Afghanistan: Taliban wollen altes Pipeline-Projekt umsetzen

In Turkmenistan war der Bau der Pipeline schon 2018 abgeschlossen. Schon damals verhandelte man mit den Taliban, da sie durch von diesen kontrollierte Gebiete verläuft. Bild: Allan Mustard/CC BY-SA-4.0

Die Taliban einigten sich mit Turkmenistan, die schon während ihres Regimes 1996-2001 geplante Pipeline TAPI von Turkmenistan über Afghanistan nach Pakistan und Indien wieder in Angriff zu nehmen.

Am Sonntag sagten der geschäftsführende Außenminister der Taliban, Amir Khan Muttaqi, und der turkmenische Außenministerr Rashid Meredov auf einer Pressekonferenz, man habe gute Gespräche über wirtschaftliche und politische Themen geführt. Man habe auch über die Gaspipeline Turkmenistan–Afghanistan–Pakistan–India (TAPI) gesprochen, die über 800 km lang durch afghanisches Gebiet geht und Afghanistan 400 Millionen US-Dollar jährlich an Einnahmen bringen könnte.

Treffen der Taliban- und Turkmenistan-Delegationen u.a. mit dem Ziel des Pipeline-Baus. Bild: Taliban

2016 hatte die damalige afghanische Regierung das Projekt wieder aufleben lassen und 2018 mit ersten Arbeiten unter dem Schutz von „Tausenden von Sicherheitspersonal“ begonnen, obwohl die Pipeline durch Gebiete in den Provinzen Herat, Farah, Nimruz, Helmand und Kandahar führte, die damals schon von den Taliban weitgehend kontrolliert wurden. Die Taliban sagten seinerzeit, nichts dagegen zu haben und für den Schutz zu sorgen. Neben der Pipeline war die Verlegung eines Glasfaserkabels und einer Eisenbahnlinie von Turkmenistan nach Pakistan. Nach Auskunft von Turkmenistan sind das Kabel und die Eisenbahnverbindung, die aber nur bis nach Afghanistan, auch weiterhin geplant.

Anzeige

Muttaqi erklärte jetzt, Projekte wie TAPI würden jetzt in die Tat umgesetzt. Das ist rückblickend eine Wiederholung der Geschichte. Wieder sollen die Taliban von einer Pipeline profitieren, die sie schon vor über 20 Jahren befürwortet haben – und die auch den geo- und energiepolitischen Interessen der USA entspricht. Schon 2002, kurz nach dem Sturz des Taliban-Regimes wurde ein Abkommen über die Pipeline zwischen Turkmenistan, Afghanistan und Pakistan unterzeichnet.

Verlauf der TAPI-Pipeline. Bild: DQttwo/gemeinfrei

Manche werden sich erinnern, dass als Motiv für den Angriff auf das Taliban-Afghanistan 2001 nach den 9/11-Anschlägen vermutet wurde, es gehe dabei auch um eine Pipeline. Mitte der neunziger Jahre entstand das Projekt, eine Gas-Pipeline von Turkmenistan nach Pakistan und Indien über Afghanistan zu bauen. 1997 entstand ein Konsortium unter der Leitung des US-Konzerns Unocal, der jetzt zu Chevron gehört.

Seit 1996 hatten die Taliban den Großteil Afghanistans unter ihre Herrschaft gebracht, also wurde mit den Taliban mit Unterstützung der US-Regierung verhandelt und es kam zu einem Übereinkommen zum Bau der Pipeline TAPI, für die 8 Milliarden US-Dollar veranschlagt wurden. Auch damals ging es den USA darum, Russland zu umgehen. Zudem war die Pipeline eine Alternative zu einem anderen Projekt, das eine Pipeline von Iran nach Pakistan und Indien (IPI) vorsah. Sicher kam es dabei zu Angeboten an die Taliban, sie waren ja auch mit das Ergebnis des von der CIA finanzierten Kampfs der Mudschaheddin gegen die Russen.

Doch dann gab es 1998 die Anschläge auf die US-Botschaften in Nairobi und Dar es Salaam. Die USA sahen in Osama bin Laden und al-Qaida die Verantwortlichen. Taliban-Chef Mullah Omar stellte sich hinter Bin Laden. Unocal zog sich aus dem Projekt zurück, wohl vor allem, weil die Ölpreise damals im Keller waren und nicht aus politischen Gründen.

Eine wichtige Rolle spielte dabei Zalmay Khalilzad, der 2001 US-Botschafter in Afghanistan, dann im Irak und schließlich bei den Vereinten Nationen wurde. Er war bis zum Sieg der Taliban der US-Sonderbeauftragte für Afghanistan und trat am 18. Oktober zurück. Khalilzad hatte schon in den 1990er Jahren enge Kontakte mit den Taliban, die er auch gegenüber der US-Regierung unterstützte, weil sie weniger radikal wie die Iraner und eher wie die Saudis seien. Er arbeitete für Unocal und war auch mit dabei, als der US-Konzern Talibanvertreter nach Texas einlud, um das Geschäft zu besiegeln. Überdies war Khalilzad während der Trump-Regierung maßgeblich verantwortlich für das unter Umgehung der damaligen afghanischen Regierung ausgehandelte Abkommen mit den Taliban, das den Rückzug der USA festlegte und die Taliban als Partner der USA adelte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Artikel aus