„Bande von Drogenabhängigen und Neonazis, die das gesamte ukrainische Volk als Geisel genommen haben“

Der ukrainische Präsident Selenskij: demonstriert, dass er noch in Kiew ist: „Es wird eine harte Nacht.“

Putin scheint unter Legitimationsdruck zu geraten und greift immer mehr zu Halbwahrheiten, da sein Blitzkrieg ins Stocken gekommen und der Widerstand größer als erwartet ist.

Der russische Präsident Wladimir Putin hielt erneut ein Treffen mit den Mitgliedern des Sicherheitsrats ab, die er schon einmal in einer öffentlichen Sitzung vor Kriegsbeginn demonstrativ befragte und unter Druck setzte, um Einigkeit zu demonstrieren. Wieder waren dabei der  Premierminister Michail Mischustin, der Vizepräsident des Sicherheitsrats Dmitri Medwedew, der Sekretär des Sicherheitsrats Nikolai Nikolajewitsch Patruschew, der Innenminister  Wladimir Kolokolzew, der Außenminister Sergej Lawrow, der Verteidigungsminister Sergei Schoigu, der Geheimdienstchef Alexander Bortnikow, der Chef des Auslandsgeheimdienstes Sergej Naryschkin und der Sonderbeauftragter des Präsidenten für Umweltschutz, Ökologie und Verkehr Sergej Iwanow teil.

Zu Beginn behauptet Putin in seiner Rede, die an die Öffentlichkeit gerichtet ist,  dass die Hauptkämpfe nicht mit den ukrainischen Streitkräften geführt werden, sondern mit den „nationalistischen Formationen“, die er „für den Völkermord im Donbass und das Blut friedlicher Bürger der Volksrepubliken“ verantwortlich macht. Wieder verwendet er den im Fall der Ostukraine weit überzogenen Begriff des Völkermords, wahrscheinlich auch, um eine Parallele zwischen dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die Ukraine und dem ebenso völkerrechtswidrigen Angriff der Nato auf Serbien 1999 zu ziehen, an dem auch Deutschland unter der damaligen rot-grünen Regierung teilnahm und bei dem es auch um die Schaffung von Einflusssphären ging. Was die Nato kann, so vielleicht Putin, kann ich auch.

Der Nato-Angriff war ähnlich wie der Angriff auf die Ukraine von langer Hand geplant, Auslöser war dann vor allem das „Massaker von Račak“, bei dem 40 Kosovo-Albaner, vermutlich meist Mitglieder UCK, ums Leben kamen, die von den USA und Großbritannien unterstützt wurde. Dazu kam dann noch kurz nach Beginn der Bombardierung das Konstrukt des „Hufeisenplans“ (Eine Reportage des NDR sorgte damals für Aufklärung). Es wurde von dem damaligen grünen Außenminister davon gesprochen, ein „neues Auschwitz“ zu verhindern,  es war ebenfalls von Völkermord durch die Serben die Rede, von einer „humanitären Katastrophe“ (Rudolf Scharping), Slobodan Milošević  wurde ähnlich dämonisiert wie jetzt Putin und war damals „neue Hitler“. Was in Račak (Rugovo) wirklich geschehen war, ist mehr als umstritten und nicht wirklich aufgeklärt.  Die Nato verklärte den Krieg gegen Serbien als „humanitären Krieg“ und setzte schließlich die Unabhängigkeit des Kosovo durch – soweit zur jetzt immer wiederholten Behauptung, die Nato wäre ein reines Verteidigungsbündnis und würde die Grenzen achten.

Putins Rede von Völkermord und die Unterstellung, dass rechtsnationalistische Milizen und Bandera-Anhänger (Banderaites) die wirkliche Macht in der Ukraine in der Hand hätten, ist eine Verzerrung der Wirklichkeit, die aber gebraucht wird, um den Krieg als „Entnazifierung“ zu charakterisieren, wobei Nazis schlicht die Bösen sind – und natürlich auch wieder an den Großen Vaterländischen Krieg gegen die deutschen Nazis erinnern soll. Tatsächlich wurde Bandera nach der Orangen Revolution zu einem nationalen Helden und Freiheitskämpfer, der zunächst mit seiner Miliz mit den Nazis kollaborierte und direkt oder indirekt an Pogromen gegen Juden beteiligt war und erst in Ungnade fiel, als er einen unabhängigen Staat ausrief. Erst gegen Ende des Krieges kämpfte er ohne Kooperation mit den Nazis gegen die Rote Armee. Nach dem Krieg flüchtete er nach München, wo er 1957 von einem KGB-Agenten umgebracht wurde. Auf Bandera berufen sich die Swoboda-Partei, der Rechte Sektor, Asow und andere rechtsnationalistische Milizen, die in die Nationalgarde übernommen und damit Teil der Sicherheitskräfte der Ukraine wurden.

