumenteller Vernunft, letztlich ein Symptom allgemeiner Entfremdung? Ist die Verweigerung der Impfung nicht der Luxus einer satten hochentwickelten Welt, die sich nicht einmal fragt, welche Schichten der Gesellschaft es sind, die der Impfung mit elementaren Vorurteil begegnen, vor allem aber, welche Teile in der Welt es sind, für die überhaupt kein Impfprogramm, mithin auch nicht genügend Impfampullen zur Verfügung stehen?

Der kapitalistische Aspekt

Wenn aber dem Umgang mit der Corona-Pandemie eine Konspiration beigemessen wird, erhebt sich eine weitaus gewichtigere Frage als die über das Verhältnis des Staates zu seiner Bevölkerung bzw. die angebliche Verletzung der Bürgerrechte. Zu fragen gilt es: Wie ist es möglich, dass der Kapitalismus es zugelassen hat, dass die Weltwirtschaft fast ein Jahr lang nahezu vollkommen lahmgelegt worden ist?

So gewaltig der Wandel, den der Kapitalismus seit seiner historischen Heraufkunft durchgemacht hat, und die strukturellen Veränderungen sind, die er im Spätkapitalismus gezeitigt hat, sind zwei seiner fundamentalen Kennzeichen unerschüttert geblieben: Er basiert essentiell auf der privaten Aneignung gesellschaftlicher Arbeit und hat seine Raison d’être in der Profitmaximierung; hinzugefügt sei, dass er seinem Wesen nach expansiv ist und sich entsprechend seit seinem Bestehen zunehmend globalisiert hat. Wenn er in immanente Krisen seines Systems geriet, schaffte er es stets, diese zu überwinden, ohne sein ideologisches Selbstverständnis je aufgeben zu müssen (selbst dann nicht, wenn er sich dabei sozialdemokratischer staatlicher Maßnahmen bedienen musste, wie etwa bei der Bewältigung der Krise von 2008).

In seiner permanenten Ausrichtung auf Konsum antreibende und Profit steigernde Neuerungen befleißigt sich der Kapitalismus schon immer der bewussten Stilllegung veralteter Technologien und verlustträchtiger Arbeitsbereiche und Wirtschaftszweige. Der Kapitalismus kalkuliert und plant im Hinblick auf zweckrationale Effizienz und Gewinn, weiß mithin, was er „opfern“ muss, um voranzukommen und seinen Zielsetzungen zu genügen. Umso mehr stellt sich daher die Frage: Warum hat der Kapitalismus die Paralyse seines Wirkbereiches – der wirtschaftlichen Produktions- und Konsumsphäre –, die den Zusammenbruch breiter Wirtschaftsbereiche, weltweite Arbeitslosigkeit und massive Budgetdefizite der Staaten sowie enorme Finanzkrisen gezeitigt hat, zugelassen?

Zwei mögliche Antworten darauf. Zum einen kann man den Versuch unternehmen herauszufinden, ohne das Paradigma des Kapitalismus zu verlassen, wer etwas davon haben könnte, dass dem Kapitalismus in solch massiver Weise der globale Schlag versetzt worden ist. Es wäre dabei eine systemimmanente Analyse von Interessen und künftigen Profiterwartungen zu leisten. Bislang ist eine solche umfassende Analyse nicht geliefert worden. Wohl ist klar und auch nachzuweisen, welche partikularen ökonomischen Bereiche ein solches Interesse haben könnten, aber gemessen am Umfang und Ausmaß der globalen Krise, fallen solche Erklärungen dürftig aus. Hier also wären den Anhängern von Konspirationstheorien eine ernstzunehmende Aufgabe und eine fruchtbare Herausforderung gestellt.

Zum anderen aber könnte man die immanente Logik des Kapitalismus verlassen, um dem Postulat das Wort zu reden, dass es sich bei der Pandemie nicht um eine (direkt) menschengemachte Katastrophe handle, sondern eben um eine Naturkatastrophe, die dem Wirkbereich einer Force Majeure unterliegt. Auch dieses Erklärungsparadigma müsste sich zwar mit dem hochaktuellen Problem der durch menschliche Praxis – mithin gesamtzivilisatorisch – generierten Verursachung bzw. Beschleunigung von Naturkatastrophen befassen, aber sie könnte sich nicht mehr konspirationstheoretisch einkleiden.

