Sachbücher des Monats: Mai 2022

Diesen Monat: Die Philologin Melanie Möller über die zeitgenössiche Relevanz Homers in Tagen des Krieges  – Oder werfen Sie lieber einen Blick auf die neue Sachbuch Bestenliste? Zwischen Büchern über das Mittelalter, Putins KGB Vergangenheit, Grausamkeit und Nietzsches Erbe werden Sie bestimmt fündig. Die besten Sachbücher des Monats Mai werden präsentiert von Die Welt, Neue Zürcher Zeitung, RBB Kultur und ORF-Radio Österreich 1.

1.

  • Bibliografie
  • Beschreibung
  • Über den Autor
Michael Borgolte

Die Welten des Mittelalters

Globalgeschichte eines Jahrtausends

  • C.H. Beck
  • 1102 Seiten
  • Hardcover
  • ET: 17.03.2022
  • ISBN 978-3-406-78446-0
  • Preis: 48,00€

»Die globalisierte Welt der Gegenwart mit ihren Orientierungskrisen erfordert eine Neubestimmung auch des Mittelalters jenseits eurozentrischer Blickverengungen. « 

Michael Borgolte zeigt in seiner magistralen Darstellung, dass Europa zwar stets ein Teil der größten «Welt» von drei Kontinenten - Europa, Asien und Afrika - war, aber sich erst in einem langanhaltenden historischen Prozess aus seiner globalen Randposition befreien und zur eigenständigen Gestaltungsmacht werden konnte. Der bedeutende Mediävist legt damit nichts Geringeres vor als die erste Globalgeschichte der mittelalterlichen Welt. Anders als heute war die mittelalterliche Welt noch nicht global vernetzt. Sie war geprägt von zahlreichen Lebenswelten, die sich inselartig über den Globus verteilten, von Amerika bis China, im Nordmeer und Pazifik, unterschiedlich verdichtet in Europa und Afrika. Doch diese Inseln waren nicht alle isoliert. 

Michael Borgolte

Michael Borgolte ist Professor (em.) für mittelalterliche Geschichte an der Humboldt-Universität und einer der renommiertesten Mediävisten Deutschlands. Zu seinen zahlreichen Publikationen gehören u.a. "Christen, Juden, Muselmanen. Die Erben der Antike und der Aufstieg des Abendlandes" (2006) sowie zuletzt "Weltgeschichte als Stiftungsgeschichte" (2017).

2.

  • Bibliografie
  • Beschreibung
  • Über den Autor
Catherine Bolton

Putins Netz

Wie sich der KGB Russland zurückholte und dannden Westen ins Auge fasste

  • HarperCollins
  • 605 Seiten
  • Hardcover
  • ET: 07.02.2022
  • ISBN 978-3-7499-0328-3
  • Preis: 26,00 €

»Ihr Buch liest sich in all seiner Komplexität so spannend wie ein Agententhriller, doch vor allem enthüllt es, wie das System Putin uns alle mehr betrifft, als uns lieb ist. «

Als Ende der 1980er-Jahre die Sowjetunion zusammenbrach, ahnte niemand, dass ein ehemaliger KGB-Agent sich über Jahrzehnte als russischer Präsident behaupten würde. Doch ein Alleinherrscher ist Wladimir Putin nicht. Seine Macht stützt sich auf ein Netzwerk ehemaliger sowjetischer KGB-Agenten, dessen Einfluss weit über Russland hinausreicht.
Catherine Belton, ehemalige Moskau-Korrespondentin der Financial Times, hat mit zahlreichen ehemaligen Kreml-Insidern gesprochen. Etwas, das bisher einmalig sein dürfte. Es sind Männer, deren Macht Putin zu groß wurde und die nun selbst vom Kreml »gejagt« werden.

„Putins Netz“: Meinungen statt Tatsachenbehauptungen?

