Masthühner werden zu Massenkillern

Beitragsbild: Masthühner werden zu Massenkillern

 

In immer größeren Mastfabriken werden die Schweine, Hühner und Rinder zu immer günstigeren Preisen produziert. So ist Deutschland in den letzten Jahrzehnten zum weltweit drittgrößten Exporteur von Lebensmitteln geworden. Eine perverse Entwicklung, wenn man sich mal die Konsequenzen anschaut.

Jahr für Jahr werden in Deutschland 3,6 Millionen Rinder, 59,4 Millionen Schweine, 632,8, Millionen Hühner unter traurigsten Bedingungen produziert. Um die industrielle Fleischproduktion am Laufen zu halten, wird in den deutschen Mastfabriken jede Menge Kraftfutter benötigt, hauptsächlich Soja. Die proteinreiche Bohne wird in riesigen Monokulturen vorwiegend in Brasilien, Argentinien und den USA angebaut. In den letzten zehn Jahren ist die Anbaufläche in diesen Ländern um 40 Prozent gewachsen. Allein für die deutschen Mastfabriken wächst hier Soja auf einer Fläche von rund 2,7 Millionen Hektar. Um das mal anschaulich zu machen: Für das Fake Food aus unseren Mastfabriken wird in diesen Ländern Futter auf einer Fläche angebaut, die ungefähr der gemeinsamen Fläche von Hessen und dem Saarland entspricht. Unfassbar! Übrigens: Der größte Teil des Saatgutes auf diesen riesigen Monokulturen kommt von den großen US-Gentechnikkonzernen. In der EU, also auch in Deutschland, ist der Anbau gentechnisch veränderter Sorten zwar verboten und die überwiegende Mehrheit der Deutschen lehnt gentechnisch veränderte Grünpflanzen klar ab. Im Tierfutter aber ist die Gentechnik erlaubt und der Anteil des in Deutschland verfütterten Gensojas liegt bei über 80 Prozent. Das ist doch wirklich komplett bescheuert.

Wir führen also gewaltige Mengen an Futter nach Deutschland ein, das in riesigen Monokulturen erzeugt wurde, damit die deutschen Billigfleischexporte weiter steigen können, die sich bei Schweinen und Hühnern in den letzten zehn Jahren verdoppelt haben. So ruinieren wir nicht nur in vielen anderen Ländern bäuerliche Strukturen, sondern auch unsere Böden und unser Grundwasser. Die in der Massentierhaltung entstehende Gülle schicken wir ja nicht in die Länder der Futterlieferanten zurück, sondern verteilen sie auf unseren Feldern, wo seit Jahren die Nitratbelastung des Grundwassers als Folge einer massiven Überdüngung weit über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter liegt. Ein wirklich kranker Kreislauf.

Um das mal klar zu sagen: Wir subventionieren mit unserer Art der industrialisierten Landwirtschaft ein System, das die Umwelt zerstört, das Klima schädigt, das Tierwohl missachtet und die Menschen krank macht. Warum??? Jedes fünfte Schwein aus der Intensivhaltung schafft es noch nicht einmal bis zum Schlachthof, was bedeutet, dass wir pro Jahr an die 13 Millionen Schweine, die ein qualvolles Leben haben, für den Müll produzieren. In mehr als 50 Prozent aller Hühnerfleischproben wurde der Durchfallerreger Campylobacter gefunden. Das darf man wohl mit Fug und Recht einen echten Scheißfraß nennen. In der Tiermast werden jährlich noch immer rund 735 Tonnen Antibiotika eingesetzt. Darunter auch sogenannte Reserveantibiotika, die eigentlich als letzte Waffe für die Behandlung von uns Menschen vorbehalten sind. Das ist die nächste Katastrophe, in die wir sehenden Auges hineinlaufen. Rudolf Henke, Vorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, warnt eindringlich vor den Folgen des Einsatzes von Reserveantibiotika in der Fleischproduktion: »Wenn mehr und mehr Bakterien selbst gegen Reserveantibiotika wie Colistin Resistenzen entwickeln, ist das Spektrum der therapeutischen Möglichkeiten in vielen Fällen aufgebraucht.« Die Folgen der schwachsinnigen Idee, Antibiotika aus der Humanmedizin in der Tiermast einzusetzen, sehen wir schon jetzt: Geschätzte 33.000 Menschen sterben in der EU jährlich an multiresistenten Keimen. Masthühner werden zu Massenkillern. Ein echter Skandal mit rasant steigender Tendenz!

Die aktuelle Krise führt uns drastisch vor Augen, wie anfällig der Mensch, der sich ja gerne als Krönung der Schöpfung versteht, ist, wenn uns ein kleiner Virus angreift. Deshalb mein dringender Rat: „Ab in die Küche!“ Denn selber kochen ist der beste Weg, die Kontrolle über eine gesunde Ernährung wieder in die eigene Hand zu nehmen und damit unsere Gesundheit, unsere Umwelt und das Klima nachhaltig zu schützen.

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