Wenn sich mit der Corona-Pandemie ein weiteres Moment des Aufstands der Natur gegen deren Ausbeutung und Zerstörung durch den Menschen manifestiert, so handelte es sich dabei schon nicht mehr um die partikulare Konspiration einer interessengeleiteten Gruppe, sondern um die unbewusste „Konspiration“ der menschlichen Zivilisation gegen sich selbst. Die Erörterung dieser Möglichkeit würde allerdings den hier vorgegebenen Rahmen bei weitem überschreiten.

6 Kommentare zu Anmerkungen zur Corona-Pandemie

  • Ich bin 72 Jahre und nicht geimpft. Ich halte Impfen für eine richtige „Sache“. Ich habe Grippeschutzimpfung.
    Ich gehöre zu den Kritikern des Impfzwangs. Auch sind mir die Argumente von jeder Seite zu Holzhammer-Artig. Der Vergleich mit dem deutschen Faschismus 1933-1945 als Deutsche, Deutsche umbrachten ist nicht angebracht wenn „lediglich“ die KZ gesehen werden. Es gab eine Zeit davor in denen Unterdrückung zu anders gläubigen, als dem Mainstream stattfand. Hier sehe ich durchaus Vergleichsmöglichkeiten an den aufgezeigt werden kann wo so was enden könnte.
    Was meiner Meinung gut, zumindest als Anmerkung gepasst hätte wäre Frau Greta Thunberg „Widerstand“
    Was mich am meisten genervt hat ist wie sehr zu Beginn der der Pandemie gelogen wurde. Es konnte nicht einmal geraten werden Gesichtsschutz zu benutzen, es gab keinen. Die Presse hat dann auch berichtet wie auf Flughäfen Masken verschwanden.
    Meine Nachbarin, Krankenschwester, die hat in Ihrer Freizeit „wie wild“ Masken genäht.
    Nachvollziehbar war für mich auch das https://www.antennethueringen.de/blog/vorbeugung-gegen-corona-1350842
    Das erinnert mich dann auch an die Krankenhauskeime. Ich will jetzt nicht alle Gesundheit-schädige Verhältnisse in Deutschland aufzeigen. Nur hier werden zehntausende Tote und Hunderttausende Kranke, in Kauf genommen. Als Argument gegen nicht Geimpften wird jeder 88Jährige, zum Vorwurf gemacht.
    Was nie so wichtig war ist die Privatisierung des Gesundheitssystem, da stieg ein Akteure ein der auch noch Geld aus dem Gesundheitswesen ziehen wollte. Der Staat assistierte da mit entsprechenden Gesetzen. So wird immer gesagt das nicht Betten fehlen sondern das Personal und die Ausbildung würde jetzt nicht helfen, wie kommen die darauf das die nach der Ausbildung bleiben?
    Es ist auch nicht so, der Lohn sichert die nötige Reproduktion beim Pflegepersonal nicht mehr, deshalb sind die weg. Die sind doch noch da, fragt nach was die wollen und gebt es denen.
    Ich würde mich Impfen lassen mit dem Russischen Impfstoff, aber der wird nicht zugelassen, obwohl auch Millionenfach eingesetzt, aber das wird verhindert. Da stellt sich auch die Frage der Solidarität, in Deutschland werden Impfstoffe wegen drohendem Verfall Impfstoffe weggeschmissen Anstatt sie da hinzu bringen wo sie unverzüglich verbraucht werden.
    Zu guter Letzt, erst sollte eine Spritze reichen jetzt sind wir bei der Dritten und diskutiert wird das es wie bei Grippe sein wird. Sicher wird es noch andere Viren geben.
    Das sind alles Widersprüche die nicht behandelt werden, was bleibt mir denn als mich nicht Impfen lassen. Und wenn es das Ende ist dann ist es so, als Rentner ist die Langeweile jetzt schon tödlich.

