Grönland: Wahlsieg für das lokale Klima

Hier bei Narsaq ist die Kujalleq-Mine geplant. Bild: Nasa

Ein Nein zum Abbau des Urans – so lassen sich die Neuwahlen in Grönland lesen. Doch scheint dies nur ein einzelnes Kapitel in der langen Auseinandersetzung um die Rohstoffe auf der arktischen Insel zu sein.

Die linke Partei „Gemeinschaft der Inuit“ hat bei der Parlamentswahl Anfang dieser Woche mit 36 Prozent die meisten Stimmen bekommen und wird so die Sozialdemokraten von der Regierungsverantwortung ablösen – Wahlkampfthema war der künftige Abbau von Uran durch das australisch-chinesische Bergbauunternehmen „Greenland Minerals“. „Wir bleiben dabei. Wir müssen auf die besorgten Wähler hören. Wir sagen nein zum Uranabbau“, so der 34-jährige Wahlsieger Mute B. Egede gegenüber dem öffentlich-rechtlichen TV-Sender KNR nach den Wahlen.

In der Kuannersuit-Mine im Süden der arktischen Insel sollen sich 15 bis 20 Prozent des globalen Bedarfs der sogenannten „Seltenen Erden“ befinden, welche für Batterien, Digitaltechnologie sowie Windkraftanlagen gebraucht werden. Gleichzeitig will das Unternehmen das  radioaktive Metall Uran abbauen, ein lukratives wie umstrittenes Nebenprodukt beim Förderprozess.

An diesem Vorhaben zerbrach die Regierung des halbautonomen Landes, dessen Sicherheits- und Außenpolitik von Dänemark bestimmt wird.

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Ursprünglich wollte die Regierungskoalition mit dem sozialdemokratischen Premierminister Kim Kielsen bald grünes Licht für den Bergbau geben. Doch bei den Sozialdemokraten übernahm Erik Jensen Ende 2020 den Parteivorsitz und setzte im Februar durch, dass das Projekt aufgrund der Proteste gegen den Uranabbau verschoben werden müsste. Darauf schied die sozialliberale Partei „Die Demokraten“ aus der Regierung, welche den Beginn der Bergarbeiten aus wirtschaftlichen Gründen forderte.

Diese könnten klimafreundlich  „für Magnete in Windkraftanlagen und Batterien in Elektroautos verwendet werden“ so Jens-Frederik Nielsen Demokraten-Parteichef sowie  Grönlands ehemaliger Minister für Wirtschaft und Bodenschätze. Zudem biete Greenland Minerals“, wo seit 2016 ein chinesischer Investor das größte Aktienpaket besitzt, für den auf 37 Jahre veranschlagten Rohstoffabbau einen Betrag von umgerechnet 200 Millionen Euro jährlich für die Regierung in der Hauptstadt Nuuk herauskommen würde sowie mehrere hundert Arbeitsplätze für die Region.

Die Protestgruppen sind jedoch weniger durch den Fortschritt für globale Klimatechnologie als durch Umwelt- und Gesundheitsprobleme vor Ort motiviert.

Bei den aktuellen Verhandlungen sieht es so aus, dass mit den Sozialdemokraten keine Koalition zustande kommt, damit wäre die einflussreiche Partei zum ersten Mal seit 1979 nicht an der Regierung beteiligt.

Es bleibt die Möglichkeit mit der Partei „Naleraq“ eine Regierung zu bilden. Sie vertritt die Interessen des Fischfangs und will darum ebenso den Uranabbau verhindern. Auch Naleraq will, wie die „Gemeinschaft der Inuit“ und fast alle Parteien außer den dänenfreundlichen „Demokraten“, eine vollständige Unabhängigkeit anstreben.

Schließlich hat die internationale Bedeutungszunahme viele der 56.000 Grönländer selbstbewusster gemacht – 71 Prozent der Bevölkerung wollen sich von der Krone lösen. Allerdings ist nur ein kleiner Teil der Grönländer bereit, für die Unabhängigkeit auch finanzielle Einbußen einzunehmen.

Mute Regede, der bereits als Minister für Infrastruktur politische Erfahrungen sammelte, will vor der Unabhängigkeit eine wirtschaftliche Basis für diese schaffen. Denn Dänemarks jährliche Unterstützung, welche  die Hälfte des Haushalts der arktischen Insel ausmacht, muss ersetzt werden. Die Regierung in Kopenhagen finanziert die Insel mittels umgerechnet 500 Millionen Euro jährlich.

Doch wie soll die angestrebte Unabhängigkeit ohne den Abbau der Bodenschätze vonstattengehen?  Ohne den Abbau der Bodenschätze wird dies kaum gehen, Fischexport und Tourismus werfen zu wenig ab.

Greenland Minerals will mit der künftigen Regierung ins Gespräch kommen und verweist darauf, dass sie die Mine bereits seit 2007 besitzt und schon 100 Millionen US-Dollar investiert habe. Zudem sei die Förderung der Nebenprodukte Uran, Zink und Fluorid nicht entscheidend, das würde jedoch die Kosten für das Gewinnen der Seltenen Erden senken.

China und USA konkurrieren

In Grönland gibt es mehrere Fundstellen von Seltenen Erden und darüber hinaus werden weitere Vorkommen vermutet, die durch den Rückgang des Eises zugänglicher werden. Die Mine Killavaat, gerade mal 16 Kilometer von der Kuannersuit-Mine entfernt, ist der nächste Ort, wo sich der Abbau Seltener Erden konkretisiert.

Hier hat sich das australische Unternehmen Tanbreeze im vergangenen Herbst die Rechte gesichert. Die Mine soll eine der größten Fundstellen weltweit der Schweren Seltenen Erden sein. Es soll nur wenig Uran hier geben, das Unternehmen wirbt mit einem Abbau ohne das Problem einer radioaktiven Belastung, ohne Gewässerverschmutzung wird es aber auch hier nicht ablaufen.

Tanbreeze betont, als LTD (entsprechend zur GmbH) unabhängiger als eine Aktiengesellschaft agieren zu können, braucht jedoch weitere Investoren, die es in den USA sucht. Angeblich soll sogar der Firmenbesitzer Greg Barnes Donald Trump motiviert haben, für Grönland eine Kaufofferte aufzustellen.

China und die USA sind auch die beiden großen Gegenspieler im Kampf um den Einfluss auf die arktische Insel. China soll achtzig Prozent des Marktes der Seltenen Erden kontrollieren und kann die USA mit Export-Sanktionen unter Druck setzen, was sich beispielsweise beim Bau von US-Kampfjets fatal auswirken würde.

Dänemarks Interesse liegt darin, die „Reichsgemeinschaft“ wie die Zugehörigkeit Grönlands und der Färöer Inseln zur Krone genannt wird, weiterhin zu erhalten. In der Auseinandersetzung zwischen China und den USA hält der NATO-Partner zu letzterem.

Bislang wurden alle Versuche Chinas von Dänemark abgeschmettert, Einfluss auf Grönland zu nehmen. So verdrängte Kopenhagen 2018 die chinesische Offerte für den Bau von drei Flughäfen und konnte dort selbst als Investor überzeugen. Sollte das Bergbauprojekt von „Greenland Minerals“ tatsächlich gestoppt werden, sei die sozialdemokratische Regierung in Kopenhagen nicht wirklich unglücklich darüber, so Spekulationen. Dass die Kuannersuit-Mine langfristig nicht genutzt wird, erscheint aufgrund der Ressourcen jedoch eher unwahrscheinlich.

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