9/11, Saudi-Arabien und die USA

Patriot-Raketenabwehrsystem. Bild: DoD

Mit dem Truppenabzug aus Afghanistan hat das Pentagon aus Saudi-Arabien und anderen Staaten die Raketenabwehrsysteme abgezogen, Biden will Geheimdokumente über mögliche Verwicklung Saudi-Arabiens bei den 9/11-Anschlägen veröffentlichen. Spitzt sich der Konflikt zu?

 

US-Präsident Joe Biden hat aufgrund des Drucks von Angehörigen der Opfer der 9/11-Anschläge, die Saudi-Arabien wegen Mitwirkung an den Anschlägen angeklagt haben, angeordnet, möglichst viele geheimen Dokumente einer FBI-Untersuchung binnen eines halben Jahrs freizugeben. Die geschwärzten Teile des Berichts der 9/11-Kommission sind offenbar davon ausgenommen. Die saudische Regierung streitet jede Beteiligung ab.

Gegen ein Veto des damaligen Präsidenten Barack Obama hatte der Kongress 2016 den Weg für den Prozess vor einem amerikanischen Gericht freigegeben. Im Vorfeld hatte Saudi-Arabien schon mal gedroht, amerikanische Staatsanleihen und Aktien mit einem Wert von 750 Milliarden US-Dollar zu verkaufen – was aber nicht geschehen ist, schließlich pflegte Donald Trump einen Schmusekurs mit den Saudis und kam auch der Prozess nicht voran.

Hinter den Kulissen fand aber gerade eine Veränderung statt, die mit Blick auf den US-Truppenabzug in Afghanistan bedeutsam erscheint: Das Pentagon hat, wie schon länger angekündigt, die Patriot- und THAAD-Raketenabwehrsysteme aus Saudi-Arabien abgezogen – und das in einer Zeit, in der die Huthis wieder vermehrt saudische Ziele mit Raketen und Drohnen angreifen und Zweifel in der Gulfregion daran bestehen, wie verlässlich die Präsenz der amerikanischen Truppen ist. Geopolitisch haben sich die USA eigentlich bereits seit George W. Bush vom Nahen Osten, der wichtig wegen der Versorgung mit Öl war, gegen den neuen Feind China orientiert.

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9/11 kam nach anfänglichen Konflikten mit China und nach Warnungen vor einem Pearl Harbour aus dem Weltraum, um den Bau eines nationalen Raketenabwehrsystems unterstützten, gewissermaßen dazwischen und lenkte erneut den Schwerpunkt auf den Nahen Osten und Afghanistan, was eine mögliche Mitwirkung von Saudi-Arabien erklären könnte. Mit dem Ausstieg aus dem ABM-Abkommen 2002 und der Absicht, das Raketenabwehrsystem in der EU an der Grenze zu Russland zu stationieren, begann der Konflikt mit Russland zu eskalieren und führte wegen der geplanten weiteren Osterweiterung der Nato zum Georgen-Krieg und schließlich zum Ukraine-Konflikt. Das wiederum bremste die Umorientierung von Barack Obama auf China, die Verhandlungen über das Atomabkommen mit dem Iran vertieften die Spannungen zwischen USA und Saudi-Arabien, das wohl auch deswegen den Krieg im Jemen begann. Donald Trump vertiefte schließlich den Konflikt mit China, aber setzte stark auf Saudi-Arabien, was sich nun aber, auch auf dem Hintergrund, dass die USA zum größten Ölproduzenten wurden, verändern wird.

Erst am Donnerstag hat die saudische Luftabwehr, die auch über eigene Patriot-Systeme verfügt, angeblich drei mit Sprengstoff beladene Drohnen abgeschossen, die in die Richtung der in der Nähe der jemenitischen Grenze liegenden Stadt Khamis Mushait flogen. Saudi-Arabien berichtet zwar, es würden fast alle Drohnen und Raketen abgeschossen, aber daran wird gezweifelt. Die Luftabwehr schießt sicherheitshalber jeweils zwei Patriot-Raketen auf ein Ziel ab, die jeweils 3 Millionen US-Dollar kosten. So können die Huthis mit relativ primitiven und billigen Raketen und Drohnen die Saudis finanziell bluten lassen. Im Februar 2021 hat die Biden-Regierung die Huthis wieder von der Liste der ausländischen Terrororganisationen gestrichen.

Interessant ist der Abzug der Raketenabwehrsysteme auch deswegen, weil die USA sie erst 2019 aufgestockt hatte, nachdem die Huthis mit Drohnen und Raketen über eine Entfernung von mehr als 1000 km präzise Ziele in der Ölraffinerie von Saudi Aramco und dem zweitgrößten saudischen Ölfeld Abqaiq zerstörten. Die vorhandenen Patriot-Systeme scheinen die Drohnen und Raketen nicht einmal registriert zu haben, die vermutlich zu tief und schnell flogen. Jedenfalls versagte die auf amerikanische Technik gestützte Raketenabwehr. Das Pentagon erhöhte zwar die Truppenpräsenz in Saudi-Arabien und verlegte ein THAAD-Sysytem und zwei zusätzliche Patriot-Systeme, unter Biden wurde dann aber entschieden, die Raketenabwehrsysteme in Saudi-Arabien, aber auch aus dem Irak und anderen Golfstaaten abzuziehen. Sie sollen im Zuge einer globalen Neuaufstellung der US-Truppen in die USA oder Richtung China verlegt werden.

Das Pentagon verspricht, dennoch mit großer Truppenstärke vor allem im Bereich der Marine und Luftwaffe in der Region zu bleiben. Saudi-Arabien kommentierte den Abzug, dass er abgesprochen sei, zudem könne sich das Land selbst verteidigen. Bekanntlich gibt es mit Griechenland eine Vereinbarung, das ein Patriot-System bereit stellen will.  Der saudische Prinzip Turki Al Faisal, früher Geheimdienstchef, meinte allerdings, die USA müssten ihre Verpflichtung neu versichern. Der Abzug der Raketenabwehrsysteme sehe so aus, also ziehe man sie nicht von Saudi-Arabien ab, sondern vom Jemen und Iran. Und US-Verteidigungsminister Lloyd Austin reiste in den letzten Tagen zwar in der Region, um sich bei Karat, Bahrain und Kuwait für die Hilfe beim Abzug aus Afghanistan und der Luftbrücke zu bedanken, sagte aber kurzfristig einen Besuch in Saudi-Arabien ab. Saudi-Arabien sei ein wichtiger Partner. US-Außenminister Antony Blinken hatte zuvor betont, dass man an der “lange bestehenden strategischen Partnerschaft” weiter festhalte.

1 Kommentar zu 9/11, Saudi-Arabien und die USA

  • War für mich Interessant, jetzt verstehe ich weshalb Trump aus dem Iran Abkommen ausgestiegen ist. Auch das es kein Ernsthaftes Wiedereinstieg der USA geben wird. Es ist ja auch noch Israel zu beschwichtigen.
    Da könnte Russland mit der S400 aushelfen.
    Umso mehr sich auf China konzentriert wird (logisch, wirtschaftlich “gefährlich”) umso mehr kann Russland sich entwickeln. Auch werden die im Nahen Osten sich vertragen militärisch wird es wohl nicht machbar sein.

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