    Antwort
  • Danke für diesen Ausführlichen Kommentar. Als sog. „Impfgegner“ bin ich immer auf der Suche nach Argumenten, die mich überzeugen könnten, denn was die sog. „Maßnahmenbefürworter“ allzu schnell und selbstgefällig vergessen ist der enorme Stress, dem man als Außenseiter, als Dissenter, als „Corona-Kritiker“ ausgesetzt ist. Das ist kein Zustand, den man wählt, weil man Langeweile hat. Ich befürchte, das wird von der Masse – und Herrn Zuckermann – ignoriert. Es macht eben keinen Spaß, einfach nur dagegen zu sein – zumindest nicht, wenn man die Adoleszenz hinter sich gelassen hat.

    So stoßen mir im Text einige Dinge gewaltig auf. Zum Einen der immer und immer wieder gebrachte Begriff des Impfverweigerers, Impfkritikers. Die meisten Menschen haben durchaus ihre STIKO-Impfungen – so auch ich. Die einzige Impfung, die wir „verweigern“, ist die gegen Corona.

    Zweitens gibt es einen erheblichen Unterschied, ob man etwas vergleicht oder ob man es gleichsetzt. Es ist absolut richtig und wichtig, dass wir die heutigen Geschehnisse mit 1933 vergleichen. Gleichsetzen dürfen wir sie aber freilich nicht, das sollte klar sein. Sie wissen selbst, dass es nicht mit KZs losging. Es ging mit der Ausgrenzung von Menschen los, institutionalisiert. Man begann „unwertes Leben“ zu definieren, eben so, wie ein „Impfverweigerer“, der sich unglücklicherweise mit Corona infiziert hat und stationär behandelt werden muss, kein Patient ist, der gepflegt werden muss, sondern ein Täter, der einem anderen Patient „das Bett wegnimmt“. Darin steckt eine Unterscheidung von Patienten, von Kranken in verdienend und wertlos, schuldig und schuldlos. Das kann doch nicht sein. Das darf nicht sein. Es ist völlig egal, wie gefährlich Corona ist oder was man von den Maßnahmen hält – eine solche Differenzierung in Menschlichkeit ist jenseits von Gut und Böse. Ein jeder Mensch, der an den Gleichheitsgrundsatz glaubt, muss empört sein! Und nicht um der Empörung Willen oder weil er ein Konspirationstheoretiker ist, sondern weil er ein Mensch ist.

    Drittens führen sie die Polioimpfung an. Kann man guten Gewissens eine Polioimpfung ins Feld führen, oder Masern, wenn man die Coronaimpfung argumentativ untermauern möchte? Ich glaube nicht. Polio ist grausam und Masern sehr wohl tödlich für Kindern, Corona nicht. Ich finde es nicht in Ordnung, dass eine Krankheit wie Polio oder Masern, die in der Menschheitsgeschichte genügend Schmerz verursacht haben, herhalten müssen, um eine noch so schwere Grippeerkrankung zu verklären. Die wenigsten jungen, gesunden Menschen, Jugendlichen und Kinder holen sich Jahr um Jahr ihre Grippeschutzimpfung ab. Warum?

    Viertens glaube ich nicht, dass wir uns fragen müssen, welchen Vorteil die Politik haben soll, wenn sie der Pharmaindustrie Macht zuspielt. Politik wurde schon immer über Lobbyismus betrieben, und wenn man nur einen kurzen Blick darauf wirft, welche Positionen Politiker nach ihrem öffentlichen Amt bekleiden, erübrigt sich die Frage, „was sie davon haben sollten“.
    Hinzu kommt, dass die Pharmaindustrie eben nicht diejenige ist, die Heilmittel entwickelt. Sie verkauft sie nur. Die meiste Forschung wird durch öffentliche Gelder finanziert in Universitäten und Kliniken betrieben. Pharmaunternehmen kaufen vielversprechende Ergebnisse auf und entwickeln sie weiter. Das ist nicht dasselbe.