Christiane Hoffmann

Christiane Hoffmann ist Erste Stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung. Hoffmann studierte Slawistik, osteuropäische Geschichte und Journalistik in Freiburg, Leningrad und Hamburg. Sie arbeitete fast 20 Jahre für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» und berichtete als Auslandskorrespondentin aus Moskau und Teheran. Anfang 2013 wechselte sie als stellvertretende Leiterin ins Hauptstadtbüro des «Spiegel». Seit 2018 war sie dort Autorin und häufiger Gast in Rundfunk und Fernsehen. Hoffmann ist die Tochter zweier Flüchtlingskinder. Ihre Vorfahren väterlicherseits stammen aus Schlesien, die Familie ihrer Mutter aus Ostpreußen.
 

3.

  • Bibliografie
  • Beschreibung
  • Über den Autor
Dipesh Chakrabarty

Das Klima der Geschichte im planetarischen Zeitalter

  • Suhrkamp Verlag
  • 444 Seiten
  • Hardcover
  • ET: 11.04.2022
  • ISBN: 978-3-518-58779-9
  • Preis: 32,00

»Der Klimawandel, so argumentiert er, stellt unsere althergebrachten Vorstellungen von Geschichte, Moderne und Globalisierung grundlegend in Frage.«

In seinem Buch taucht Chakrabarty tief ein in Geschichte und Philosophie und stellt kühne Überlegungen darüber an, wie das menschliche Denken und Leben zukünftig zu gestalten ist. Insbesondere erklärt er, dass wir zu einem besseren Verständnis sowohl unserer Herkunft als auch unserer Zukunft nur dann gelangen, wenn wir in der Lage sind, uns selbst aus zwei Perspektiven gleichzeitig zu betrachten: einer globalen und einer planetarischen, wobei letztere den Menschen absichtlich dezentriert. Erst auf diese Weise wird es möglich, in geologischen Zeiträumen zu denken sowie ein angemessenes Bild von der menschlichen Handlungsfähigkeit zu gewinnen. Angesichts der drohenden Naturkatastrophen ist es dafür höchste Zeit.

Dipesh Chakrabarty

Dipesh Chakrabarty, geboren 1948 in Kolkata, ist Lawrence A. Kimpton Distinguished Service Professor für Geschichte an der University of Chicago und Gründungsmitglied des berühmten Subaltern-Studies-Kollektivs. Mit seiner These von der »Provinzialisierung Europas« hat er die Geschichtswissenschaft der letzten Jahrzehnte maßgeblich geprägt. Chakrabarty ist Mitglied der American Academy of Arts and Sciences und der Australian Academy of the Humanities. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u. a. 2014 den Toynbee-Preis, der an einen herausragenden Vertreter der Globalgeschichte verliehen wird, und 2019 den Tagore Memorial Prize.

4.

  • Bibliografie
  • Beschreibung
  • Über den Autor

Das wird unsere Stadt

Bürger*innen erneuern die Demokratie

  • Edition Körber
  • 112 Seiten
  • Softcover
  • ET: 17.01.2022
  • ISBN 978-3-89684-292-3
  • Preis: 14,00 €

»Nur gemeinsam können Bevölkerung und Politik die Probleme des Landes lösen. Was wir alle dafür tun müssen?«

Die Expertise der Bürger:innen vor Ort ernst nehmen, Veränderung wagen und kommunale Politik als Grundlage eines neuen demokratischen Selbstverständnisses fördern. Patrizia Nanz, Charles Taylor und Madeleine Beaubien Taylor machen klar: Die Beteiligung von Bürger:innen muss endlich mehr sein als ein Feigenblatt der repräsentativen Demokratie. Denn erfolgreiche und innovative Projekte entstehen bottom-up, in einem Zusammenspiel unterschiedlicher Ideen und Kompetenzen, wie die Autor:innen in zahlreichen Beispielen erfolgreicher Beteiligungsprozesse darlegen.

Patrizia Nanz

Patrizia Nanz ist Politikwissenschaftlerin und Expertin für Demokratie, transformative Wissenschaft und nachhaltige Entwicklung. Seit Februar 2021 ist sie Vizepräsidentin des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) und bringt u.a. ihre Expertise zu Open Government, Verwaltungsmodernisierung und Bürger:innenbeteiligung im Suchverfahren für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle ein. Seit 2020 ist sie außerdem Ko-Direktorin des Deutsch-Französischen Zukunftswerks.

