10 Jahre nach dem Unglück: Weiter sehr hohe Strahlung in Reaktoren des AKW Fukushima

Reaktor 2. Bild: Tepco

In den Reaktorbehältern der Reaktoren 2 und 3 sind auch ganz oben gefährlich hohe Cäsium-137-Werte von 10 Sievert die Stunde gemessen worden. Die weitere Entsorgung musste einmal wieder verschoben werden.

 

Von Fukushima hört man kaum mehr etwas. Bei dem im März 2011 durch einen verheerenden Tsunami überschwemmten AKW waren in drei Reaktoren eine Kernschmelze wegen ausgefallener Kühlsysteme eingetreten. Auch zehn Jahre danach ist man in der Entsorgung nicht weiter vorangekommen. 2022 endet die Möglichkeit, radioaktiv kontaminiertes Wasser weiter in Tanks auf dem Gelände speichern zu können. Bislang sind über 1,2 Millionen Tonnen Wasser in Tanks gesammelt worden.

Im Oktober 2020 entschied die Regierung, ihren Plan, das Wasser, das trotz Reinigung weiterhin vor allem Tritium enthält,  einfach im Meer zu entsorgen, noch einmal aufzuschieben. Das Wasser soll neben Tritium noch Strontium-90 und C-14  enthalten.

Völlig ungelöst ist sowieso die Endlagerung des AKW mit den 6 Reaktoren, den verbliebenen Brennstäben und der Kernschmelze. Mit der Entsorgung geht es auch nicht wirklich voran, es ist bereits Schutt, von Reaktor 4 sind auch 1500 Brennstäbe aus dem Kühlbecken entfernt worden. Noch ist nicht einmal klar, wie es in den Reaktoren aussieht, in denen sich eine Kernschmelze ergeben hat. Roboter konnten bislang nur teilweise Einsicht gewinnen. In den Reaktordruckbehältern sind wohl nur geringe Mengen der Kernschmelze verblieben, der größte Teil hat sich durch den Behälter gefressen und sich auf dem Boden der Sicherheitsbehälter angesammelt. Zumindest der Sicherheitsbehälter von Reaktor 2 ist undicht.

Ende Dezember ist ein Untersuchungsbericht der japanischen Atomaufsichtsbehörde bekannt geworden, der deutlich macht, dass die Entsorgung auch 10 Jahre nach dem Unglück weiter nicht vorankommt. Bislang war man davon ausgegangen, dass sich der Großteil der Kernschmelze am Boden der Reaktorbehälter abgelagert hat. Nach dem Bericht, der sich auf Daten aus dem Jahr 2019 bezieht, fanden sich sehr hohe Cäsium-Werte bei den Reaktoren 2 und 3 aber auf der Höhe der dreischichtigen Betonabschlussplatten auf den oberen Teil des Reaktorbehälters. Die Platten sind kreisförmig und haben einen Durchmesser von 12 Metern, jede Schicht ist 60 cm dick.

Ausgegangen wurde, dass die Kernschmelze nur im unteren Teil des Reaktorbehälters abgelagert ist. Offenbarein Irrtum. Bild: Tepco

Bei Reaktor 2 wurden zwischen der ersten und der zweiten Schicht 40-70 Petabecquerel Cäsium-137 gemessen, bei Reaktor 3 waren es 30 Petabecquerel. Eine derart hohe Verstrahlung, die 10 Sievert pro Stunde entspricht, tötet Menschen schnell. Bei Reaktor 1 wurden nur 0.1 – 0.2 Petabecquerel gemessen. Ursache ist, dass sich hier die Abschlussplatte durch das Erdbeben 2011 verschoben hatte und großen Mengen Cäsium-137 nach außen treten konnten.

Die hohen Radioaktivitätswerte werden als „extrem schweres“ Problem für die Entsorgung bezeichnet. Sie  verhindern erst einmal  das Öffnen der Platten, um einen Zugang ins Innere der Reaktorbehälter zu schaffen. Das war für dieses Jahr vorgesehen und wurde erst einmal auf 2022 verschoben. Solange die Platten nicht verrückt werden, dürfte keine Gefahr bestehen.

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