Putin versucht nicht nur die Russen anzusprechen, sondern auch die Ukrainer und will diese in gute und böse unterscheiden. Auf der einen Seite sind die „regulären ukrainischen Einheiten“ der Streitkräfte, auf der anderen die „nationalistischen Elemente“, die in sie eingebettet sind und sie zum bewaffneten Widerstand aufhetzen.  Suggeriert wird damit, dass die Streitkräfte sich dem russischen Militär eigentlich nicht entgegenstellen würden.

Wie in allen Kriegen mittlerweile üblich, wo eine überlegene Macht militärisch unterlegene Gegner bekämpft, vor allem wenn sie über keine Luftwaffe mehr verfügen, behauptet Putin, dass es die Bandera-Anhänger und Neonazis sind, die in Kiew oder Charkiv schwere Waffen in Wohngebiete platzieren, um zu provozieren, dass sie von den russischen Streitkräften beschossen werden, wobei Zivilisten gefährdet werden. Putin: „Sie verhalten sich genau wie e wie Terroristen auf der ganzen Welt – sie verstecken sich hinter Menschen in der Hoffnung, Russland dann zu beschuldigen, Zivilisten getötet zu haben.“ Und Putin glaubt auch noch, die Bosheit dadurch zu verstärken, dass sie dies auf den Rat von vor allem amerikanischen Beratern machen würden. Und er ruft schließlich die ukrainischen Soldaten auf, die Macht zu übernehmen und sich von den „Nazis“ zu trennen, unklar ist, ob er damit auch die Regierung meint:

„Noch einmal appelliere ich an die Soldaten der Streitkräfte der Ukraine. Erlaubt Neonazis und Bandera-Anhängern nicht, eure Kinder, eure Frauen und die alten Menschen als menschliches Schutzschild zu benutzen. Nehmt die Macht selbst in die Hand. Es scheint, dass es für uns einfacher sein wird, zu einer Einigung zu kommen, als mit dieser Bande von Drogenabhängigen und Neonazis, die sich in Kiew niedergelassen und das gesamte ukrainische Volk als Geisel genommen haben.“

Möglicherweise ist das schon eine Folge davon, dass der russische Blitzkrieg nicht so schnell vorankommt, wie dies erwartet worden ist.  Die ukrainischen Soldaten ergeben sich nicht so schnell in Massen, wie das 2014 auf der Krim der Fall war. Es kommt zu größeren Verlusten der russischen Truppen, die ukrainische Armee kann mit den von der Nato gelieferten Waffen offenbar zahlreiche Panzer und auch Flugzeuge ausschalten. Der ukrainische Verteidigungsminister überdreht die Propaganda: „Mehr als 40 Stunden der russischen Besatzer bewiesen, dass wir die mächtigste Armee Europas und furchtlose Menschen haben.“

Zwar wurde verkündet, dass es nicht um die Einnahme von Städten geht, aber es ist ziemlich klar, dass die russischen Streitkräfte Städte wie Charkiw, Mariupol und vor allem Kiew einnehmen will. Ziel dürfte ein Sturz der Regierung sein, aber keine längere Besetzung, abgesehen vermutlich von größeren Gebieten in der Ostukraine und am Schwarzen Meer. Auch mit 150.000 oder 200.000 Mann kann Russland nicht die Ukraine kontrollieren. Auch jetzt werden nur Hauptstraßen und manche Orte kontrolliert. Man kann davon ausgehen, dass die Ukrainer, die kämpfen wollen, auch auf einen Guerilla-Krieg umschwenken. Das war auch der Zwecke der Territorialen Verteidigungskräfte. Der Verteidigungsminister lässt auch Maschinengewehr ausgeben, das Verteidigungsministerium gibt Anweisungen, wie sich Molotowcocktails herstellen lassen.

