Walter Ötsch: „Ohne positive Zukunftsvisionen wird sich nichts verändern“

Wo ist die politische Phantasie geblieben? Wo die Vision, die Utopie? Walter Ötsch im Interview mit Krass & Konkret über sein neues Buch.

Die fatalen Folgen der politischen Ideenlosigkeit werden durch die drohende Klimakatastrophe, den neoliberalen Sozialraub und die internationale Entsolidarisierung heute sichtbarer denn je.

Die gute Nachricht: Der Verlust der politischen Phantasie, der in den letzten Jahrzehnten schleichend um sich gegriffen hat, ist kein natürlicher oder selbstverständlicher Prozess. Er ist umkehrbar. Nina Horaczek und Walter Ötsch streiten für eine neue, partizipativere Politik und eine Redemokratisierung der Gesellschaft. Das Ziel ist nicht eine Abwendung von der Politik, sondern ein neuer Schritt zu einer besseren Politik. Nicht von oben, sondern von unten.

Mehr Mut! Walter Ötsch über sein neues Buch „Wir wollen unsere Zukunft zurück!“

„Zu Beginn der 1980er Jahren hat es bereits einen Konsens über die Erderwärmung gegeben. Gleichzeitig ist der Neoliberalismus die herrschende Politikform geworden“, sagt Ötsch. „Man kann zeigen, dass der Neoliberalismus ein ganz klares Konzept von dem Markt und den Märkten ist, die sich nicht der Natur unterwirft. Das heißt, dieses Konzept kann sich keine Grenze geben, was zweifach entscheidend wird. Die Gesellschaft kann ökonomisiert werden, während die Natur immer mehr erobert wird. Wenn man sich den CO2-Ausstoß ansieht, dann ist die Hälfte der gesamten Emissionen, die die Menschen seit der Industriellen Revolution in die Atmosphäre geblasen haben, seit den 1980er Jahren entstanden. Wir haben hier die Erkenntnis und gleichzeitig eine Politik, die Strukturen schafft, die das Problem verschärfen.“

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„Die Parteienpolitik in ihrer augenblicklichen Verfassheit ist nicht fähig, die ökologischen Krisen effizient zu lösen. Wir müssen unsere Hoffnung darauf setzen, dass eine große politische Bewegung kommt, die mit einer größeren Radikalität Strukturprobleme des heuitgen Wirtschaftssystems angeht. Das ist nicht in Sicht, aber gleichzeitig sehen wir tausende Initiativen – und das ist die Botschaft unsere Buches -, die zukunftsweisende Projekte machen. Aber diese weltweite Strömung hat sich noch nicht zusammengefunden. Die Vision des Buches ist, dafür ein paar Ideen zu liefern.“

Walter Ötsch ist Professor für Ökonomie und Kulturgeschichte an der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung. Er forscht zur Geschichte des ökonomischen Denkens und zur Wirkungsgeschichte des Neoliberalismus. Er ist Kommunikationstrainer und gefragter Experte für Rechtspopulismus. Siehe auch das Interview mit ihm: Lippmann oder das Experiment einer Massensteuerung und „Die Politiker haben sich in eine Sackgasse hineinmanövriert“.

 

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