Methanarm einkaufen – klimafreundlich essen?

Methan als Abfallprodukt der Erdölindustrie. Auf dieser Ölbohrplattform wird es in einer sogenannten Hochfakel nutzlos verbrannt und ist damit immerhin weniger klimaschädlich als wenn es in Gasform entweicht. | Foto: Varodrig / Wikimedia

 

Können wir uns mit dem Einkaufswagen am Kampf gegen das Gas Methan beteiligen? Wie können wir methanarm einkaufen und klimafreundlich Essen?

Mehr als achtzig Staaten haben bei der Klimakonferenz in Glasgow erklärt, das Treibhausgas Methan in den nächsten Jahren drastisch reduzieren zu wollen. Methan heizt das irdische Treibhaus 21-mal stärker auf als Kohlendioxid und soll für die Hälfte der bisherigen menschengemachten Erderwärmung verantwortlich sein. Das Gas mit der Summenformel CH4 ist Hauptbestandteil von Erd- und Biogas. Es entweicht aus alten Bohrlöchern und Lecks in Pipelines. Es entsteht aber auch in Rindermägen und in vernässten Reisfeldern. Müssen wir also nicht warten, bis die Biden-Regierung ihre maroden Bohrlöcher und Pipelines saniert hat, können wir uns mit dem Einkaufswagen am Kampf gegen das Klimagas Methan beteiligen?

In der medialen Begleitung der Klimakonferenz von Glasgow wurde uns in Artikeln, Radio- und Filmbeiträgen unter anderem beigebracht, dass Luxuslimousinen nicht nur durch ihren Verbrennermotor das Klima schädigen, sondern auch durch ihre mit Rindsleder bezogenen Sitze. Nicht nur für Sojafelder, auch für Rinderweiden wird der Regenwald abgeholzt und damit die Klimakrise angeheizt. Und mit dem Konsum von Milch, Käse und Rindfleisch schädigen wir auch ganz ohne Luxus das Klima, ebenso durch das Tragen von rindslederner Kleidung oder Schuhen. Das ist die Botschaft.

Pakt gegen Methan

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Joe Biden und Ursula von der Leyen stellten in Glasgow die Initiative der über achtzig Staaten vor, die bis 2030 den Ausstoß von Methan um dreißig Prozent verringern wollen. Der US-Präsident kann den größten Teil dieser Ansage schlicht damit in die Tat umsetzen, dass er ein Wahlversprechen einlöst und die desolate Infrastruktur der USA angeht. Dort entweicht Methan aus schlecht oder gar nicht verschlossenen alten Bohrlöchern der Erdölindustrie und aus unentdeckten Lecks in Pipelines. Da, wo das Methan nicht kommerziell als Erdgas oder gepresst als Flüssiggas verwertbar ist, wird es bis heute noch abgefackelt, also ebenso klimaschädlich wie nutzlos verbrannt. Und da, wo selbst das nicht geschieht, entweicht es schlicht und ist dann noch deutlicher am Treibhauseffekt beteiligt.

Das abzustellen, ist keine große technische Herausforderung. Insofern hatte es Joe Biden leicht mit dem Versprechen, den Methanausstoß zu reduzieren, zumal die Sanierung der Infrastruktur ohnehin sein Programm ist. Schwieriger wird es für Ursula von der Leyen. In der Europäischen Union ist die technische Infrastruktur in deutlich besserem Zustand, vor allem seit das Vereinigte Königreich die EU verlassen hat. Mit dem Flicken von Leckagen bei der Ölindustrie wird es also nicht getan sein. Auch aus alten Mülldeponien entweicht Methan, das man auffangen könnte, aber auch das bringt keine dreißigprozentige Reduktion. Also muss die Europäische Union die Landwirtschaft in den Blick nehmen.

