Asow-Regiment: „hochklassiges Bataillon von echten Supermännern“

Aus einem Asow-Video über die Bombardierung von Asovstal

Weiter wird um Asovstal gekämpft, die Evakuierung der Zivilisten wird von allen Seiten instrumentalisiert, Asow wird verteufelt und heroisiert.

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Am 5. Mai vor 8 Jahren wurde das Asow-Regiment mit der von Nazis benutzten Wolfsangel als Symbol  gegründet, das derzeit als Verteidiger des Stahlwerks Asovstal in der Ukraine gefeiert wird, aber auch weitere Bataillons besitzt, die an anderen Orten gegen die russischen Truppen kämpfen. Zudem werden viele Einheiten der Territorialverteidigung von Asow-Kämpfern geleitet, 2018 wurden die Nationalkommandos gegründet, um „Ordnung auf die Straßen zu bringen“. Die durch die Aufnahme in die Nationalgarde wie anderen Milizen legalisierte und mit schweren Waffen hochgerüstete Freiwilligen-Regiment betreibt auch die Partei Nationalkorps.

Bild von Asow über die Zerstörungen im UNtergrund durch russischen Beschuss.

Das Asow-Regiment hat 2014 beim Kampf um Mariupol eine wichtige Rolle gespielt und schließlich dort das Hauptquartier gegründet. Es wurde dem Regiment illegale Verhaftungen, Folter und Exekutionen von verdächtigen prorussischen Ukrainern vorgeworfen. Es soll Gefängnisse, genannt Bibliotheken, betrieben und das Leben in der Stadt kontrolliert haben. Jetzt soll das Asov-Regiment, genaue Zahlen über die Zahl der Kämpfer habe ich nicht gefunden, entscheidend für die Verteidigung der Ukraine sein. Auf Euromaidan wird Asow gefeiert: „Sie haben sich von einer kleinen Partisanengruppe von „schwarzen Männern“ zu einem hochklassigen Bataillon von echten Supermännern entwickelt. 8 Jahre haben sie die Ukraine verteidigt.“

Angeblich Asow-Kämpfer, die in Asovstal den Jahrestag der Gründung feiern – nicht in den Tunnels, sondern auf dem Gelände.

 

Aus Asovstal wurden Anfang Mai einige Zivilisten freigelassen, die in ukrainisches Gebiet oder in die DNR evakuiert wurden und Unterschiedliches über die Situation in Mariupol und dem Leben im Bunker berichten. Nach russischer Darstellung haben Asow-Kämpfer den Waffenstillstand für die Evakuierung der Zivilisten ausgenutzt, um wieder an der Oberfläche Stellungen einzunehmen. Das scheinen auch Videos von Asow zu bestätigen. Seitdem wird das Stahlwerk wieder bombardiert, aber Russland bot weiter Korridore für Zivilisten gestern, morgen und übermorgen an, will aber die Soldaten und Kämpfer nicht mit diesen in die Ukraine abziehen lassen, Männer, die in die DNR reisen, werden „filtriert“, ob sie wirklich Zivilisten sind.

Der ukrainische Präsident Selenskij sagte am Mittwoch, man bemühe sich, alle Menschen aus Asovstal herauszuholen, man brauche die Zivilisten und die Soldaten. Gegenoffensiven wurden allerdings nur im Norden bei Charkiw und Isjum gestartet, weiterhin sieht man in Kiew wohl eine militärische Lösung als nicht möglich an. Interessant ist, dass Selenskij in einem Telefongespräch mit UN-Generalsekretär Guterres, dem er für die Bemühung zur Evakuierung dankte, wobei die Russen auch schon zuvor humanitäre Korridore angeboten hatten, nur die 121 Menschen erwähnte, die in die von Kiew kontrollierten Gebiete gekommen sind.

Menschen, die in die von Russen kontrollierten Gebiete kamen, werden höchstens erwähnt, um sie als gewaltsam verschleppt zu kennzeichnen, auch wenn diese sich in Videos mitunter durchaus dankbar zeigen und Wut auf die ukrainischen Soldaten äußern. Tass berichtet, dass von den 121 aus Asovstal und benachbarten Häusern befreiten Zivilisten, die am 30. April und 1. Mai aufgenommen wurden, 57 freiwillig in der „Volksrepublik Donezk“ bleiben wollten, 69 sind danach in von Kiew kontrollierte Gebiete in Begleitung von ICRC- und UN-Teams weitergefahren.