Charles Taylor

Charles Taylor ist einer der einflussreichsten Sozialphilosophen der Gegenwart. Er ist emeritierter Professor für Philosophie an der McGill University in Montreal und Permanent Fellow am IWM – Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien. 2008 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Kyoto-Preis, dem »Philosophie-Nobelpreis«, ausgezeichnet. Viele seiner erfolgreichen Werke sind auf Deutsch erschienen.

Madeline Beaubien Taylor

Madeleine Beaubien Taylor ist Geschäftsführerin und Mitbegründerin von Network Impact, einem Unternehmen, das Strategien, Instrumente, Forschungsergebnisse und Beratungsleistungen für einen sozialen Wandel zur Verfügung stellt. Sie arbeitet seit mehr als 20 Jahren mit Non-Profit-Organisationen und Verwaltungen zusammen, z.B. zur Förderung ländlicher Gebiete oder zur Integration von Einwanderern.

5.

  • Bibliografie
  • Beschreibung
  • Über den Autor
Peter Geimer

Die Farben der Vergangenheit

Wie Geschichte zu Bildern wird
  • C.H. Beck
  • 304 Seiten
  • Hardcover
  • ET: 17.03.2022
  • ISBN 978-3-406-78061-5
  • Preis: 38,00 €
 

»Die Vergangenheit ist unbeobachtbar. Was wir von ihr wissen oder uns vorstellen, haben wir nicht zuletzt durch Bilder erfahren: Historiengemälde, Fotografien, Filme, digitale Reanimationen.«

Der Kunsthistoriker Peter Geimer fragt, was Bilder zu visuellen Zeugnissen macht und wie sie Geschichte Gestalt verleihen. Dabei zeigt sich, dass Bilder nicht einfach historische Sachverhalte illustrieren, sondern selbst Erscheinungsformen der Geschichte sind.Obwohl Sprache traditionell als Leitmedium des Historischen gilt, beruht unsere Vorstellung des Vergangenen maßgeblich auch auf Bildern. Wie Schriftquellen, so rekonstruieren Bilder Geschichte aber nur bruchstückhaft - sie bilden Fragmente auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Das vorliegende Buch stellt vielfältige Erscheinungsweisen visueller Rekonstruktion in den Medien Malerei, Fotografie und Film vor.

 

Peter Geimer

Peter Geimer ist Professor für Kunstgeschichte an der FU Berlin. Ab Herbst 2022 wird er das Deutsche Forum für Kunstgeschichte in Paris leiten. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Theorie und Geschichte der Fotografie, die visuelle Repräsentation von Geschichte und Wissenschaftsgeschichte.

6.

  • Bibliografie
  • Beschreibung
  • Über den Autor
Jill Lepore

Die geheime Geschichte von Wonder Woman

  • C.H. Beck 
  • 549 Seiten
  • Hardcover
  • ET: 17.03.2022
  • ISBN 978-3-406-78455-2
  • Preis: 29,95 €


»Für «Die geheime Geschichte von Wonder Woman» hat Jill Lepore Archive durchforstet, Interviews geführt, Tagebücher gelesen und sich durch Gerichtsprotokolle gearbeitet.« 

Das Ergebnis ist eine rasante Kulturgeschichte, in der ein exzentrischer Psychologe, Erfinder (dem wir auch den Lügendetektor verdanken) und Bigamist, eine aufregende Amazone und die Vorkämpferinnen des amerikanischen Feminismus die Bühne bevölkern. Ebenso unterhaltsam wie scharfsinnig zeigt die renommierte Historikerin, wie die Kämpfe, Hoffnungen und Rückschläge der Frauenrechtsbewegung hineingewoben sind in die Abenteuer einer Superheldin, die nicht nur bösen Fieslingen, sondern auch dem Patriarchat tapfer die Stirn bietet. Jill Lepores berühmtes, nun endlich auch auf Deutsch vorliegendes Buch ist ein Kabinettstück. Es erzählt die Geschichte von Wonder Woman und dechiffriert zugleich in einer brillanten Spurensuche die darin versteckte Geschichte des Feminismus. So witzig und geistreich hat noch selten jemand Popkultur und Frauenbewegung miteinander verknüpft. 