Gibt es auch methanarmes Rindfleisch? Ja, bei konsequenter Weidehaltung: Hier Limousins als Pflegekräfte in einem Naturschutzgebiet. | Foto: Florian Schwinn

Das Treibhausgas Methan entsteht bei der anaeroben Atmung von Archaeen, zum Beispiel im Rindermagen. Die früher auch Urbakterien genannten Einzeller helfen den Wiederkäuern, die Zellulose zu verdauen. Nur deshalb können die Tiere sich von Gras, Heu und Stroh ernähren. Methan entsteht aber auch in vernässten Reisfeldern und überall, wo organisches Material unter Luftabschluss von Archaeen zersetzt wird. Die Kuh gilt lange schon als Klimakiller, der Reis ist klimapolitisch allerdings noch gar nicht in den Fokus gerückt. Nun liegen die meisten vernässten Reisfelder bekanntlich in Asien, weshalb sich um die Reduktion des Methanausstoßes aus dieser Form der Landwirtschaft andere kümmern müssen. Für die Europäische Union bleibt das Rind im Blick. Man könnte den auch auf Schafe und Ziegen erweitern, die aber sind viel kleiner und rülpsen deshalb viel weniger Methan. Bei einer Kuh sind es zwischen 150 und 250 Liter Methan täglich, die aus dem Magen entweichen.

Methanarm einkaufen, aber wie?

Es wird viel geforscht in Sachen Methan und Rind in letzter Zeit. Und es gibt auch bereits einige Ergebnisse, die darauf hinweisen, wie wir methanarm einkaufen können. Mehrere Studien zeigen zum Beispiel, dass eine Zugabe von Fetten im Futter die Methanemissionen der Tiere um bis zu zwanzig Prozent mindern kann. Die Rede ist unter anderem von Kokosfett; für Mitteleuropa eine eher absurde Idee. Es funktioniert aber auch mit Fetten aus Leinsamen oder Raps. Und das vor allem bei Rindern, die mit Mais- oder Grassilage gefüttert werden. Womit ein anderer Weg der Reduktion des Methanausstoßes gleich mitgenannt ist: die Reduktion von vorvergorenem Futter aus dem Silo. Rinder, die auf der Weide stehen und das tun, was sie am besten können, nämlich Gras fressen, stoßen per se weniger Methan aus, als die Tiere im Stall, die Silage und Kraftfutter vorgesetzt bekommen. Es müssen also gar keine neuen futtertechnischen Tricks angewandt werden, es reicht, die Weidehaltung wieder einzuführen oder sie beizubehalten, wo sie noch gepflegt wird.

Den Wiederkäuern geht es auf der Weide besser, der Tierarzt muss viel seltener kommen. Und die Klimakrise ist gleich zweifach bekämpft: Durch die Pflege der Weiden, die durch ihren hohen Humusgehalt im Boden der größte Kohlenstoffspeicher unserer landwirtschaftlichen Flächen sind. Und durch die deutlich reduzierten Methanemissionen aus den Rindermägen. Die Weidehaltung ist allerdings auch deutlich mehr Aufwand für die Bäuerin und den Bauern. Vor allem dann, wenn Milchkühe täglich hinaus sollen auf die Weiden und zweimal täglich wieder auf den Hof zurück zum Melken. Oder wenn mobile Melkstände hinter den Kühen hergefahren werden.

Am Abend warten die Kühe schon, dass sie abgeholt werden: Bunte Milchviehherde bereit zum Rückweg von der Weide in den Melkstand. | Foto: Florian Schwinn

Das macht die Milch und den Käse teurer. Das gibt uns aber auch Orientierung beim Einkaufen. Wer methanarm einkaufen will, greift zur Weidemilch, wie sie von manchen Biomolkereien angeboten wird. Im Winter heißt diese Milch dann Heumilch. Auch das ein Hinweis auf die natürliche und damit methanarme Fütterung der Tiere. Richtig viel Weidegang ist Programm bei den Kühen von Erzeugergemeinschaften wie Hamfelder Hof in Norddeutschland oder Upländer Bauernmolkerei in Hessen. Und die Anbauverbände Demeter, Bioland und Naturland schreiben ihren Mitgliedsbetrieben beim Milchvieh Weidegang vor. Selbst beim Rindfleisch wird inzwischen bei einigen regionalen Angeboten deklariert, wenn die Tiere draußen gelebt haben.

Wir können also methanarm einkaufen, zumindest im Bioladen und bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs. Wir sollten dann aber vielleicht auf den Milchreis verzichten, denn methanarmer Anbau ist noch auf keiner Reisverpackung deklariert, muss wohl auch erst noch erfunden werden.

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