Der stellvertretende Kommandant des Asowschen Regiments Swjatoslaw Palamar warf  Russland vor, den Waffenstillstand gebrochen zu haben. Er wandte sich gestern an die Weltgemeinschaft und den Oberbefehlshaber Selenskij, damit die Zivilisten evakuiert und die Verwundeten versorgt werden können. Und er forderte sich auf, zu den Verwundeten Stellung zu nehmen, die jetzt sterben müssen. Auch die Toten sollten weggebracht werden, „damit sich die Ukrainer von ihren Helden verabschieden können“. Russland würde „keine ethischen Normen, Konventionen oder Gesetze“ beachten und Menschen im Vertrauen auf Straflosigkeit vor aller Welt tötet.

Nach seiner und ukrainischer Darstellung seien russischen Truppen in Asovstal eingedrungen. Präsidentenberater behauptete gestern, sie seien von den Verteidigern wieder vertrieben worden. Palamar erklärte hingegen, es werde weiterhin heftig gekämpft, Asow meldete gestern Abend, der Berschuss gehe weiter. Kurzzeitig war die Kommunikation zwischen den Kämpfern in Asowstal und Kiew unterbrochen.

In den Bunkern werden nationalistische Lieder gesungen, in denen Bandera verherrlicht wird.

Auch Asow-Kommandeur Denys Prokopenko – ist er in Asovstal? – erklärte gestern, sie würden heroisch kämpfen, aber die Lage sei „extrem schwierig“. Man führe aber den Befehl weiter aus, die Stellung zu halten. Der Ausgang der Kämpfe um Asovstal wird Auswirkungen auf das Verhältnis der nationalistischen Milizen und der Regierung in Kiew haben, das nur kurzzeitig mit Beginn des Kriegs gut war. Die Argumentation geht stärker dahin, die Regierung, die den Helden nicht hilft, Verrat und Feigheit vorzuwerfen. Frauen der eingeschlossenen Soldaten kritisierten, sie hätten keine konkreten Aktionen gesehen, diese zu befreien.

Wie viele Zivilisten sich noch in den Bunkern in Asovstal aufhalten, ist nicht bekannt. Vor kurzem sprachen Vertreter der ukrainischen Regierung noch von mehr als 1000, jetzt spricht man eher von 200 bis 300. Streit herrscht darum, ob Asow die Zivilisten schützt oder sie als Geiseln hält, um sich selbst zu schützen. Russland wirft Asow vor, die Zivilisten nicht ziehen zu lassen. Angeblich sei bei Verhandlungen zwischen den Eingeschlossenen und russischen Truppen der Vorschlag aufgekommen, dass Zivilisten gegen Lebensmittel und Medikamente getauscht werden sollen. Behauptet wird, bei den Verhandlungen sei es um die Forderung gegangen, 15 Zivilisten gegen eine Tonne Lebensmittel freizulassen. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht, gut möglich, dass es sich um eine russische strategische Kommunikation handelt.

Allerdings ist schon fragwürdig, warum während des Waffenstillstands nicht alle Zivilisten freigelassen wurden, sondern nur wenige. Nach Berichten von Freigelassenen, die in die russisch kontrollierten Gebiete gefahren wurden, sollen die Soldaten/Kämpfer Zivilisten abgehalten und auch nicht über humanitäre Korridore informiert haben. Offenbar sind die eingeschlossenen Soldaten und Kämpfer entschlossen, sich nicht den russischen Truppen zu ergeben, auch wenn ihnen faire Behandlung, medizinische Versorgung und das Leben garantiert wurde. Ob man da den Russen bzw. den Soldaten der DNR glauben kann, ist natürlich schwierig zu beurteilen. Aber offensichtlich sollen die Verwundeten lieber sterben, als ihnen das Leben zu retten, zugleich werden sie ebenso wie die Zivilisten instrumentalisiert, um Druck auf Kiew und die Weltgemeinschaft auszuüben.