    Aber abgesehen von diesen ganzen Dingen sind wir doch heute an einem Punkt, an dem öffentlich feststehen sollte, dass die Schutzimpfung zur Herstellung einer Herdenimmunität vom Tisch ist. Es spricht auch kein Mensch mehr davon. PEI und RKI haben sämtliche solche Informationen von ihren Webseiten entfernt. Stattdessen finden wir uns in einem Strom nicht enden wollender Auffrischungsimpfungen. Kaum wurde der Booster erklärt und begonnen, soll im Frühjahr die Impfpflicht kommen, dass ein vierter Schuss notwendig ist, steht außer Frage. Die Dosen sind bestellt. Insofern müssen wir uns fragen: Wer soll diese Kosten tragen? Wie soll das logistisch überhaupt durchgeführt werden? Es sollen jedes Jahr 160 Millionen Impfdosen verabreicht werden (wenn man von zwei jährlichen Dosen ausgeht).

    Wäre es nicht nachhaltiger, andere Wege zu finden? Wäre es nicht besser, die Bevölkerung aus der Angstspirale zu entlassen und auf eine gesündere Gesamtbevölkerung hinzuarbeiten? Wäre es nicht notwendig, dass wir überhaupt überlegen, was Leben für uns bedeutet? Ist das jetzt richtig, den Planeten mit weggeworfenen Masken zu überziehen, die Umwelt mit Desinfektionsmitteln zu übergießen und Menschen zu isolieren, zu trennen und ständig zu impfen – als Mittel zu einem langen Leben? Gesund kann das nicht sein, und angenehm ist es auch nicht. Wie lange wollen wir so leben? Was ist uns die Quantität wert – bei dieser schockierend reduzierten Qualität?

    Nein, ich schaue meine Kinder an: 20% der Lebenszeit meiner jüngeren Tochter ruiniert. Noch nie im Theater oder im Kino gewesen. Von zwei Jahren Musikunterricht fanden 25% statt. Meine größere Tochter hat es noch besser: mit 12 darf sie ab Januar nicht mehr in den Musikunterricht, ihr Tanzunterricht muss ohne sie stattfinden, denn ohne Impfung darf sie nicht mehr teilnehmen. Und in Hinblick auf eine derart grausige Wirklichkeit ist es mir herzlich egal, ob ich oder meine Eltern von Corona bedroht sind. Erst letzte Woche haben wir einen sehr guten Freund verloren: Er starb an einer Corona-Lungenentzündung. Das tut weh. Aber die Zukunft gehört den Kindern, nicht mir. Und wir müssen als Gesellschaft tun, was nachhaltig ist, was richtig für die Kinder ist. Und dazu gehört, dass wir uns zuallererst und mit aller Entschiedenheit gegen die Segregation richten, gegen diese neue Apartheid, die das ganze Corona-Thema bzw. Die dahinterstehende Politik wieder salonfähig gemacht haben.
    Wir müssen wählen, in welcher Welt unsere Kinder leben sollen, wenn wir gegangen sind. Und wir werden gehen müssen – jeder von uns.

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    • Vielen Dank für diese sehr kluge Reaktion auf den Zuckermann-Artikel! Hoffentlich wird Ihr Kommentar noch oft gelesen und verbreitet.

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  • Pure Verlautbarungs-Analyse (mit jeder Menge Auslassungen)
    ohne besondere Tiefe, die den Autor am Ende selbst ratlos zurücklassen müsste.
    Tuts wohl nicht. Vielmehr glaubt er, einen intelligenten Text geschrieben zu haben.

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  • Die Maßnahmen als Schutz der Gesundheit jedes Einzelnen zu bezeichnen hat sich mE als falsches Versprechen herausgestellt: Soviel Infizierte wie heute haben die Wellen im letzten Jahr (ohne Impfung) nicht hervorgebracht. Der Umkehrschluss, ohne die Maßnahmen lägen die Infizierten allesamt unter der Erde ist ebenfalls nicht statthaft, denn die Genesenen sind ja wohl der lebende Beweis, dass eine Infektion nicht zwangsläufig ins Grab führt. Der Kern der staatlichen Fürsorge, die Impfung, lässt Zweifel an der Schutzwirkung der Maßnahme aufkommen: Wie kann bei einer Anzahl von 83 % an doppelt- und bald dreifach Geimpften, eine handvoll Nicht-Geimpfter (17%) die gesamte Gesellschaft mit soviel Viren „versorgen“, dass ein Großteil der Bevölkerung schon wieder kurz vor der Hospitalisierung steht und der medizinische Behandlungsschutz durch Personalmangel in Folge verknappter Kapazitäten in Frage steht?

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