Jill Lepore

Jill Lepore ist Professorin für amerikanische Geschichte an der Harvard Universität und staff writer des New Yorker. Sie hat mehr als ein halbes Dutzend Preise für ihre Bücher erhalten. Ihr Buch "Diese Wahrheiten. Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika" war auf Platz 1 der Sachbuchbesten-Liste und auch in Deutschland ein Bestseller. Im Dezember erhält sie den Hannah-Arendt-Preis.

 

7.

  • Bibliografie
  • Beschreibung
  • Über den Autor
Wolfgang Müller-Funk

Crudelitas

Zwölf Kapitel einer Diskursgeschichte der Grausamkeit

  • Matthes & Seitz Berlin
  • 362 Seiten
  • Hardcover
  • ET: 17.02.2022
  • ISBN: 978-3-7518-0335-9
  • Preis: 32,00 €

»Der Mensch ist auch das 'grausame Tier'. Diese radikale These ist Ausgangspunkt einer Diskursgeschichte der Grausamkeit.«

Mit der Bestimmung der Grausamkeit als Teil des Zivilisierungsprozesses gelingt Wolfgang Müller-Funk ein erschütternder Blick auf einen Aspekt der menschlichen Evolution, den gängige Beschreibungen verschweigen: Das Experimentieren mit Möglichkeiten und die durch die Wortsprache bedingten Spielräume und Repräsentationsformen weisen zu völlig künstlichen Formen von Gewalt, die weder zufällig noch notwendig sind. Die unheimliche Attraktivität der Grausamkeit liegt dabei auch in ihrem zweifelhaften Versprechen ungehinderter Selbstbehauptung. In zwölf konzisen Kapiteln - zu Robert Musil und Ernst Jünger, Seneca und Friedrich Nietzsche, Elias Canetti und dem Marquis de Sade, Jean Améry und Mario Vargas Llosa, Sigmund Freud und Maurice Merleau-Ponty, Ismail Kadare und Arthur Koestler - straft Müller-Funks Studie Gottfried Benns Satz, dem zufolge der liberale Mensch der Gewalt nicht ins Auge sehen kann, Lüge. Seine von der Literatur informierte Geschichte der Grausamkeit weist einen philosophischen Weg, ihren Verlockungen zu widerstehen. 

Wolfgang Müller-Funk

Wolfgang Müller-Funk war Professor für Kulturwissenschaften in Birmingham und Wien und u.a. Fellow an der New School for Social Research in New York und am IWM in Wien. Unter seinen zahlreichen Veröffentlichungen sind »Theorien des Fremden« (2016), »365 Tage sind kein Jahr« (2020) und »Die Kunst des Zweifelns« (2021).

8.

  • Bibliografie
  • Beschreibung
  • Über den Autor

Wie Nietzsche aus der Kälte kam

Geschichte einer Rettung

  • C.H. Beck
  • 287 Seiten
  • Hardcover
  • ET: 17.03.2022
  • ISBN: 978-3-406-77701-1
  • Preis: 26,00 €

»Nach 1945 liegt Nietzsches Ruf genauso in Trümmern wie der europäische Kontinent.«

Ausgerechnet Giorgio Colli und Mazzino Montinari, zwei italienische Antifaschisten, entschließen sich, den gefährlichen Denker zu rehabilitieren. Ihr Ziel: Nietzsches Nachlass neu zu entziffern, um alle postumen Verfälschungen rückgängig zu machen. Ihr Problem: Zehntausende kaum lesbarer Seiten, die sich in der DDR befinden, wo Nietzsche offiziell als Staatsfeind gilt. In seinem brillant geschriebenen Buch erzählt Philipp Felsch ein intellektuelles Abenteuer im Spannungsfeld des Kalten Krieges, das von Florenz über Weimar und Ost-Berlin bis ins Paris der Postmoderne führt. Wer die von Giorgio Colli und Mazzino Montinari herausgegebene Nietzsche-Gesamtausgabe aufschlägt, betritt eine Wüste akribischer Gelehrsamkeit. In seinem aufregenden neuen Buch folgt Philipp Felsch den beiden Philologen auf ihrer epischen Suche nach dem echten Nietzsche, die zwischen die politischen und philosophischen Fronten des Kalten Krieges führt.