Das ist verständlich, denn das Risiko besteht, dass die russischen Truppen thermobarische Bomben einsetzen könnten, die das US-Militär auch in Afghanistan 2001 einsetzte, um die al-Qaida-Kämpfer in Tora Bora zu vernichten. Die stellvertretende ukrainische Ministerpräsidentin Irina Wereschtschuk kündigte gestern an, dass es am Freitag eine weitere Evakuation von Zivilisten geben wird. UN-Generalsekretär Guterres, der sich weiter für diplomatische Lösungen einsetzt, kündigte die dritte Phase der Evakuierung an. 500 Zivilisten hätten bereits aus Asovstal gerettet werden können. Vielleicht gibt es doch noch etwas Vernunft.

9 Kommentare zu Asow-Regiment: „hochklassiges Bataillon von echten Supermännern“

  • Waffen-SS-Fans werden “verteufelt”.

    Huiuiuiuiui, Tiffy!

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  • Zivilisten gegen Lebensmittel- besser geht Chuzpe nicht!

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  • Das im Video gesungene „patriotische“ Lied „Unser Vater ist Bandera, die Ukraine ist unsere Mutter!“ fand ab 2019 in der Ukraine weite Verbreitung, nachdem Priester es sangen, wurde dann von ukrainischen Massenmedien gehypt und wird von Schulkindern gern gesungen.
    https://en.m.wikipedia.org/wiki/Our_father_is_Bandera,_Ukraine_is_our_mother!

    Noch schlimmer: Das ukrainische Parlament beschloss 2015 ein Gesetz, das es verbietet, zu u.a. Banderas Organisation, die in Kollaboration mit den deutschen Nazis im 2. Weltkrieg nachweislich furchtbarste Verbrechen begangen hat, eine „respektlose“ Einstellung zu äußern.

    Dieses Gesetz ging damals sogar den amerikanischen Transatlantikern zu weit:
    https://foreignpolicy.com/2015/04/27/dear-ukraine-please-dont-shoot-yourself-in-the-foot-nationalists-russia-bandera-rada/

    Doch inzwischen gilt es ja als „russische Desinformation“, dass es in der Ukraine ein Nazi-Problem gibt, und wer sich so „respektlos“ über die Ukraine äußert, muss sich als „Putin-Nazi“ beschimpfen lassen.

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  • Oberst a.D. Richard Black: Die USA führen die Welt in den Atomkrieg
    Oberst a.D. Richard Black bestätigt in dem Interview (Min.41:40), dass in Asovstal 50 hoch-rangige französische Offiziere eingeschlossen sind. Die Französischen Soldaten haben vor Ort gekämpft und den Kampf geleitet.
    https://www.youtube.com/watch?v=CKM6X-Gfmng

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    • Anmerkung: Das Video mit Oberst a.D. Richard Black ist vom Schillerinstitut, und das ist der LaRouche-Bewegung aka Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo) aka sog. Europäische Arbeiterpartei zuzurechenen. Diese ist eine dubiose rechte Sekte, allerdings soll es Geheimdienstverbindungen geben, und daher gelegentlich auch interessante, korrekte Informationen, allerdings entsprechend mit Vorsicht zu geniessen. Das Schillerinstitut ist antiamerikanisch und „pro-deutsch“ (oder was es dafür hält), so werden bezüglich Afrika zwar Machenschaften der USA völlig korrekt kritisiert, aber zu Machenschaften deutscher Unternehmen und Politik geschwiegen, wie ich auf einer entsprechenden Veranstaltung mit afrikanischem Publikum einmal selbst erleben durfte. Die Moderatorin, eine afrikanische Studentin, kam dem Referenten vom Schillerinstitut allerdings auf die Schliche und übte Kritik, der Referent schwieg trotzig, und so fand die Veranstaltung ein vorzeitiges Ende…

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      • Aber der Oberst a.D. Richard Black ist nicht anti-amerikanisch, oder? Und es geht um der Ukraine.
        Das Video ist empfehlenswert, weil der Oberst a.D. Richard Black behauptet nur dass, was beweisbar ist, sonst teilt er seine Meinung und Vermutung. Und stellt dabei einige Fragen. Man kann selber versuchen diese Fragen zu beantworten.

