Martin Sonneborn: „Was ist los in diesem Land?“

Martin Sonneborn. Schreenshot von Missverstehen Sie mich richtig-YouTube-Video

Martin Sonneborn im Interview mit Marcel Malachowski: Der nächste Bundeskanzler verrät im krass&konkret-Interview, warum unter allen Spaßparteien seine Partei „DIE PARTEI“ das kleinere Übel ist

 

Der ehemalige TITANIC-Chefredakteur ist Vorsitzender der Partei „DIE PARTEI„, für die er seit 2014 auch im EU-Parlament sitzt. „DIE PARTEI“ gehört mit 57.000 Mitgliedern zu den größeren Parteien in Deutschland und ist mit dem Abgeordneten Marco Bülow (Ex-SPD) auch im Bundestag vertreten.

Entscheidend für Martin Sonneborns späteren und sehr ernsthaften Lebensweg dürfte gewesen sein, dass er in jüngeren Jahren ein katholisches Privatgymnasium besuchte, den Wehrdienst bei der Bundeswehr ableistete und gelernter Versicherungskaufmann ist. Als Journalist und Satiriker arbeitete er unter anderem für den Spiegel und die ZDF-heute show, internationale Bekanntheit erreichte er mit dem FIFA-Skandal. Er ist Träger des Grimme-Preises und sitzt in Brüssel im EU-Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten, auf Twitter hat er fast 320.000 Follower

Wenn Wahlen etwas verändern würden, dann wären sie doch verboten. Warum treten Sie trotzdem wieder an?

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Martin Sonneborn: Aus Spaß. Und Notwehr. Gegen den wahnsinnig inhaltsleeren Wahlkampf. Wenn wir zumindest ein paar Themen einspeisen können, freut uns das.

Mittlerweile gibt es neben dem allzeit lachenden Spaßvogel Armin Laschet ja nun neben der SPD und den Grünen auch neue Spaßparteien wie die Freien Wähler und den III. Weg. Haben Sie keine Angst, dass dadurch die Ernsthaftigkeit in der Politik abhanden kommt?

Martin Sonneborn: Ist die nicht längst abhanden gekommen? Ich sehe Laschet lügen, ich sehe Scholz lügen, ich sehe Baerbock hochstapeln, ich sehe Christian Lindner von der Spaßpartei FDP wirtschaftslibertär schwurbeln, ohne Sinn und Verstand – wo ist da noch Ernsthaftigkeit?

Für vernünftige Menschen ist das Leben bekanntlich zu wichtig, um es ernst zu nehmen. Deshalb mal eine Frage mit human touch, aber ohne Krokodilstränen: Für Politiker wie Heiko Maas-Anzug (falls der Gag zu billig ist, ziehe ich ihn zurück) ist aber nur das eigene Leben wichtig, nicht das von Ortskräften. Welches Verhältnis haben Sie denn zu Mitte und Maas im Leben und in der Außenpolitik?

Martin Sonneborn: Offensichtlich ein etwas kritischeres als viele Mitbürger. Der britische Außenminister wurde gerade entlassen, wegen des „größten außenpolitischen Versagens in einer Generation“; seine niederländische Kollegin Kaag trat nach einem Misstrauensvotum wegen der misslungenen Evakuierung aus Afghanistan zurück. Trotzdem fordert hier niemand mit Mistgabeln bewaffnet den Rücktritt von Heiko Maas. Was ist los in diesem Land? Und was ist mit Andi B. Scheuert und der Knallcharge Julia Klöckner – warum tritt niemand mehr zurück oder wird zurückgetreten?

Wo sehen Sie Deutschland stimmungsmäßig in diesen Tagen vor der Wahl? Einst war Adolf Hitler die moralische Führungsfigur in diesem ach so schönen Land, heute ist es Margot Käßmann. Ist das ein Fortschritt?

Martin Sonneborn: Ja. Ein kleiner schon.

„Baerbock kämpft für einen Kalten Krieg mit Russland“

Weiter zur aktuellen politischen Situation: Um die Klimaziele doch noch zu erreichen, hat das Kabinett gerade beschlossen, die Hartz IV-Sätze nur um 3 Euro zu erhöhen. Damit Arbeitslose weniger CO2-Fleisch essen und auch mal ihren SUV stehen lassen, weil das Benzin nun für sie zu teuer ist … Wäre es in der Denklogik des neuen schwarz-rot-grünen Protestantismus von Fridays for Future nicht folgerichtig gewesen, gleich alle Bezüge zu cancel culturen? Denn Arbeitslose, „römisch dekadent“, wie sie sind laut Guido Westerwelle, kaufen ja nicht mal im teuren Bio-Laden um die Ecke regional und 100% deutschnational, sondern essen nur toxisches amerikanisches Junk Food, um die Welt mit Plastikverpackungen zu vermüllen, damit sie bald untergeht …

Martin Sonneborn: Das ist eine sehr äh… lange Frage. Ich beantworte sie ausweichend dahingehend, dass wir uns für ein Existenzmaximum einsetzen. Wenn wir bei 10 Millionen eine Grenze einziehen und vom superduperreichen 1 Prozent auf die 99 Prozent Unterschicht umverteilen, brauchen wir gar kein Hartz IV mehr. Für SUVs haben wir übrigens eine Abfuck-Prämie im Programm. In Berlin-Kreuzberg: Abfuckelprämie. ZwinkerSmiley.

