USA: Seit 1918 gab es nicht mehr Todesfälle als 2020

Mit Sars-CoV-2-Viren infizierte Körperzellen. Bild: NIAID/CC BY-4.0

Mindestens 400.000 Menschen mehr als 2019 werden 2020 gestorben sein, meist, aber nicht nur mit oder an Covid-19

Während in Deutschland noch immer manche bezweifeln, dass Covid-19 gefährlich sein kann, obgleich die Sterbefallzahlen auch in Deutschland seit Oktober wieder in die Höhe gehen, zeigt sich in den USA, dass 2020 unter der Regierung des MAGA-Präsidenten Trump das tödlichste Jahr seit langem war. Bis Ende des Jahres werden voraussichtlich 3,2 Millionen Amerikaner gestorben sein, Covid-19 dürfte die Hauptursache sein. Das wären mindestens 400.000 mehr als 2019.

Die Todesfallzahlen in den USA  steigen normalerweise aufgrund der Vergreisung und des Bevölkerungswachstums jährlich an, aber nicht so stark wie die 15 Prozent und mehr, die sie im Jahr 2020 zugenommen haben. 2019 sind 2.854.838 Amerikaner gestorben, 15.633 mehr als 2018. Aber die Mortalitätsrate ist um 1,2 Prozent gesunken und die Lebenserwartung wieder um 0,1 Jahr gestiegen, nachdem sie in vorhergehenden Jahren wegen der „Opioid-Epidemie“ leicht gesunken war. Für alle Altersgruppen über 45 Jahren ist die Todesrate gesunken, nur bei den 35-44-Jährigen ist sie gestiegen. Die Coronapandemie dürfte wieder die Lebenserwartung senken und die Sterblichkeit vor allem bei den älteren Menschen erhöhen.

Nicht nur mehr Covid-19-Tote

Dass nicht nur Covid-19 eine Rolle spielt, lässt sich daran sehen, dass von Juni 2019 bis Mai 2020 die Todesfälle durch Überdosis vor allem von Opioiden auf mehr als 81.000 steil angestiegen ist – mehr als jemals zuvor. Bei Opioiden ist die Todeszahl um 38.4% gestiegen, bei Psychostimulantien wie Methamphetamine um 34,8% und bei Kokain um 26.5%. Nach der Gesundheitsbehörde sind die Todesfälle durch Überdosierung schon 2019 leicht angestiegen, aber sie sind  mit Beginn der Pandemie weiter emporgeschossen. Die Veränderung des Alltagslebens könnte Drogen- und Medikamentenabhängige betroffen haben, möglicherweise wurde auch von den Drogenhändlern mehr gepanscht.

Inwieweit sich Todesfälle durch andere Ursachen verändert haben, ist noch nicht klar. Anfang des Jahres gab es einen Anstieg an Lungenentzündungen, die bereits mit Covid-19 in Zusammenhang gestanden haben können. Nach Robert Anderson von CDC habe es auch einen Anstieg bei den Herzerkrankungen, bei Demenz und Diabetes gegeben. Das könnte auch eine Folge einer Infektion von Sars-CoV-2 sein, es könnten aber auch „Kollateralschäden“ sein, wenn Menschen den Gang zum Arzt und Krankenhaus hinausgeschoben oder Krankenhäuser die Behandlung nicht akuter Fälle verschoben haben.

Mit oder an Covid-19 sind in den USA bislang mehr als 318.000 Menschen gestorben. Der Anstieg um 15 Prozent ist der höchste seit 1918. Damals starben Tausende von Soldaten im Ersten Weltkrieg und Hunderttausende an (oder mit?) der Spanischen Grippe – geschätzt werden 675.000 Tote – , die Todeszahl stieg 1918 gegenüber 1917 um 46% an.