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  • Da soll niemand ausgebombt werden. Wenn Florians Rötzers Sichtweise bzw. Bericht gefolgt werden kann dann ist doch klar das die Russen die Leute lebendig „vorgeführt“ werden könnten. Ausländische Offiziere und Nazis, was kann es für die Wahrheit besseres geben?
    Es könnte doch gesagt werden, wo die Lebensmittel lagern und da müsste man unter Schutz von Blauhelmen hin.
    Mich würde brennend interessieren, werd sich da alles in dem Werk verschanzt.

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  • Ein weiterführender Artikel zu dem ASOW-Regiment finden interessierte hier:
    https://www.voltairenet.org/article215905.html

    Und wer noch eine Einschätzung der Kämpfe haben möchte, dem empfehle ich diesen Link: https://www.moonofalabama.org/2022/05/ukraines-forces-are-told-to-hold-the-line-where-russian-artillery-is-pulverizing-them.html#more

    Wenn einer, so wie ich, nicht den engl.-sprachigen Text verstehst, solltest du ihn dir kopieren und in einem anderen Fenster mit Deep https://www.deepl.com/de/translator dir übersetzen lassen. Wenn du Zeit hast, lese dir auch die Kommentare durch.

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  • Warum versuchen seit „ewigen“ Zeiten, jene Menschen die annehmen, sie seien im Gegensatz zum Mainstream, von Vernunft beseelt, Ihr Intellekt sei klar und Sie würden den destruktiven Wahn der menschlichen Gesellschaft durchdringen, trotzdem genau in diesem System ihre, auf eben jenen destruktiven Prinzipien basierenden Bedürfnisse, wie alle anderen auch, eben jene zu befriedigen?
    Warum entziehen sie sich nicht, warum sind so verschwindend wenige von jenen, „Erkennenden“, in verborgenen Winkeln versteckt und akzeptieren, nichts weiter als die Vernunft auch selbst leben zu können?
    Es sollte doch jedem hier klar sein, dass einer gegen hundert Menschen keine Chance hat, sie werden ihn entweder dazu zwingen, er präsentiert sich zumindest „pseudo Empathisch“ gegen Sie , sprich er tut seine Arbeit und mault nur in seiner Freizeit, oder gar sich fruchtbar zu assimilieren, auf dass ihm eine Karriere, gemäß seinem Potential im Wahnsinn beschert sei.

    Leute, jeder der hier kommentiert und entweder eine gewinnorientiertes, steuerzahlendes Gewerbe betreibt, der als Freiberufler vom System seine Gagen, für was auch immer, gegen seine Dienste eintreibt, der als abhängig Beschäftigter als Lohnsklave agiert, der sollte seine freie Zeit wirklich für etwas anderes nutzen, als sich einzureden, er wäre auch nur ein Jota anders, als jener der skrupellos die widerlichste Propagandahetze, gegen seine Gage, liefert!

    Fast sind mir jene die in konventionellen Wohlstandsblasen existieren, jedoch selbst das System als falsch erkennen, mehr zuwider, als jene die wie Fische glücklich darin schwimmen, bis sie eines Tages gefressen werden, doch bis zu diesem Zeitpunkt sind sie überzeugt im richtigen Leben, das bestmögliche zu tun.

    Ich hoffe persönlich Putin wirft in seinem Glashaus den ersten Stein und die anderen zertrümmern es anschließend mit ihrer grandiosen Idee vom unbegrenztem Reichtum, ihrer unstillbaren Gier und all ihrer furchtbaren Wut!

    Es wäre für Milliarden Menschen das Beste, da es ihnen die Entscheidung abnimmt, sich selbst zu töten, denn das ist der einzig konsequente Weg, sich zu verweigern!
    Der „Schnitter“ erlöst nicht jeden vor seiner Zeit, vor allem nicht, bevor er Jahrzehnte lang ein nützliches Nutzvieh des Wahnsinns war!

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