Eine schlechte Wahl für die Jungen

Bild: Sascha Kohlmann/CC BY-2.0

Was die Rente angeht, war es eine schlechte Wahl – und das werden vor allem die heute Jungen zu spüren bekommen. Ein Kommentar von Holger Balodis und Dagmar Hühne

 

Keine der drei absehbaren Regierungsparteien will die gesetzliche Rente ausbauen. Stillstand wäre schon ein Erfolg. So wird der Anteil der armen Alten künftig wohl deutlich steigen. Gleichzeitig sollen die Jungen immer größere Teile ihres Einkommens für private Vorsorge opfern. Wie das gehen soll, fragen sich nicht nur die rund 10 Millionen Arbeitnehmer, die für einen Stundenlohn von weniger als 12 Euro arbeiten. Die einfache Antwort: Es geht nicht – jedenfalls nicht für die untere Hälfte der Bevölkerung.

Doch nun der Rentenausblick im Einzelnen: Tatsächlich fordert keine einzige potenzielle Regierungspartei eine Erhöhung des Rentenniveaus oder eine Steigerung der Rentenzahlbeträge, die für langjährig Versicherte (mindestens 35 Versicherungsjahre) aktuell bei durchschnittlich 1200 Euro liegen. Alle wollen am gescheiterten Dreisäulenmodell (Rente + Betriebsrente + Private Vorsorge) festhalten, obwohl es nachweislich für die Beitragszahler viel teurer ist als eine starke gesetzliche Rente. Alle sind für einen höheren Anteil an dem sogenannten kapitalgedeckten Sparen, insbesondere Aktieninvestments.

Doch wenn sich schon SPD und Grüne hier nicht mit Ruhm bekleckern, der Garant für die düsteren Rentenaussichten ist die FDP. Die Liberalen wollen sogar einen Teil der umlagefinanzierten Rentenbeiträge in Aktien anlegen, anstatt davon Renten zu finanzieren. Im Prinzip ist das Ziel der FDP klar: ein Rückbau der kollektiven sozialen Sicherung, nicht nur in der Rente. Eigenverantwortung ist deren Losung oder: Jeder ist seines Glückes Schmied. Mehr Steuergelder, um endlich die versicherungsfremden Leistungen gerecht zu finanzieren, passen da sicher nicht ins Konzept.

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Auch kann man wohl lange drauf warten, dass mit den Liberalen ein glaubwürdiger Einstieg in die dringend erforderliche Erwerbstätigenversicherung gelingt. Dass künftig Rechtsanwälte, Ärzte und Architekten ebenso wie alle anderen Selbstständigen in die gesetzliche Rente integriert werden, damit endlich wirklich alle ins Rentensystem einzahlen, das rückt bei einer von der FDP gestützten Regierung in weite Ferne.

Derweil sitzt die einzige Partei, die sich einen Ausbau des Sozialstaats auf die Fahnen geschrieben hat, DIE LINKE, mit einem Wähleranteil von 4,9 Prozent mit drei blauen Augen am Katzentisch des Bundestages. Das alles wirft gleich mehrere Fragen auf: Hat DIE LINKE ihre Rentenforderungen nicht ausreichend vermittelt? Interessiert die überwiegende Wählerschaft drohende Altersarmut und das Erfordernis von besseren Renten nicht die Bohne? Handelt ein Teil der Wähler bezüglich der Sozialpolitik völlig irrational? Eines steht fest: Falls wir das ändern wollen, bleibt verdammt viel zu tun.

 

Holger Balodis und Dagmar Hühne betreiben die Website Vorsorgelüge.de, auf der auch der Kommentar erschienen ist. Zuletzt erschien ihr Buch: Rente rauf! So kann es klappen, DVS Verlag, 204 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-932246-98-2).

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