Hoffnung besteht, dass Putin und Selenskij bzw. deren Vertreter an einem halbwegs neutralen Ort, vorgeschlagen wurden Minsk oder Warschau zusammentreffen könnten, um über die Neutralität der Ukraine und die Sicherheitsgarantien für Russland zu sprechen. Das wäre eine letzte Chance für Selenskij, Moskau stellt allerdings die Forderung nach einer Kapitulation. Das kann Selenskij aber in der Ukraine und gegenüber der Nato und Washington kaum durchsetzen. Er sagte, die ukrainischen Streitkräfte würden heldenhaft kämpfen, er kämpft um Militärhilfe aus den Nato-Staaten, aber will gleichzeitig das „Massaker“ beenden. Und er warf Russland die Bombardierung von Kindergärten und Wohngebieten vor: „Unter Beschuss standen Wohngebiete, Unterkünfte, Kindergärten. Was ist dieser Krieg gegen ukrainische Kinder im Kindergarten? Wer sind dse? Sind sie auch Neonazis? Sind das Nato-Soldaten, die Russland bedroht haben? Getötete und verletzte Kinder sind das Urteil über diese Invasion.“

8 Kommentare zu „Bande von Drogenabhängigen und Neonazis, die das gesamte ukrainische Volk als Geisel genommen haben“

  • Was bedeutet denn offenbar? Der Mainstream hat nicht so viel offenbar. Was soll damit gesagt werden? Ich habe Bilder gesehen (weiß nicht, ob es in der Ukraine war), dass Raketenwerfer in den Städten aufgestellt wurden. Wenn die Russen da Raketen hinlenken, wird das ein Freudenfest für den Mainstream. Keine Seite will gerne zugeben, dass sie wie viel Verluste sie haben. Auf alle Fälle ist der Verlust an Menschenleben, der Kriegsparteien, nicht der Grund, weshalb Kriegshandlungen eingestellt werden. Guerilla-Krieg wird sich erst dann formieren, wenn die „Offizielle“ Armee nicht mehr kampffähig ist. Was ganz außer Acht gelassen wird, ist, wie sich die Bevölkerung verhalten wird.
    Wieso sollte Putin nicht wissen, dass es Nazis sind, die schwere Waffen bewegen. Sicher will jede Seite die andere mit Suggestion spalten, das soll alles Hoffnungslosigkeit bedeuten?
    Was Putin glaubt, weiß ich nicht. Was allerdings die Militärausbilder den Ukrainern beigebracht haben, wird sicherlich auch Guerillakampf sein. Nur was solche Spekulationen zu der Situation bewirken sollen ist mir schleierhaft, was sicher an mir liegt. In den nächsten Tagen wird mensch es sehen.

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  • Keine 48 Stunden nach Beginn der Invasion schon von einem ‚Stocken des Blitzkrieges‘ zu reden, scheint mir etwas voreilig.
    Interessant sind übrigens die Unterschiede in der Kriegsführung zwischen u.s.-Amerikanern und Russen. Erstere leiten jeden Grossangriff mit einer gewaltigen Bombardierung des Landes, jeweils mit Hauptobjektiv Hauptstadt ein. Dabei werden regelmässig auch zivile Infrastrukturen sofort zerstört. Strom- und Wasserversorgung brechen zusammen. Die reine Luftphase dauert jeweils Wochen.
    In der Ukraine scheint die Basisinfrastruktur dagegen noch weitgehend intakt zu sein, sieht man einmal von den von den ukrainischen Kräften selbst gesprengten Brücken ab. Sogar das Internet scheint noch zu funktionieren.

    Gewiss ist der Putin’sche Legitimationsdiskurs überzogen, allerdings ist es eine Tatsache, dass die Rechtsextremen in der Nach-Maidan-Ukraine grossen politischen Einfluss haben. Es ist anzunehmen, dass Selenskij schon weit vor Kriegsausbruch zwischen Hammer und Amboss geraten ist. Einerseits die heimischen Faschisten und die u.s.-amerikanischen ‚Freunde‘, andererseits gemässigtere Kräfte, zu denen er ursprünglich, bevor er z. B. begann russlandfreundliche Medien zu schliessen, auch gehörte. Das erklärt wohl sein zuweilen schon leicht schizophren anmutendes Verhalten. Er hat den Moment zurückzutreten vor spätestens einem Jahr verpasst.

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  • Der auch mit deutschem Geld unterstützte Krieg der Ukraine gegen Donezk und Lugansk mit über 13.000 getöteten Zivilisten und die zunehmende Gewalt in der Ukraine gegen alles Russische allein rechtfertigen bereits die Entnazifizierung der Ukraine, auch nach NATO-Logik.
    Wenn Asows Gefolge mit ihren Hakenkreuzen keine Nazis sind, was dann ?
    Krieg ist immer übel, aber auch dieser Krieg ist – wie alle über 200 Kriege des Westens seit 1945 – ein Ergebnis „westlicher Werte“ und wohl oder übel gerechtfertigt. Zumindest hat kein einzige NATO-Land auch nur das geringste Recht, diesen Krieg zu verurteilen.

