Fucking Bitche

Es ist dem heutigen Menschen schlicht nicht mehr vorstellbar, unvernetzt und abgeschnitten von aller Kommunikation nur noch auf sich gestellt zu sein, weder den eigenen Gemüts- und Gesundheitszustand der Welt mitteilen zu können, noch von außen weltbewegende Neuigkeiten über Kim Kardashian und Kanye West zu erfahren. Diese Situation zwingt ihn förmlich, sich auf das Lebensnotwendige zu beschränken, als da wären, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, sich um Familie und Freunde zu kümmern, sein Gemüse anzubauen und die Schnecken von diesem fernzuhalten.

Es gibt in der Geschichte beeindruckende Beispiele dafür, was das Abschneiden von Kommunikation bedeutet. Eines aus meiner näheren Umgebung betraf die schöne lothringische Kleinstadt Bitche. Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 verteidigten die französischen Truppen die Zitadelle von Bitche noch, als Frankreich schon gegen Deutschland kapituliert hatte. Damals kamen einfach keine Nachrichten über die Kapitulation in die Festung Bitch hinein. Die bayerischen Truppen, welche die Zitadelle belagerten, schossen Zeitungen mit den Meldungen über die Kapitulation zur Festung hoch. Die Verteidiger der Zitadelle riefen „Fake News!“ herunter oder was immer das auf Französisch heißt. Man sieht, es hat auch das schon mal gegeben!

Verblüffenderweise erwischte es Bitche neuerdings ein weiteres Mal. Facebook hat nämlich die Seite von Bitche gelöscht, weil der Facebook-Algorithmus mit leichter Rechtschreibkorrektur bitch dahinter vermutete, und das ist nun mal im Englischen eine handfeste Beleidigung von Frauen, und mit Frauen mag sich heutzutage niemand anlegen, nicht mal Facebook. Das kommt davon, wenn man die Rechtschreibkorrektur ernster nimmt als Kenntnisse in Fremdsprachen oder gar ausländischer, also eher unwichtiger Geographie.

Bitche war damit fast in den Zustand der kommunikativen Ödnis versetzt. Die Welt bekam nichts mehr von Bitche mit, weil einfach keine Nachrichten mehr aus Bitche heraus gingen. Andererseits konnte die Welt zum Beispiel keine Kommentare mehr über die vorzügliche Qualität des Essens in den Bitcher Lokalen absondern.

Da ich nicht bei Facebook bin, weiß ich nicht, ob Fucking in St. Marienkirchen bei Schärding in Österreich eine Facebook-Seite hat. Wie wird es erst Fucking gehen? Wahrscheinlich wurde Fucking nur die Zugehörigkeit zu St. Marienkirchen gerettet. Maria lässt die Ihren doch so leicht nicht verkommen!

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Immerhin scheut sich Google Maps nicht, Fucking zu zeigen, und das sogar in der Nachbarschaft von Hackenbuch-Wintersack und Großwiesenhart. Das ging in der Vergangenheit manchen Alpentälern in der Schweiz anders. Es gab sie nicht in Google Maps, und, was es in Google Maps nicht gibt, gibt es einfach nicht. Punkt!

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