Bei den jüngeren Menschen sinkt die Lust am Sex

Bild: Ravindraboopathi/CC BY-SA-3.0

Nach einer Studie aus den USA soll der Rückgang vor allem durch abnehmenden Alkoholkonsum,  aber auch durch Internetnutzung und Computerspiele und verlängertes Wohnen bei den Eltern verursacht werden.

Aus Ländern wie Japan und Südkorea ist längst bekannt, dass die Zahl der jungen Menschen steigt, die im Zeitalter der Pornographie kein Interesse an Sex und auch überhaupt an einer Beziehung haben (Keine Lust auf Heiraten, nicht einmal auf Dating). Nach einer Umfrage aus dem Jahr 2016 waren 70 Prozent der unverheirateten Männer und 60 Prozent der unverheirateten Frauen im Alter zwischen 18 und 34 Jahren nicht an einer Beziehung interessiert, über 40 Prozent sagten, sie seien noch keinen Sex gehabt. Mitunter wird Sex als zu mühsam betrachtet. Aber das Phänomen der Asexualität ist nicht beschränkt auf Asien,  der Atlantic sprach im Dezember 2018 von einer zunehmenden „Sex Recession“ in den USA. Anzunehmen ist, dass die Coronapandemie mit dem Kult der Kontaktlosigkeit und der sozialen Distanzierung den Trend noch einmal gefördert hat

 

Eine neue Studie in den USA hat für den Rückgang der sexuellen Kontakte von jungen Menschen noch eine andere, vielleicht plausible Erklärung: Der Alkoholkonsum geht bei den jungen Menschen zurück. Dazu spielen die jungen Männer öfter  Computerspiele und leben zudem aus Bequemlichkeit oder auch aus Not mehr weiter Zuhause. Es fehlt die Enthemmung, aber bei den Männern auch die Zeit und die Gelegenheit.

Zwischen 2007 und 2017 fiel der Anteil der 18-23-Jährigen, die im vorherhergehenden Monat Gelegenheitssex hatten, von 38 auf 24 Prozent, bei den Frauen von 31 auf 22 Prozent. Bei der Umfrage, die die Studie auswertete, ging es nur um Sex außerhalb von Beziehungen. Nun könnte es auch sein, dass mittlerweile mehr in Umfragen zugeben, keinen Sex zu haben, als das früher der Fall war. Auffällig ist aber, dass der Unterschied bei den Männern deutlich größer ist als bei den Frauen.

Nach der Studie erklärt der geringere Alkoholkonsum bei den Männern ein Drittel des Rückgangs, die Zunahme des Spielens von Computerspielen wird zu 25 Prozent verantwortlich gemacht. Das Leben bei den Eltern soll nur 10 Prozent beitragen. Andere wichtige Faktoren wurden nicht gefunden. Die Frage ist, ob Nüchternheit den Mut oder das sexuelle Begehren dämpft, vielleicht auch die Lust an Verführungsspielen. Man sollte meinen, dass jedenfalls sexuelle Gewalt abnimmt.

Die Wissenschaftler gehen jedoch von einer gewissen Norm des sexuellen Verhaltens und Begehrens aus und konstatieren eine Fehlentwicklung. Die jungen Menschen würden, sagt der Soziologe und Mitautor Lei Lei, später erwachsen werden und länger von ihren Eltern abhängen: „Der Rückgang des Gelegenheitssexes in dieser Altersgruppe könnte ein weiteres Zeichen eines verzögerten Übergangs in das erwachsene Leben sein.“ Heißt also erwachsen zu sein, möglichst oft Sex zu haben und gut Alkohol zu sich zu nehmen?

Bei den jungen Frauen sorgt auch der sinkende Alkoholkonsum für weniger Sex. Das soll der Hauptgrund sein, der mit 25 Prozent zu dem Rückgang beiträgt. Internetnutzung ist für weitere 11 Prozent verantwortlich, Computerspiele sind aber nur für junge Männer Barrieren für das Sexbegehren.

Lei sieht hinter dem sinkenden Sexbegehren ein Anwachsen des Individualismus und einen Rückzug aus dem Sozialen im wirklichen Leben. Wer mehr virtuell interagiert, hat gewissermaßen weniger Gelegenheit, im Bett zu landen. Und der Mangel an sexuellen Begegnungen könnte dann auch Auswirkungen auf das Eingehen von langfristigen Liebesbeziehungen haben.

Viele andere Faktoren wurden allerdings nicht berücksichtigt. Der Alkoholkonsum könnte ein Indiz dafür sein, dass die Menschen weniger bereit sind, sich exzessiv hinzugeben, weil die Kontrolle über sich selbst aufrechterhalten werden muss. Der in Coronazeiten wieder stattfindende Hygieneschub könnte auch ein Zeichen dafür sein, Sex zu vermeiden, in dem Körpersäfte sich vermischen. Auffällig ist, dass Reinlichkeit des Körpers und der Kleidung wichtiger wird, das Überdecken aller Körpergerüche durch Deos und Parfüms, das visuelle Auftreten. Man agiert sich im Sport aus, um gesund zu bleiben und möglichst alt zu werden, der Genuss und die Lust muss da zurücktreten. Und Gesundheit oder Fitness ist Arbeit und quantifizierbare Leistung, kein Sich-Gehen-Lassen.

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