Phillip Felsch

Philipp Felsch ist Professor für Geschichte der Humanwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Mit »Der lange Sommer der Theorie. Geschichte einer Revolte 1960-1990« war er 2015 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

9.

  • Bibliografie
  • Beschreibung
  • Über den Autor
Deborah Nelson

Denken ohne Trost

Arbus, Arendt, Didion, McCarthy, Sontag, Weil

  • Verlag Klaus Wagenbach
  • 240 Seiten
  • Hardcover
  • ET: 17.03.2022
  • ISBN: 978-3-8031-5191-9
  • Preis: 22,00 €

»Diane Arbus, Hannah Arendt, Joan Didion, Mary McCarthy, Susan Sontag und Simone Weil haben heute den Status von Ikonen.«

Doch während sie wegen ihres Eigensinns und ihrer Stärke mittlerweile als weibliche Identifikationsfiguren gelten, schlugen ihnen lange Zeit massive Anfeindungen entgegen, die bis zu Vorwürfen charakterlicher Deformation reichten. Angeprangert wurde der kalte und unsentimentale Blick, der ihre Werke prägte - für Frauen damals wie heute ein Skandal.
Deborah Nelson spürt in ihren konzentrierten Porträts der Künstlerinnen und Denkerinnen systematisch dem Anstößigen ihres Weltzugangs nach. Jenseits von Leidenseinfühlung und ironischer Coolness bildeten sie eine Ethik ohne Tröstung aus, die auch in unseren Zeiten geforderter Identifikation und abgefragter Identität ihren Stachel behält.

Deborah Nelson

Deborah Nelson lehrt als Professorin für Anglistik an der University of Chicago. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der US-amerikanischen Nachkriegsgeschichte, ihre Repräsentation in der Literatur und Photographie sowie die Geschichte des Privaten und der Gefühle. Für »Denken ohne Trost« erhielt sie den Gordon J. Laing Award der University of Chicago Press sowie den James Russell Lowell Prize der Modern Language Association, der größte US-amerikanischen Vereinigung für Literaturwissenschaftler. Merve Emre ist nach einem Studium in Harvard und Yale außerordentliche Professorin für englische Literatur an der Oxford University. Sie ist regelmäßige Autorin für den New Yorker und twittert unter @mervatim.

 

10.

  • Bibliographie
  • Beschreibung
  • Über den Autor

Der gekränkte Mann

Verteidigung eines Auslaufsmodells

  • Piper
  • 254 Seiten
  • Hardcover
  • ET: 31.03.2022
  • ISBN: 978-3-492-07113-0
  • Preis: 22,00 €

»Tobias Haberl kämpft sich durch das Dickicht der Geschlechter­debatten - zwischen den dauergekränkten alten und den enthaarten, veganen neuen Männern. Das geht alle an, Frauen wie Männer«

Wie fühlt sich diese Kränkung an, wenn man nicht wie ein Feldherr durchs Leben laufen, aber auch kein Vorzeigefeminist sein möchte, wenn man sich selbstkritisch beobachtet, aber auch nicht umkrempeln lassen möchte wie ein altes Hemd? Warum ist es gar nicht so einfach, einen Kultur- und Normenwandel anzunehmen, der alles, was einem jahrzehntelang als erstrebenswert verkauft worden ist, als peinlich, fragwürdig oder unmoralisch entwertet? Und wie kann man heute überzeugend Mann sein – offen und empathisch, aber nicht dressiert und glattgeschliffen?

Tobias Haberl

Tobias Haberl, geboren 1975 im Bayerischen Wald, hat in Würzburg und Großbritannien Latein, Germanistik und Anglistik studiert. In den Jahren 2001 und 2002 war er freier Journalist in Berlin, besuchte dann die Henri-Nannen-Schule Hamburg und ist seit 2005 Redakteur im Magazin der »Süddeutschen Zeitung«. 2016 erhielt er den Theodor-Wolff-Preis. Der Autor lebt in München.

Die besondere Sachbuch-Empfehlung des Monats Mai von

!

