Der amerikanische Krieg gegen den Terror hat direkt 400.000 Zivilisten das Leben gekostet

Bild:_ DoD

Die Bilanz des Globalen Kriegs gegen den Terrorismus, an dem Biden und die Transatlantiker unbeirrt festhalten, ist nach dem Costs of War Project verheerend: eine Million Tote, 40-50 Millionen Vertriebene, zerstörte Länder, die Verbreitung des Terrors und ein islamistisches Regime in Afghanistan als aktueller Höhepunkt.

Der Globaler Krieg gegen den Terrorismus (GWOT), den Joe Biden aufgrund des Scheiterns in Afghanistan ohne Bodentruppen mit „Over-the horizon“-Luftangriffen fortsetzen will, hat nach einem neuen Bericht des Projekts Costs of War Project der Brown University weltweit eine Million Menschen getötet und 6,5 Billionen US-Dollar – mit der Versorgung der Veteranen: 8 Billionen – gekostet. Biden ist also aus Afghanistan ausgestiegen, hält aber aber Globalen Krieg gegen den Terror fest, den Barack Obama beenden wollte, wenn auch nur mit dem Versuch, den Begriff aus dem Wortschatz zu verbannen.

Gerade hat das Pentagon mit Taktiken der „Over-the-horizon“-Kriegsführung experimentiert. Bei dem Drohnenangriff am Samstag auf einen angeblich mit Sprengstoff beladenen Wagen des IS-K wurde in einem kleinen Hinterhof 9 Mitglieder einer Familie getötet, darunter 6 Kinder. Nach den Aufnahmen von der Szene scheint das Fahrzeug nicht, wie das Pentagon behauptet, mit Sprengstoff gefüllt gewesen zu sein. Dazu war der Schaden an den Gebäuden zu klein.

Bei einem Drohnenangriff am Tag zuvor wurden angebliche zwei hohe IS-K-Führer getötet. Eingesetzt wurde angeblich  eine neuartige Hellfire-Rakete des Typs R9X eingesetzt, um Kollateralschäden zu vermeiden. Beim Aufprall sollen sechs große Klingen aus der Rakete herausschießen, die alle in naher Umgebung zerstückeln. Welch eine Idee! Auch hier könnte es zivile Opfer gegeben haben, es soll sich um drei Tote und vier Verletzte handeln. Unter den Toten soll eine Frau und nur ein IS-K-Angehöriger gewesen sein. IM Drohnenkrieg haben die Amerikaner stets darauf gesetzt, dass die Angriffe irgendwo im Land erfolgten und es kaum dokumentierte Berichte, sondern vor allem Hörensagen gibt. So blieben die Amerikaner immer dabei, dass sie Militante getötet haben, wenn nicht unzweifelhaft belegt wurde, dass es zivile Opfer gegeben hat.

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Je mehr der Globale Krieg gegen den Terror „over the horizon“ geführt wird, wie dies US-Präsident Joe Biden anstrebt, desto stärker werden Teile der Waffenindustrie daran verdienen. Man braucht schlicht weniger Soldaten, Contractors, Bodenfahrzeuge und Kleinwaffen und mehr Kampfdrohnen, unbemannte Schiffe und Bodenroboter, Kampfflugzeuge, Raketen mitsamt komplexen Überwachungssystemen  und vernetzter Kriegsführung, wobei sich der Trend zu autonomen Systemen weiter verstärkt.

Bild: USAF

Über die Zahl der Opfer des GWOT sind nur vage Schätzungen möglich. Wo die Staatsordnung niedergebombt oder eine Vasallenregierung an der Macht ist und wo der Krieg in abgelegenen Gebieten geführt wird, werden die Opfer der einen oder anderen Seite nicht  gezählt oder verschwiegen. Seit 2001 geht das Costs of War Project von 897.000 bis 929.000 Getöteten aus, darunter fast 400.000 Zivilisten, 200.000 Soldaten und Polizisten und 300.000 gegnerischen Kämpfern. 15.000 US-Soldaten und Contractors, ebenso viele Soldaten der Alliierten und einige hundert Journalisten und Mitarbeitern von Hilfsorganisatoren. Mindestens seien es 800.000 Tote.

