Rechte Verschwörungstheorien: War der Sturm auf das Kapitol inszeniert?

Bealgerung des Kapitols

Ungeklärt ist bislang, warum die Sicherheitskräfte nicht vorbereitet waren, obgleich Donald Trump shcon vor Wochen etwas Wildes angekündigt hatte.

Man musste nicht lange darauf warten, dass von rechter Seite nach dem Sturm auf das Kapitol Versuche gemacht werden, dies auf eine Verschwörung gegen Trump zurückzuführen. Auf Zerohedge wird etwa argumentiert, es sei bekannt, dass Trump-Anhänger „extrem friedlich“ seien. Zudem hätten Polizisten  die Protestierenden in das Kapitol gelassen und sie auch zu bestimmten Orten dirigiert. Es sei eine geplante Aktion gewesen.

Nur komisch, dass Donald Trump zu der Protestveranstaltung aufgerufen  und versprochen hat, dass es „wild“ werden wird. Und auf der Versammlung rief er dazu, zum Kapitol zu ziehen.

Die Antifa soll es gewesen sein

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Natürlich muss auch die Antifa, gegen die Donald Trump noch kurz zuvor ein Memorandum erlassen und deren Mitglieder als Terroristen bezeichnet hat, mit im Spiel sein. Die seien nämlich, so erzählte ein Trump-Anhänger, mit Bussen, eskortiert von Sicherheitskräften ins Zentrum gebracht worden. Man habe auf Fotos auch  einen Antifa aus Philadelphia identifiziert, der auf seiner Hand ein Tattoo mit Hammer und Sichel haben soll (dummerweise wurde er als Anhänger von White Pride und als Nazi identifiziert). Und der Mensch mit den Wikinger-Hörnern  im Kapitol  sei auch schon im September 2019 bei einer Klimademonstration anwesend gewesen. Dazu kann man sagen, dass alle Proteste unterschiedliche Teilnehmer anziehen und teilweise auch Abenteurer, die einfach dabei sein wollen.

Die meisten Protestierenden hätten auch wieder unbehelligt gehen können. Suggeriert wird, dass es sich um eine Inszenierung handelte, die just zu der Zeit geschah, als im Kongress die von Trump-Anhängern entfachte Debatte über mögliche Wahlunregelmäßigkeiten stattfinden sollte. Es sollte keine wirkliche Debatte stattfinden, als der Kongress wieder zusammen kam, wäre keiner mehr an einer Diskussion über die Korrektheit der Wahl interessiert gewesen. Trump sei auch diskreditiert worden. Die „radikale Linke“, die eine Revolution anstrebe, habe am Mittwoch gezeigt, wozu sie fähig ist.

Oder da ist Alex Jones mit seinem Portal Infowars.com, auf dem er schon seit vielen Jahren die Wahrheit verkündet, was er dieses Mal auch wieder tut. Es sei eine Million Menschen da gewesen, sagt  er, die aber nicht alle an den Versammlungsort hätten kommen können. Und  es seien Patrioten, die sich angesichts der gestohlenen Wahl um die Demokratie sorgen. Achja, die Mainstreammedien sind für ihn Söldner der großen Konzerne und der kommunistischen Chinesen.

Ales Jones ruft vor dem Kapitol zur FRiedlichkeit auf

100.000 oder 200.000 seien dann zum Kapitol marschiert, Trump wollte eine friedliche Demonstration, sagt er. Nach Videobildern war die Menge tatsächlich beträchtlich. Er habe versucht, die Menschen abzuhalten, das Kapitol zu stürmen, und gewarnt, dass das ein inszeniertes Ereignis der Globalisten sei. Auch da spielten die Antifa eine Rolle, die sich als Trump-Anhänger verkleidet hätten und dann ins Kapitol eingedrungen seien, weil praktisch keine Polizisten dagewesen seien.

Offen bleibt, warum das Kapitol nicht ausreichend gesichert wurde

Dass die Polizei dem erwartbaren Ansturm, bei dem 5 Menschen, darunter ein Polizist, starben und 50 Polizisten verletzt wurden, nicht gewachsen war, ist offensichtlich. Zwei leitende Polizeibeamte  sind deswegen zurückgetreten oder mussten dies tun. Nicht nur waren zu wenige Polizisten vor Ort, Verstärkung kam auch erst eine Stunde, nachdem der Mob das Kapitol gestürmt hatte. Wie man auf Videos sehen kann, haben manche Polizisten – aus Angst? – den Anstürmenden Platz gemacht, einer macht gar ein Selfie im Kongress mit einem der Eingedrungenen. Da dürfte auch Sympathie mit dabei gewesen sein.

Warum die Sicherheitskräfte sich nicht auf das von Trump angekündigte „wilde“ Ding vorbereitet haben, wird vielleicht die nächste Zeit herauskommen – oder auch nicht. Zwei Senatsausschüsse haben jedenfalls Untersuchungen gestartet, jetzt haben die Demokraten die knappe Mehrheit. Möglicherweise wollte die demokratisch Bürgermeisterin Muriel Bowser deeskalierend wirken, um den Trump-Anhängern keine Kulisse und keinen Anlass zur Gewalt zu bieten. Sie wollte die Nationalgarde nicht mobilisieren und keine Polizeikräfte von außerhalb einsetzen. Das eröffnete aber eben auch die Möglichkeit, an Verschwörungstheorien vom tiefen Staat zu stricken, die Trump-Anhänger in eine Falle laufen zu lassen.

Antifa als Trump-Anhänger verkleidet?

Misstrauisch macht der Umstand schon, zumal gewalttätige und bewaffnete rechte und rassistische Gruppen als Anhänger Trumps bekannt waren, er die Proud Boys und QAnon umworben hat  und in den sozialen Medien von Revolution und Gewalt schwadroniert wurde. Trotz Trump galten die rechten Milizen als gefährlich und wurden beobachtet. Haben FBI und die Geheimdienste geschlafen? Oder hat hier die Trump-Regierung blockiert?

Vielfach bemerkt wurde jedenfalls, dass die schwache Polizeipräsenz beim Trump-Marsch sich massiv von der unterschied, als in Washington die Black Lives Matter-Proteste stattfanden, die Nationalgarde und der Secret Service dagegen vorgingen und Trump auch Soldaten anrücken ließ. Trump-Anhänger konnten jetzt hingegen nahe am Kapitol parken. Auch der nach dem Sturm auf das Kapitol schnell bestätigte neue Präsident Joe Biden stellte dies fest: „No one can tell me that if it had been a group of Black Lives Matter protesting yesterday, they wouldn’t have been treated very, very differently than the mob of thugs that stormed the Capitol. We all know that’s true, and it is unacceptable.“

Der nächste Termin für mögliche Unruhen ist die Amtseinführung von Biden am 20. Januar in Washington. Trump hat schon angekündigt, daran nicht teilzunehmen, aber einen geordneten Übergang der Präsidentschaft zu garantieren. Geordnet wird nicht viel sein, denn seine Mitarbeiter suchen nun schnell das Weite, um nicht mit ihrem Chef in den Untergang gezogen zu werden. Das Kapitol, auf dem die Amtseinführung stattfindet, wird jetzt mit einem Sicherheitszaun gesichert. Dazu werden an diesem Wochenende über 6000 Soldaten der Nationalgarde nach Washington verlegt. Derweilen besteht die Angst, dass Trump aus Verzweiflung noch einen Krieg oder gar einen atomaren Schlag anzetteln könnte.

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