Vorsicht! Hoch verarbeitete Lebensmittel erhöhen das Todesrisiko deutlich

Bild: Thayne Tuason/CC BY-SA-4.0

Nach einer groß angelegten Studie steigt mit zunehmendem Konsum von Fertig- und Tiefkühlgerichten, Wurst oder Snacks vor allem die Wahrscheinlichkeit, an Herzerkrankungen zu sterben

Die Mehrzahl der im Handel befindlichen Lebensmittel sollen hoch verarbeitete Lebensmittel sein. Nach dem in Brasilien entwickelten NOVA-System, sind dies in der Regel Lebensmittel aus einzelnen Bestandteilen. Fertigprodukte, zusammengesetzte Fleisch- und Fischprodukte wie Wurst oder vorgefertigte Tiefkühlgerichte und Instantprodukte gehören ebenso dazu wie Süßigkeiten, Erfrischungsgetränke, Zusätze wie Aromen oder E-Stoffe und Extrakte.

Man kann davon ausgehen, dass in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen, geschlossenen Restaurants und Homeoffice Fertigprodukte, die sich schnell zubereiten lassen, Konjunktur haben.

„Dieses Produkt schadet Ihrer Gesundheit“

Wir wissen seit langem, dass hoch verarbeitete Produkte die Gesundheit nicht fördern und möglichst selten gegessen oder getrunken werden sollten. Wissenschaftler von der Fakultät für Epidemiologie und Prävention an der I.R.C.C.S. Neuromed in Pozzili haben in einer umfangreichen, im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlichten Studie noch einmal bestätigt, dass wir uns damit erheblichen Schaden zufügen können.

Wenn es wirklich um Gesundheitsfürsorge geht, wie dies nun in der Corona-Krise immer behauptet wird, sollte die massenhafte Herstellung und der Vertrieb solcher gesundheitsschädlichen Lebensmittel doch eingeschränkt werden. Zumindest sollte auf jeder Ware stehen: „Dieses Produkt schadet Ihrer Gesundheit.“

Untersucht wurden für die Studie fast 22.500 Teilnehmer des Moli-sani-Projekts, die älter als 35 Jahre waren. Über acht Jahre wurden ihre Essgewohnheiten und ihre Gesundheitsentwicklung verfolgt. Die Lebensmittel wurden nach dem NOVA-System eingestuft. Erfasst wurde der Anteil der hoch verarbeiteten Lebensmittel an der gesamten Ernährung.

Hoch verarbeitete Lebensmittel gehen auf’s Herz

Das Ergebnis: Die Teilnehmer in dem Viertel der Teilnehmer, die am meisten hoch verarbeitete Lebensmittel zu sich nahmen, nämlich mehr als 14,6 Prozent von der gesamten Ernährung, hatten gegenüber dem niedrigsten Viertel, bei dem diese nur 6,6% und weniger ausmachten, ein erhöhtes allgemeines Todesrisiko von 26% – und von 58% bei Herzkreislauferkrankungen sowie 52% bei koronarer Herzkrankheit/Schlaganfall. Vor allem gibt es eine Korrelation von Herzerkrankungen und dem Konsum von hoch verarbeiteten Lebensmittel.

Zucker scheint die Hauptursache zu sein. Bei koronarer Herzkrankheit/Schlaganfall erklärt er zu 36% die Folgen von hoch verarbeiteten Lebensmitteln, in denen oft viel Zucker enthalten ist. Die Wissenschaftler vermuten, dass die industrielle Verarbeitung selbst eine entscheidende Rolle spielen könnte, weil sie große Veränderungen der Struktur und der Zusammensetzung der Lebensmittel bewirkt.

Die Wissenschaftler empfehlen, nicht nur auf die Kalorien zu achten oder vage eine mediterrane Ernährung zu empfehlen. Licia Iacoviello, Direktorin der Fakultät für Epidemiologie und Prävention von Neuromed, sieht Veränderungen im Hintergrund: „Besonders junge Menschen werden zunehmend mit vorgefertigten Lebensmitteln konfrontiert, die leicht zuzubereiten und zu konsumieren, extrem attraktiv und billig sind.“ Die Studie zeige aber, dass frische oder minimal verarbeitete Lebensmittel im Vordergrund stehen sollten, also lieber etwas ein paar Minuten kochen, als einen Behälter in der Mikrowelle aufzuwärmen.

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