  • Bibliografie
  • Beschreibung
  • Über den Autor
Melanie Möller

Homer. 100 Seiten

  • Reclam
  • 100 Seiten
  • Softcover
  • ET: 18.03.2022
  • ISBN 978-3-15-020590-7
  • Preis: 10,00 €


… Horst Bredekamp*

Kaum ein in den letzten Wochen erschienenes Buch hat das Grauen, das seit dem 25. Februar ausgebrochen ist, in seiner Bedeutung als beschworene "Zeitenwende" bereits miteinbeziehen können. Aber eine Reihe von Publikationen hat das Grundproblem aufgegriffen, dass zwischen moralischer Welterklärung und faktischer Realität eine unüberbrückbare Kluft liegt. Im Zuge der Gefühlsbestimmung, dass eine Zeit des ewigen Friedens ausgebrochen sei, wurden in den vergangenen Jahren bei Neuausgaben von Shakespeare bis zu Comics politisch unkorrekte Szenen aller Art umgeschrieben oder herausgelöscht. Diese Art retroaktiver Wirklichkeitsgestaltung ließ allein mehr die eigene Wunschwelt gelten. Der schmale, genau 100 Seiten umfassende Reclam-Band der Berliner Altertumsforscherin Melanie Möller zu Homer ist dagegen aus dem Bewusstsein geschrieben, dass diese Putzwut nicht nur die Literatur um ihre Extremausschläge bringt, sondern auch vermeidet, die Wirklichkeit in einem angemessenen Sinn zu begreifen. Für Schüler ebenso wie für Erwachsene geschrieben, zeigt der Band auf höchst inspirierte Weise den gesamten Homer, mit all seiner literarischen Kraft, seiner philosophischen Weitsicht und seinem erbarmungslosen Blick, dem Leben und der Geschichte ins Auge zu sehen. Eine Tabelle der schrecklichsten Morde krönt diese Darstellung, die das Land der "ewigen Bestie Mensch" ebenso begreifbar macht wie die Sphäre des Erbarmens. Als Votum für die literarische Transzendenz der Welt ist dieser schmale Band ein eigenes Stück Wirklichkeit, entwickelt am ersten Dichter der historischen Zeit. Er ist, so die Autorin, verfasst als Therapie gegen jene "neunmalklugen, selbstgerechten" Leser, "die eine schnörkellose Wohlfühllektüre for everybody ermöglichen wollen". Ein kleines, großes Buch. (Horst Bredekamp)

*(Professor für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und Senior Speaker des Exzellenzclusters Matters of Activity)

Melanie Möller

Melanie Möller, geb. 1972, ist Professorin für Klassische Philologie an der FU Berlin. Für verschiedene Tageszeitungen schreibt sie zu aktuellen Themen ihres Fachs. Zuletzt erschien von ihr bei Reclam »Ovid. 100 Seiten«.

Die Jury:

Tobias Becker, Der Spiegel · Manon Bischoff, Spektrum der Wissenschaft · Kirstin Breitenfellner, Falter, Wien · Natascha Freundel, RBB-Kultur · Dr. Eike Gebhardt, Berlin · Prof. Dr. Wolfgang Hagen, Leuphana Universität Lüneburg · Knud von Harbou, Publizist und Autor, Feldafing · Prof. Jochen Hörisch, Universität Mannheim · Günter Kaindlstorfer, Wien · Dr. Otto Kallscheuer, Sassari, Italien · Petra Kammann, FeuilletonFrankfurt · Jörg-Dieter Kogel, Bremen · Dr. Wilhelm Krull, The New Institute, Hamburg · Marianna Lieder, Freie Kritikerin, Berlin · Prof. Dr. Herfried Münkler, Humboldt Universität zu Berlin · Marc Reichwein, DIE WELT · Thomas Ribi, Neue Zürcher Zeitung · Prof. Dr. Sandra Richter, Deutsches Literaturarchiv Marbach am Neckar · Wolfgang Ritschl, ORF Wien · Florian Rötzer, Krass & Konkret · Norbert Seitz, Berlin · Mag. Anne-Catherine Simon, Die Presse, Wien · Prof. Dr. Philipp Theisohn, Uni Zürich · Dr. Andreas Wang, Berlin · Prof. Dr. Harro Zimmermann, Bremen · Stefan Zweifel, Zürich