Drohung aus dem Iran, Israel als Reaktion auf einen Angriff großflächig zu zerstören

Nach den wiederholten israelischen Ankündigungen, sich auf einen Militärschlag gegen die iranischen Atomanlagen vorzubereiten, wird in einem Artikel in staatsnahen, aber nicht staatlichen Medien gewarnt: „Finger weg!“

Die Tehran Times und die dazu gehörige Nachrichtenagentur Mehr News haben eine Karte von Zielen der iranischen Streitkräfte im Falle eines Angriffs auf Israel veröffentlicht. Der Titel des Aufmacherartikels ist eine Drohung: „Nur ein falscher Schritt“. Unmissverständlich wird erklärt: „Die Verschärfung der israelischen Militärdrohungen gegen den Iran scheint darauf hinzudeuten, dass das zionistische Regime vergessen hat, dass der Iran mehr als in der Lage ist, es von überall her zu treffen.“ Es handelt sich nicht um staatliche Medien, aber sie sind natürlich staatsnah und dienen dazu, indirekt Mitteilungen an das Ausland zu geben.

In Israel stößt die Warnung auf große Aufmerksamkeit, schließlich weiß man dort genau, dass der Iran tatsächlich die Möglichkeiten hat, mit seinem Raketenarsenal jeden Ort im Land zu treffen. Ein militärischer Angriff auf die iranischen Atomanlagen, wie das in der Tat häufig diskutiert und angedroht wird, würde das Risiko eines Gegenschlags mit sich bringen, der auch ohne Atombomben mit konventionellen Waffen für Israel verheerend wäre – und natürlich auch dann wiederum für den Iran. Über das Szenario habe ich vor kurzem mit Moshe Zuckermann gesprochen: Israel und Iran werden sich hüten, es zu einem Krieg kommen zu lassen.

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Die Times of Israel titelt: „Iranisches Sprachrohr bedroht Israel mit Karte der Ziele“. Geht man nach den Zielpunkten, so gibt es kaum eine Stelle in Israel, die nicht als Angriffsziel vorgesehen wäre. Auffällig ist aber auch, dass auch Ziele an der libanesischen Grenze bombardiert werden sollen, wo die mit dem Iran verbündeten Hisbollah sind, sowie die im Westjordanland liegenden Städte  Dschenin, Nablus, Ramallah und Hebron. Seltsamerweise sollen auch Punkte in der Negev-Wüste getroffen werden. Möglicherweise wurden die Angriffsziele nur wild auf einer Karte verteilt, um durch die mögliche Reaktion auf israelischen Angriff abzuschrecken.

Die Drohung von semi-offizieller Seite kam, nachdem der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz und Mossad-Chef David Barnea nach Washington gereist waren, um über israelische oder israelisch-amerikanische Aktionen gegen den Iran zu sprechen, sollten die Gespräche über eine Fortsetzung des Atomabkommens scheitern. Von dem Atomabkommen hält auch die neue israelische Regierung nichts, sie und auch Washington fordern eine Einbeziehung des Raketenprogramms, was Iran allerdings strikt ablehnt.

Gantz soll in Washington erklärt haben, er habe den Streitkräften befohlen, sich auf einen Angriff vorzubereiten. Für die Vorbereitung wurden kürzlich 5 Milliarden US-Dollar bewilligt. In einer Umfrage sagten vor wenigen Tagen 51 Prozent, sie wären für einen Angriff auch ohne Mitwirkung der USA.

Es ist aber kaum vorstellbar, dass die US-Regierung auch nur den Alleingang Israels unterstützen würde. Das ist weder unter der Bush- noch unter der Trump-Regierung geschehen, weil mit einem Angriff auf den Iran die ganze Region in Flammen stünde. Dass Washington die von Israel gewünschten Tankflugzeuge, die für einen Angriff erforderlich wären, erst 2024 liefern wird, kann als Zeichen gewertet werden, dass die US-Regierung an solch einer militärischen Aktion kein Interesse hat.

Neue iranische Raketen der Revolutionären Garden in einer unterirdischen „Raketenstadt“. Bild: tehrantimes.com

Ähnlich wie die israelische Regierung ist aber auch die Führung in Teheran daran interessiert, den Konflikt mitsamt Drohungen am Köcheln zu halten. Ob es geschickt war, diese Bombardierungsdrohung zu veröffentlichen, steht auf einem anderen Blatt. Zitiert wird der oberste iranische Militär, Generalmajor Mohammad Bagheri, der Generalstabschef der iranischen Streitkräfte. „Trotz unseres Vertrauens in die Abschreckungssituation des Landes haben unsere Streitkräfte die Bedrohung durch den Feind nie unterschätzt und sind auf die kleinsten Bedrohungen im strategischen Bereich vorbereitet … Auf strategischer Ebene haben wir nicht die Absicht, irgendjemanden anzugreifen, aber auf operativer und taktischer Ebene sind wir bereit für eine entschlossene Antwort und eine schnelle und harte Offensive gegen den Feind.“

Bezug genommen wird auf die angekündigte große israelische Militärübung, bei der mit Kampf-, Spionage- und Tankflugzeugen ein Angriff auf den Iran durchgespielt werden soll. Die Übung, die in einem halben Jahr stattfinden soll, wird weit von der Küste entfernt über dem Mittelmeer stattfinden, um die Entfernung der iranischen Atomanlagen zu simulieren.

Der Artikel in der Tehran Times verweist auch auf das Telefongespräch von Bundeskanzler Scholz mit dem israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett am Dienstag. Dabei soll es nach israelischer Darstellung auch darum gegangen sein zu verhindern, dass der Iran Atomwaffen erhält: „Deutschland hat seit dem Amtsantritt von Scholz am 8. Dezember eine härtere Haltung gegenüber dem Iran eingenommen. Deutschland ist als Bewunderer Israels bekannt und hat sich mit Großbritannien zusammengetan, um bei den Wiener Gesprächen mit Israel zusammenzuarbeiten“, heißt es in der Tehran Times.

Der Artikel endet mit dem Zitat von Ayatollah Seyyed Ali Khamenei aus dem Jahr 2013, der auf israelische Drohungen mit einem Militärschlag sagte:  „Sie drohen mit einem Militärschlag, aber ich denke, sie wissen es, und wenn sie es nicht wissen, müssen sie wissen, dass die Islamische Republik Tel Aviv und Haifa zerstören wird, wenn sie einen Fehler machen.“ Und der Artikel schließt: „Finger weg!“

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