Die Zahlen sind deutlich, die USA oder die Nato am Hindukusch, im Irak und Jemen, in Pakistan und Syrien zu verteidigen, bedeutet, dass fast ausschließlich die dortige Bevölkerung ihr Leben lassen musste – damit die Nato-Staaten den internationalen Terrorismus niederschlagen.

Für Afghanistan geht das Projekt von 176.000 Toten aus, darunter 46.000 Zivilisten, fast 70.000 Soldaten und Polizisten sowie 53.000 Oppositionskämpfern.  Ziel des 20jährigen Afghanistankrieges, in dem fast 170.000 Afghanen von insgesamt 176.000 Toten ihr Leben verloren, soll es gewesen sein, was sich die Nato-Staaten als Verdienst anrechnen wollen, dass al-Qaida niedergeschlagen wurde und keinen weiteren Angriff mehr auf die USA ausführen konnte, und verhindert wurde, dass Afghanistan wieder zu einem Sicheren Hafen für internationale Terroristen wird. Das aber ist Fake News, Propaganda oder Desinformatiopn. Erreicht wurde mit dem hohen Blutzoll der afghanischen Menschen, dass al-Qaida sich verbreitete, der IS, dessen Abspaltung, zahlreiche Anschläge in Europa ausführte und dass Afghanistan zu einem Sicheren Hafen für noch nationale Terroristen wurde, aber auch wieder für den IS und al-Qaida. Vergessen wird da auch gerne, dass das Haqqani-Netzwerk, das wichtige Funktionen im Taliban-Regime einnimmt, von den USA noch als Terrororganisation geführt wird. Also selbst die „kleinen“ Ziele, sieht man von einem demokratischen Regime Change oder der Durchsetzung der Menschenrechte ab, wurden nicht erreicht.

Das Projekt hat nur die geschätzten Zahlen der direkt in den Kriegen Getöteten aufgelistet, verweist aber darauf, das sehr viel mehr an den indirekten Folgen gestorben seien: kriegsbedingte und durch Zerstörung von Infrastruktur (Krankenhäuser, Trinkwasser, Abwasser, Umweltzerstörung …) oder Mangelernährung verursachte Krankheiten. Die Beeinträchtigung des Klimas ist ebenfalls relevant, Kriege steigern die hohen, vom Militär verursachten Emissionen noch einmal. Dazu kommt, dass die von den USA und ihrer Koalitionen der Willigen geführte Kriege zur Vertreibung oder Flucht von mindestens 38, wahrscheinlich 50-60 Millionen Menschen geführt haben, mehr als im Zweiten Weltkrieg. 9 Millionen Iraker, 7 Millionen Syrer, fast 6 Millionen Afghanen, wobei die meisten im Land oder in die Nachbarländer geflüchtet sind.

Die Kosten des GWOT die US-Bürger werden auf 6,5 Billionen US-Dollar geschätzt. Die Ausgaben wurden nicht durch Steuererhöhungen finanziert, sondern parallel zu Steuerentlastungen durch Schuldenaufnahme, die das Haushaltsdefizit und die Schuldenlast in die Höhe treiben. Neben den Ausgaben für Krieg und Aufrüstung wurde der GWOT auch mit dem Ausbau der Inneren Sicherheit verbunden, die als Nebeneffekt stärker militarisiert wurde. Allerdings floss auch Geld wieder an den Staat in Form von Einkommens- und Unternehmenssteuern zurück. Der militärisch-industrielle Komplex, zudem natürlich auch die Sicherheitsindustrie und IT gehören, vergleichbar mit der Automobilbranche in Deutschland, profitiert von den Kriegen sowie den Waffenverkäufen und ist mit Geheimdiensten, Lobby-Organisationen, Thinktanks und Forschung auch dafür zuständig, Gefahren auszumalen, Angst zu schüren, Interventionen und Überwachung zu legitimieren und Rüstungs- bzw. Sicherheitsausgaben hochzufahren. Das geschieht auf Kosten anderer Ausgaben, etwa Investitionen in die zivile Infrastruktur, in das Bildungs- und Gesundheitssystem etc.

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