Eine Bahnfahrt, die ist lustig, eine Bahnfahrt, die ist schön!

Wenn einer eine lange Reise mit der Bahn tut, dann sollte er die Fahrradmitnahme vermeiden.

Es war einmal, vor langer Zeit, also vor Corona, da machte ich eine wunderbare Radtour von Eisenach nach Leipzig auf den Spuren Johann Sebastian Bachs. Bach-by-Bike, für alle Radfahrer, die nicht nur das Bächlein neben dem Radweg, sondern den richtigen Bach im Ohr haben möchten, sehr empfehlenswert.

Weniger empfehlenswert waren die Hinfahrt nach Eisenach und die Rückfahrt von Leipzig. Ich hatte die Fahrkarten und Reservierungen für mein Rad und mich früh genug besorgt, als es noch Plätze in überregionalen Zügen gab. Ich hatte auch den Verspätungsalarm eingestellt für den unwahrscheinlichen Fall, dass die DB mal unpünktlich sein sollte.

Der Verspätungsalarm für die Hinfahrt kam auch prompt, und zwar eine Woche vor der Fahrt. Radfahrer, sei gewarnt! Kommt der Alarm so früh, dann geht es nicht um 5 oder 10 Minuten Verspätung. Nein, dann meint die DB es ernst! Die gebuchte Verbindung ist i.A. nicht mehr fahrbar. Bei meiner geplanten Reise von Saarbrücken nach Eisenach war es der wichtigste Bestandteil meiner Fahrt, der IC von Frankfurt nach Fulda, der ausfiel. Da kurzfristig keine Reservierungen für Fahrradplätze auf überregionalen Zügen zu kriegen sind, bleibt einem bestenfalls, was der Skatspieler bei einer Glückssträhne ruft, RE, RE und noch mal RE! Da mein RE in Kassel-Wilhelmshöhe viel zu spät war, kamen noch ein paar REs und 2 Stunden Verspätung hinzu.

Für die Rückfahrt Leipzig – Saarbrücken hatte ich die Idealverbindung reserviert: IC von Leipzig nach Hannover, ICE von dort nach Frankfurt, dann RE nach Saarbrücken. Wieder Verspätungsalarm 4 Tage vorher.

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Meine DB-App machte mich nervös. Sie kannte keinen ICE meiner Nummer mit der angegebenen Abfahrtzeit in Hannover. Also am Tag der Fahrt früh zum HBF Leipzig gefahren, vollbepacktes Fahrrad ins vollständig leere Reisezentrum geschoben, nichtbehindernd geparkt, Anschiss von den Serviceleuten kassiert (ist strikte verboten), Anschiss ignoriert und darauf vertraut, dass die Schwere meiner Malaise die unfreundlichen Herren und Damen davon überzeugen würde, solche Kleinigkeiten zu ignorieren. Das klappte, bis die Ordnungskräfte des HBF kamen und einen weiteren Anschiss losließen.

Wieder ignoriert und zwar ohne große Gefahr, denn die Serviceleute der DB waren inzwischen wegen der Schwere meines Problems bereit, mich zu verteidigen. Sie fanden leider wieder nur die Lösung des glücklichen Skatspielers, RE nach Erfurt, ein weiterer RE durch das wunderschöne Südthüringen nach Würzburg, noch einen RE nach Osterburken, dann mal zur Abwechslung 2 Stunden S-Bahn bis Mannheim. Dort ereilte mich die alte Fußballerweisheit, erst kein Glück gehabt und dann noch Pech dazu gekriegt. Der RE nach Trier fiel aus. Die diesbezügliche Mitteilung kam leider erst, nachdem meine S-Bahn, mit der ich noch bis Homburg hätte fahren können, weg war.

Immerhin erwischte ich bald darauf eine S-Bahn nach Kaiserslautern. Deren Lokführer hatte schon mehrere seine Fahrt stark verzögernde Katastrophen hinter sich und ließ sich durch nichts mehr erschüttern: „Entgleister Zug vor uns, kein Problem! Nur die Germersheimer können wir nicht abliefern.“ Er unterhielt uns auch weiterhin mit seiner Lebensphilosophie: „Seien Sie mal ehrlich! Es geht Ihnen doch gut. Es ist doch keiner verletzt oder umgekommen. Nehmen Sie solche kleinen Unannehmlichkeiten nicht zu ernst!“ Er war eindeutig das Highlight des Tages! In Kaiserslautern gab es dann tatsächlich eine RB nach Saarbrücken, und nach nur wenig über 11 Stunden war Saarbrücken erreicht.

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