Nun aber zu Ihren Hauptkonkurrenten, den Grünen: Bei all den schwerwiegenden und gewichtigen Argumenten, die die Grünen immer zu transportieren haben – reicht da von der Erdenschwere her überhaupt ein Lastenfahrrad? Zumal ja in der philosophischen Tradition des deutschen Tiefsinns auch noch das schwermütige Gehirn des Robert Habeck hinzukommt, der die Last der ganzen Welt und des Prenzlauer Bergs auf seinen Schultern trägt …

Martin Sonneborn: Ich sehe da wenig Tradition oder Tiefsinn. Baerbock kämpft für die Übererfüllung der unsittlichen 2-Prozent-Forderung für Aufrüstung, für einen Kalten-Kriegs-Zustand mit Russland und China. Das steht höchstens in der kriegerischen Tradition eines Joschka Fischer.

Haben Sie aber eine Erklärung dafür, warum es in der Corona-Diskussion nur noch um 2G versus 3G geht? Denn heutzutage, wo auch jeder Mann Feministin ist, darf es doch nicht nur darum gehen, dass jemand geimpft, genesen oder getestet ist, um wieder im Restaurant unterbezahlte Kellnerinnen herumscheuchen zu dürfen, es muss doch auch darum gehen, dass jeder gegendert ist? Ist alles außer 4G nicht sexistisch?

Martin Sonneborn: Smiley. Ja.

„Wer überhaupt keine Orientierung hat, wählt ja automatisch Tierschutz“

Auf ein ehrliches Wort: Was ist eigentlich in diesem widerlichen Berlin los? Es ist zwar eine Drecksloch-Stadt, in der es nicht mal einen richtigen Park gibt und jede*r hässliche*r Yuppie-Hipster*in mit Taliban-Bart darf dort hinziehen, seit die DDR-Grenzer es nicht mehr kontrollieren … aber es war auch mal die intelligente und coole Hochburg Ihrer Partei und auch Ihrer schärfsten Konkurrenten von der APPD, die ihre Wahlerfolge und ihr Tagespensum ja in Promille maßen, und der KPD/RZ, in der jüngsten Umfrage des RBB aber geben 3% an, die Tierschutz-Partei wählen zu wollen, was für einen Einzug in die Bezirksparlamente reichen könnte. Ist Menschenschutz dagegen in dieser sogenannten Stadt nicht mehr aktuell?

Martin Sonneborn: Verstehe ich auch nicht. Wir haben extra Tierschutz im Namen – Partei für Arbeit, Rechtsstaat, TIERSCHUTZ, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative – weil der Begriff „Tierschutz“ normalerweise in Wahlen ein, zwei Prozent bringt. Wer überhaupt keine politische Orientierung hat, aber kein schlechter Mensch ist, wählt ja automatisch Tierschutz.

Durch die Gender-Debatte sind viele Missverständnisse in der Bevölkerung entstanden, gar von Spaltung und Umerziehung ist die Rede. Auch in Ihrem Programm ist von einer Gender-Pflicht die Rede … Um weitere Missverständnisse, Unklarheiten und Irritationen zu vermeiden: Wäre es nicht sinnvoll, ganz einfach jedes Wort der deutschen Sprache mit einem Gender-Sternchen zu versehen, egal ob Substantiv, Verb, adjektiv oder Naz*i?

Martin Sonneborn: Zu umständlich. Wir haben da schon die perfekte Lösung im Programm: Gendern wird Pflicht für alle ab Jahrgang 2000, für alle anderen gilt eine 90jährige Übergangspflicht. Außerdem wird allen Beteiligten etwas mehr Toleranz verordnet.

„Schloz ist der beste CDU-Kanzler, den wir haben können“

Wie steht Ihre Partei zur Fußball-WM in Qatar? Toni Kroos hatte ja vor kurzem in einer Presseerklärung bestätigt, dass er die WM boykottieren wird, um mehr Zeit mit seinen Kindern zu verbringen, nachdem er dies Anfang April bereits im Exklusiv-Interview mit den Buchkomplizen von krass&konkret ankündigte …

Martin Sonneborn: Wir werden nicht teilnehmen. Ich habe einen Ruf zu verlieren, weil ich an den korrupten Vorgängen beteiligt war, mit denen der Franz die WM 2006 nach Deutschland geholt hat.

Einige Ihrer Konkurrenzparteien verunglimpfen Sie ja gerne als Spaßpartei: Dabei haben Sie doch durchaus realistische Vorschläge zur Sozialpolitik wie das Grundeinkommen, um die Armut abzuschaffen und ein Leben in Würde für alle Menschen zu gewährleisten?

