David gegen Goliath? Ein kleiner Investmentfonds will Exxon Mobile klimafreundlicher machen

Was in manchen Medien als fast revolutionärer Umschwung zur Klimarettung gefeiert wird, ist nur eine Strategie, die Eigentums- und Gewinnstrukturen zu sichern. Engine 1.0 tritt zur Rettung des Kapitalismus an.

Es gibt gerade wieder einmal ein Beispiel, das zeigt, wie man effektiver wirtschaftliche und politische Ziele durchsetzen kann als durch Proteste und Demonstrationen. Engine No.1, ein kleiner, erst vor einem halben Jahr gegründeter Investmenfonds, hat es geschafft, mittlerweile drei seiner Leute in den Verwaltungsrat des Ölkonzerns Exxon Mobile einzuschleusen. Das wird deswegen als Sieg von David gegen Goliath gefeiert, weil der Investmentfonds den alten Tanker in Richtung Klimaschutz schieben will. Das wird bei jetzt drei Mitgliedern von 12 immer noch schwierig sein.

 

Der David ist vielleicht gegenüber den großen Investmentfonds mit Billionen von US-Dollar ein kleiner Fisch, aber hat immerhin ein Anlagevermögen von 240 Millionen US-Dollar und erfahrene Investoren in der Führung aufzuweisen. Das unterscheidet den Fonds bereits von politisch grünen, gar linken Bewegungen. Welches Anlagekapital könnte Fridays for Future aufbringen, immerghin eine weltweite Bewegung? Mit 50 Millionen US-Dollar kaufte sich die Engine bei Exxon Mobile ein, das ist ein Anteil von 0,02 Prozent an dem mit 250 Milliarden US-Dollar bewerteten Ölgiganten. Das reichte aber aus, um als Anteilseigner im Dezember 2020 einen Brief an den Vorstand des angeschlagenen Ölkonzerns schicken zu können und ihn aufzufordern, stärker auf Erneuerbare Energien zu setzen und bis 2050 karbonneutral zu werden.

Als der Vorstand dies ablehnte, schlug die Engine vier Personen als Mitglieder für den Verwaltungsreferat vor – und schaffte es Ende Mai, drei davon durchzubringen, zuletzt Alexander Karsner von Alphabet/Google. Durchsetzen bedeutet, es wurden genügend andere Investoren gefunden, die die Kandidaten unterstützten, als da wären: drei  Pensionsfonds, darunter die Church of England), Blackrock und der Investmenfonds Vanguard, die über einen Aktienanteil von über 15 Prozent an Exxon Mobile verfügen.

Man ahnt schon, der David reitet auf der neuen grünen Welle, die neue Profite für Investoren verspricht, die an die alten Geschäftsfelder nicht mehr glauben. Nicht, weil sie eine bessere Welt wollen, sondern vor allem, weil sie langfristig gewinnbringende Anlagen anstreben. Blackrock, der einstige Arbeitgeber von Friedrich Merz und weltgrößte Investmentfonds mit fast 8 Billionen US-Dollar, ist angeblich zu einer klimafreundlichen Anlegestrategie konvertiert. Das steht im Hintergrund des Drucks auf Exxon, aber die Wirklichkeit ist auch bei Blackrock eher ein Greenwashing.

Anzeige

Und was so subversiv klingt, wird auch schon anders wenn man die von Engine 1.0 ins Rennen geschickte Mitglieder des Verwaltungsrats anschaut. Ebenso wie Kasner von Google sind  Kaia Hietala, die für den finnischen Ölkonzern Neste tätig war, und Gregory Goff, der lange Jahre in der amerikanischen Ölindustrie tätig war, geradezu grüne Vorreiter. Engine 1.0 warb auch weniger für den Klimaschutz, sondern führte die sinkenden Dividenden auf die Konzentration auf fossile Energien zurück. Klimaschutz verspricht in Zukunft größere und sicherere Profite.

 

Das mag dem Klima oder der Umwelt erst einmal nicht schaden, aber bei einem Umschwenken bleibt das kapitalistische System erhalten, das für die Schäden an Klima und Umwelt neben der sich ausweitenden Kluft zwischen Arm und Reich verantwortlich ist. Es geht jetzt etwas weitsichtigeren Teilen der Finanzelite lediglich darum, die Kapitaleinkünfte  nicht durch die drohende Klimakatastrophe zu gefährden.

Engine 1.0, der David, hat da auch gar nichts dagegen, mit den Goliaths zu kooperieren. Von einer „Revolution“ ist nicht dir Rede. Vielmehr soll eben der Kapitalismus gerettet warden, also die Gewinne durch Investitionen. Das Motto ist, “ langfristige Werte durch die Ausbeutung der Macht es Kapitalismus zu schaffen“. Der Erfolg einer Firma werde durch ihre Investitionen in die Angestellten, Gemeinschaften und die Umwelt verstärkt.

Das ist so ähnlich, wenn sich nun die IT-Konzerne wie Google oder Facebook hinter die G7-Initiative stellen, eine globale Mindeststeuer einzuführen. Wir waren schon immer die Guten und machen ja alles, wenn nur unsere Gewinne nicht gefährdet werden und grundsätzlich nichts anderes passiert. Engine 1.0 meint, mit der Zeit würden sich die Interessen von Main Street und Wall Street verbinden – aber eben nur dann, wenn das Eigentum und die Gewinnstrukturen der Reichen erhalten bleiben und es nicht darum geht, eine gerechtere Gesellschaft zu erreichen. Vielleicht ist man für das bedingungslose Einkommen, um die Gesellschaft zu befrieden, aber nicht für eine Vermögenssteuer, eine hohe Kapitalertrags- und Erbschaftssteuer oder eine merkliche Reichensteuer zur Umverteilung und Chancengleichheit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Artikel aus