Vorsicht: Zombiefahrer sind unterwegs

Bild: Charles Deluvio/Unsplash.com

Nein, keine fleischfressenden Untoten, sondern digital verstörte Menschen, die hinter dem Lenkrad von Autos sitzen – und Frauen sollen stärker an der Zoom-Müdigkeit leiden.

 

Nach einer Umfrage von Root Insurance Distracted Driving Awareness Survey, die jährlich durchgeführt wird, hat die durch die Pandemie erfolgte Verlagerung des Lebens ins Digitale möglicherweise reale Folgen. 54 Prozent der Befragten sagten, dass sie kurz nach der Teilnahme an einer Videokonferenz Probleme hätten, sich auf das Fahren eines Autos zu konzentrieren. Und weil das meist mit Zoom geschieht, wird nun von Zoom-Zombies gesprochen.

 

Dabei scheint das Alter eine wichtige Rolle zu spielen. Je jünger, desto mitgenommener scheinen die Menschen zu sein. Bei der Generation Z (1997-2012) sagen 65%, sie hätten Konzentrationsschwierigkeiten, bei den Millennials (1981-1996) sind es 61% und bei Generation X (1965-1980) 48%. Eigentlich hätte man erwarten sollen, dass es umgekehrt der Fall ist. Aber offenbar halten ältere Menschen mehr Medienkonsum oder längere Aufenthalte im Virtuellen besser stand als junge, die doch eigentlich besser daran gewönt sein sollten, weil sie damit aufgewachsen sind.

Möglicherweise sollten wir also beim Autofahren nicht nur auf Alkohol verzichten, sondern auch darauf, vorher zu zoomen bzw. einen längere Zeit zwischen dem Zoomen und dem Fahren vergehen zu lassen. Covid-19 habe grundlegend die Weise verändert, wie wir mit unseren Fahrzeugen interagieren, sagt Root Insurance Gründer und CEO Alex Timm: „Als viele plötzlich in eine virtuelle Umgebung übergingen, stieg die Abhängigkeit der Amerikaner von ihrer Technik drastisch mit ihrer Zeit vor dem Bildschirm, was die Mehrheit der Fahrer veranlasste, dieses abgelenkte Verhalten in ihre Fahrzeuge mitzunehmen.“ Dazu kommt das Smartphone. Nach einer Umfrage greifen die Fahrer 18 Mal alle 100 Meilen (160 km) zum Handy.

Videokonferenzen, vor allem im Homeoffice, strapazieren die Aufmerksamkeit. Man muss sich auf den Bildschirm konzentrieren und seine persönliche Umgebung ausblenden, also den Raum, in dem man sich befindet. Mitsamt Mitbewohnern, Kindern, Nachbarn, Haustieren … Die Anstrengung, dabei zu bleiben, weicht nach Beendigung einer gewissen Erschöpfung, die das Fahren unmittelbar danach gefährlich machen könnte, weil man sich nur schlecht oder mühsam auf die Straße konzentrieren kann.

Ob sich das tatsächlich auf Unfälle auswirkt, ist fraglich. Man könnte allerdings auf die Statistik von der National Highway Traffic Safety Administration verweisen, nach der in den ersten neun Monaten 2020 mit 28.190 Menschen in den USA 4,6 Prozent mehr bei Unfällen gestorben sind wie das Jahr davor. Dabei wurden über 13 Prozent weniger Kilometer gefahren als im selben Zeitraum 2019. Im März, April und Mai 2020 ist die Zahl der tödlichen Unfälle mit den Lockdowns und Stay-at-home-Anweisungen zurückgegangen, ab Juni ist sie mit den ersten höher als ein Jahr zuvor gewesen.

Selbstbeobachtung strengt vor allem Frauen an

Nach einer Umfrage unter mehr als 10.000 Amerikanern gaben 13,8 Prozent der Frauen, aber nur 5,5 Prozent der Männer an, sehr oder extrem nach Zoom-Meetings ermüdet zu sein. Die Wissenschaftler glauben, dass dies durch die auf sich selbst bezogene Aufmerksamkeit zustande kommt, wenn man sich auf dem Bildschirm beobachtet und dabei reflektiert, wie man wirkt oder erscheint. Das verunsichert, offenbar vor allem Frauen.

Frauen stimmten den Fragen „Wie besorgt sind Sie, wenn sie sich selbst in einer Videokonferenz sehen?“ und „Wie ablenkend ist es, sich selbst in einer Videokonferenz zu sehen?“ häufiger zu als Männer. Ein Grund dafür sei „Angst vor dem Spiegel“, d.h. Angst, sich selbst aus dem Blick des Anderen zu sehen und aufgrund von Unsicherheit stetig nach Mängeln zu suchen. Zudem wird die Bewegungsfreiheit eingeschränkt, Teilnehmer müssen im Kamerafeld bleiben oder meinen, dies zu müssen. Und Frauen hatten durchschnittlich nach der Umfrage nicht mehr Meetings am Tag als Männer, aber sie waren länger und öfter auch ohne Pause hintereinander.

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