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Martin Sonneborn: Sie spielen auf die Forderung „Wirecard für alle!“ an?

Genau! Aber alle, außer für Olaf Scholz …

Martin Sonneborn: Ja, Menschen ohne Einkommen und Vermögen können damit bezahlen, was immer sie wollen. Wir finanzieren das Projekt durch Rücklagen, die selbstverständlich nicht existieren. Das geht, denn Bilanzkontrolle durch Bundesbehörden findet nicht statt.

Um den schlimmsten Fall der Fälle anzunehmen: Falls Sie die absolute Mehrheit trotz Gottes Glaube knapp verfehlen oder überraschend nicht Bundeskanzler werden, weil Christian Lindner wieder im letzten Moment die Koalitionsgespräche auch mit Ihrer Partei abbricht, wer wird dann anstatt Ihnen Bundeskanzler? Und wird Rot-Rot-Grün den Sozialismus einführen?

Martin Sonneborn: Ich habe mir mal das kommunistische Schreckensregime näher angesehen, das Bodo Ramelow in Thüringen führt. Der Pförtner der Staatskanzlei hat mir erzählt, dass Ramelow der erste Regierungschef sei, der ihm morgens die Hand geschüttelt hat und gefragt hat, wie es ihm geht. Die Gefahr in Rot-Rot-Grün geht ja nicht von Links aus, sondern von Schloz. Schloz ist der beste CDU-Kanzler, den wir haben können.

Und Frau Baerbock hat ja brutalstmögliche Selbstkritik wieder en vogue gemacht. Ihre Partei hat ja viele gute Vorschläge im Programm. Aber welcher ist Ihr schlechtester? Und welcher hat es nur wegen politischer Korrektheit oder irgendeiner Quote reingeschafft?

Martin Sonneborn: Der schlechteste ist sicherlich unser Vorschlag zum Thema Klima: „Die Erderwärmung darf auf keinen Fall höher als 1,5° Celsius/Jahr ausfallen. Dafür wird die PARTEI alle relevanten Wirtschaftszweige auffordern, eine Selbstverpflichtung im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten zu erwägen.“

Aber der ist immer noch radikaler als alles, was die Parteien der Groko Haram und der Grünen fordern. Die wirklich brutalen Sachen verkünden wir natürlich erst nach der Wahl: Schrumpfung des BIP auf sozial- und umweltverträgliche 50%! Wir werden vieles verbieten: Inlandsflüge, überhaupt: sinnloses Herumreisen, den Besitz von mehr als zwei Wohnungen, fette Koteletts… Wir sind eine absolute Verbotspartei, die Leute werden sich umschauen.

Glauben Sie wirklich, dass die Idiotendichte eine nationale Größe ist?

Nach dem deutschen Debakel bei der WM, bei Olympia, bei der Digitalisierung, im Katastrophenschutz, in der Corona-Politik, in Afghanistan: Ist es nicht endlich an der Zeit, das Diktum Chlodwig Poths umzusetzen und dieses merkwürdige Deutschland unumkehrbar aufzulösen? Muss der „Große Bevölkerungsaustausch“, den die Neue Rechte und andere Alu-Hüte als Schreckensszenario ersannen, nicht schnellstmöglich forciert werden? Die Reichsbürger und Selbstverwalter haben ja immerhin schon ihre eigenen Staaten und Königreiche und auch Pegida-Bachmann, NPD-Holger Apfel und Attila Hildman haben ja schon mit der Umsetzung begonnen durch ihre Auswanderungen auf die Kanaren, auf Mallorcas Schinkenstraße oder in die lupenreine Veganokratie Türkei …

Martin Sonneborn: Glauben Sie wirklich, dass die Idiotendichte eine nationale Größe ist?

Ja. Aber mit regionalen Einschränkungen. Aber nun mal Ernst beiseite: Was ist eigentlich Ihr Fazit nach soviel Jahren im EU-Parlament? Und ist Brüssel bürgernaher geworden?

Martin Sonneborn: Mein Fazit fällt leider jeden Jahr betrüblicher aus. Ich habe letzte Woche eine Rede zum „State of the Union“ gehalten, da ist eigentlich alles gesagt.

Außer der Tatsache, dass von der Leyen schon wieder ihre Handy-Daten gelöscht hat. Die EU-Bürgerbeauftragte O’Reilly forderte die Herausgabe der SMS, die von der Leyen mit Pfizer-Chef Bourla ausgetauscht hat. Es geht um (bis zu) 36 Milliarden Euro. Und jetzt raten Sie doch mal, was passiert ist …

1 Kommentar zu Martin Sonneborn: „Was ist los in diesem Land?“

  • Gandios wie Martin Sonneborn so viele politische Fakten satirisch auf den Punkt bringt. Die politische Realität ist manchmal nur noch mit Satiere zu ertragen. Bitte weiter so! Wir brauchen dringend wieder mehr Ernsthaftigkeit in der Politik(zwinkersmilie)

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