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  • „Wieder verwendet er den im Fall der Ostukraine weit überzogenen Begriff des Völkermords…..“

    Unser Kanzler befand den Begriff ja nicht nur überzogen, sondern geradezu „lächerlich“.

    Da es darüber ja offensichtlich unterschiedliche Auffassungen gibt, empfiehlt es sich, mal nachzulesen:

    „Völkermord wird auch als Genozid bezeichnet und stammt vom griechischen Wort für Herkunft, Abstammung (génos) und dem lateinischen Wort für morden, metzeln (caedere) ab. Die Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes enthält eine Definition von Völkermord.

    Nach Artikel II versteht man darunter, die an einer nationalen, ethnischen, rassischen oder religiösen Gruppe begangenen Handlungen:

    Tötung von Mitgliedern der Gruppe;
    Verursachung von schwerem körperlichem oder seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe;
    vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen;
    Verhängung von Maßnahmen, die auf die Geburtenverhinderung innerhalb der Gruppe gerichtet sind;
    gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe.

    Diese Handlungen müssen in der Absicht begangen werden, die Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören.

    Es macht sich also schon jemand des Völkermordes schuldig, der lediglich beabsichtigt, also den Vorsatz hat, eine Menschengruppe zu vernichten. Ist eine der Taten von Artikel II a bis e der Konvention tatsächlich durchgeführt worden in Vernichtungsabsicht, dann ist es unerheblich, ob oder wie viele Mitglieder der Gruppe wirklich vernichtet worden sind. Letztendlich braucht man für die Strafbarkeit das „Ziel“ nicht erreicht zu haben.“

    https://www.voelkermordkonvention.de/voelkermord-eine-definition-9158/

    Reicht das, oder soll ich noch ein paar Beispiele anfügen über Taten, Äußerungen und Absichten der ukrainischen Regierung, ehemaligen Präsidenten und Nazigrößen die russische Bevölkerung im allgemeinen und die im Donbass im besonderen betreffend?

    Das z.B.:

    https://www.youtube.com/watch?v=aHWHqj8g7Bk

    oder das:

    https://www.youtube.com/watch?v=S9SOVarOFJk

    oder das:

    https://www.youtube.com/watch?v=l17KfjtaqpA

    Falls das nicht reichen sollte: es gibt noch jede Menge mehr, aber dafür sollte man sich zuvor stärken.

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  • „Hoffnung besteht, dass Putin und Selenskij bzw. deren Vertreter an einem halbwegs neutralen Ort, vorgeschlagen wurden Minsk oder Warschau zusammentreffen könnten, um über die Neutralität der Ukraine und die Sicherheitsgarantien für Russland zu sprechen. Das wäre eine letzte Chance für Selenskij, Moskau stellt allerdings die Forderung nach einer Kapitulation. Das kann Selenskij aber in der Ukraine und gegenüber der Nato und Washington kaum durchsetzen.“

    Der letzte Satz liegt quer zum gesamten gemeldeten Inhalt, denn er besagt, dass der ukrainische Präsident nicht frei ist in seinen Entscheidungen. Und ich fürchte dies stimmt und ganz andere Personen, vor allem solche, die in Washington regieren, bestimmen, wie und wann der Krieg enden wird. Und natürlich auch die extrem nationalistische urkrainische Rechte.

    Und genau auf diese Personengruppe sollte man sein Augenmerk richten.

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  • Die ukrainischen Rechtsextremisten haben bei den Wahlen 2019 einen Sitz von 450 erringen können. In jedem anderen Land inklusive Russland können Rechtsextremisten mit wesentlich besseren Ergebnissen aufwarten.

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    • Die ukrainischen Rechtsextremen auf politische Wahlergebnisse zu reduzieren, greift viel zu kurz. Die ganzen Nazi-Bataillone wurden legitimiert, indem man sie zur Nationalgarde machte.
      Der ukrainische Botschafter in Deutschland hat übrigens in seinem Twitterprofil ein Bild von Bandera. Die Ukraine hat einfach ein Problem mit faschistischem Gedankengut.

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  • Ich hab ein Herz für Nazis und wünsche ihnen viel Spass beim plündern der Oligarchenvillen.

    Man sollte auch nicht vergessen das sie Opfer von NATO-propaganda sind. Wenn man an die Scharfschützen auf den Maidan denkt : Mörderische Propaganda.

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