„Ein System, das betrogen werden wollte“ – Felix Holtermann im Interview

Felix Holtermann im Interview über sein neues Buch zu Wirecard „Geniale Betrüger“, in dem er über den größten Wirtschaftsskandal der Nachkriegszeit schreibt und über ein System, das betrogen werden wollte.

Wirecard hat extrem geschickt und klug Wünsche befriedigt und eine Projektionsfläche geboten für viele Akteure am deutschen Finanzmarkt und darüber hinaus. Das hat die Investoren, aber auch Beobachter und  Teilnehmer am Finanzmarkt, also Banken, Aufseher und Politiker bis hin zu Geheimdienstmitarbeitern, lange überzeugt.

Felix Holtermann hat Wirecard früh kritisch durchleuchtet und brisantes, bislang unveröffentlichtes Material zutage gefördert – unter anderem die letzten Nachrichten des Vorstands Marsalek auf der Flucht. Ein Wirtschaftskrimi, der tief blicken lässt und die Defekte der deutschen Finanzwelt gnadenlos offenlegt.

In 20 Jahren wächst der Zahlungsabwickler aus Aschheim bei München vom dubiosen Finanz-Start-up zum internationalen Technologieriesen, wirft die Commerzbank aus dem Dax, ist mehr wert als die Deutsche Bank. Anleger lieben die Aktie, Banker hofieren das Management, die Politik gibt Schützenhilfe. Und dann ist binnen sieben Tagen und sieben Nächten alles aus. Vorstandsmitglied Jan Marsalek, bekannt für seine guten Verbindungen zu Geheimdiensten, ist nach Minsk geflohen und scheint nun unter den Fittichen des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR in der Nähe von Mokau untergetaucht zu sein.

Felix Holtermann macht auch die systematische Vorgehensweise des Konzerns gegen Kritiker klar. Sie wurden als von Eigeninteresse getrieben dargestellt, die nur darauf setzen, dass die Aktie abstürzt, um selbst davon zu profitieren. Dieses Narrativ, so Holtermann, war so stark, dass die Finanzaufsicht und auch die Staatsanwaltschaft und viele andere lange überzeugt habe.

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