Open Access to the University Cash Box

Das Open Access-Publikationsmodell lässt sich durchaus falsch verstehen

Neulich schrieb ich eine Besprechung eines Lehrbuchs, welches in einem früher sehr renommierten Wissenschaftsverlag erschienen ist. Die Besprechung war bestimmt für eine Zeitschrift, welche im selben Verlag erscheint. Der Verlag wurde nach einer langen ruhmreichen Geschichte durch die Gründerfamilie verkauft, ging dann nach und nach durch die Hände diverser Finanzinvestoren und hat diese reich bzw. noch reicher gemacht. Dabei ging allerdings die Orientierung an seinem früheren Ziel, der Wissenschaft zu dienen, etwas verloren. Dadurch hat er an Ansehen bei den Wissenschaftlern eingebüßt. Trotzdem kam ich der Bitte eines befreundeten Kollegen nach, diese Besprechung zu schreiben.

Nach deren Ablieferung verging einige Zeit, bis ein Schreiben des Verlages eintraf, wie ich die Veröffentlichung meiner Besprechung zu zahlen gedenke, weil diese Zeitschrift schließlich im Open-Access-Publikationsmodus erscheine. Nun bin ich als starker Verfechter der Idee, wissenschaftliche Ergebnisse im Open-Access-Modus zu publizieren, bekannt. Soweit, so gut! Aber ich fand die Idee, dass ich für die Besprechung eines Buchs nicht nur nichts bekommen, sondern sogar dafür bezahlen sollte, etwas überraschend.

Als Schlupfloch bot der Verlag allerdings die Vergütung im Rahmen des DEAL-Abkommens an. Diese regelt die Finanzierung von Open-Access-Publikationen der Mitglieder der beteiligten deutschen Forschungsinstitutionen in Zeitschriften und anderen Publikationsorganen des Verlages. Deshalb wurde ich gefragt, ob ich einer solchen angehöre. Nun gut, das ist seit mehr als 40 Jahren der Fall. Also wird die Open-Access-Gebühr im Rahmen von DEAL übernommen. An der Stelle möchte ich anfügen, dass die Höhe dieser Autorengebühren mir in keinem gesunden Verhältnis zum Aufwand des Verlages zu stehen scheint. Das Gesamtbild ergibt sich also folgendermaßen: Der Besprecher treibt einen ziemlich großen Aufwand, und er oder seine Institution zahlen für die Veröffentlichung ziemlich gewaltige Gebühren, der Verlag treibt ziemlich wenig Aufwand und macht damit einen ziemlich gewaltigen Profit.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Buchhalter des Verlages meine Besprechung nicht gelesen haben. Sonst hätte ich die verlangte Gebühr als Strafzahlung verstanden und akzeptiert. Aber so, wie die Dinge liegen, scheinen die Verlage, Open Access falsch zu verstehen, nämlich als freien Zugriff auf die Kassen der wissenschaftlichen Institutionen.

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