Mit 2 Prozent seines Vermögens könnte Bezos 42 Millionen vor dem Verhungern retten

Mütter mit Kindern an einer mobilen, vom WFP unterstützten Ernährungskinik in Herat. Bild: WFP/Marco Di Lauro

David Beasley von der Welthungerhilfe (WFP) hat gerade ins Spiel gebracht, dass wenige Ultrareiche mit einem Bruchteil ihres Vermögens den Hunger in der Welt bekämpfen könnten – es aber nicht machen.

Die Superreichen können mit ihrem Vermögen Einfluss auf die Politik nehmen, sie wären aber auch so reich, dass sie mit ihrem Vermögen massiv in die Gesellschaften zum Besseren eingreifen können, ohne deswegen zu armen Kirchenmäusen zu werden. Das würde allerdings strukturell nichts ändern, aber kurzfristig die Lebensbedingungen der Ärmsten verbessern können. Die Frage ist, warum die Superreichen so geizig sind und bleiben – und zusehen, wie Menschen verhungern und leiden, während sie auf Geldbergen hocken, die sie niemals für ihr persönliches Wohlergehen ausgeben können?

David Beasley von der Welthungerhilfe (WFP) hat gerade ins Spiel gebracht, dass wenige Ultrareiche mit einem Bruchteil ihres Vermögens den Hunger in der Welt bekämpfen könnten. Beasley rief nicht zur Revolution oder zu Enteignung auf, aber forderte in einem CNN-Interview die Milliardäre auf, nun einmal und zumindest einmalig anzutreten und etwas für das globale Gemeinwohl zu leisten: „6 Milliarden US-Dollar reichen, um 42 Millionen Menschen zu helfen, die sterben werden, wenn wir sie nicht erreichen. Das ist nicht kompliziert.“

Die Reichen sitzen am sicheren Ufer wie Zuschauer eines Schiffsunglücks. Obgleich ihr Reichtum auch damit zusammenhängt, dass viele Menschen in Armut leben, sehen sie sich ganz offensichtlich nicht betroffen und halten sich verdient so reich. Geben tun sie nur, wenn sie selbst etwas davon haben, genommen wird bei jeder Gelegenheit, die sich anbietet. Dabei herrscht sowieso das Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben.

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Beasley sprach vor allem im Hinblick auf zwei Superreiche, Elon Musk und Jeff Bezos, die sich lieber im Weltraum bekämpfen, als das Leben der Menschen auf der Erde zu verbessern. Wenn Beasley von 6 Milliarden spricht, dann sind das gerade einmal 2 Prozent des Vermögens von Musk, das auf fast 290 Milliarden geschätzt wird.

Die Milliardäre haben während der Pandemie ihr Vermögen verdoppelt und sind jetzt über 5 Billionen schwer. Wenn die US-Milliardäre nur 0,36 Prozent ihres Vermögenszuwachses für die Hilfe von Menschen, die vom Verhungern bedroht sind, aufwenden würden, wäre schon etwas gewonnen. Aber man sitzt auf dem Geldbeutel und versucht, die Milliarden zu vermehren, anstatt mit ihnen etwas Sinnvolles zu machen, was nicht unbedingt gleich wieder Profit abwirft, wie die Bewerbung des Impfens.

Nach den Vereinten Nationen ist absehbar, dass Afghanistan, vielmehr die afghanischen Menschen abstürzen. Die Hälfte könnte demnächst hungern und verhungern, ihnen nützen Teslas, Weltraumtourismus und Co. nichts, während die kapitalistischen Strukturen Tod und Krankheiten in Kauf  nehmen.

4 Kommentare zu Mit 2 Prozent seines Vermögens könnte Bezos 42 Millionen vor dem Verhungern retten

  • Für den Fall das jemand sich beleidigt fühlt, so bitte ich jetzt schon um Entschuldigung. Es geht mir um die Sache und nicht die Personen.
    Es ist immer wieder „toll“ wenn moralisch an Systemische Widersprüche herangegangen wird. Wären denn die Ausbeuter bessere Menschen wenn sie 2% von ihrem Vermögen weggeben? Wieso soll das zum besseren sein. Leben sie nicht von der Arbeitskraft der Menschen die Ihre Arbeitskraft verkaufen müssen? Da sie Weltweit agieren können ist die Konkurrenz der Arbeitskraftbesitzer überaus hoch. Die Lebensbedingungen wären nicht verbessert, sie würden nur nicht mehr verhungern.
    Auch sind die Superreichen nicht geizig, es ist eine Systemische Struktur der sie nachkommen müssen. Hierzu sei der „tendenzielle Fall der Profirate“ angeführt. https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_des_tendenziellen_Falls_der_Profitrate

    Oder geht der Autor davon aus das Geld wie bei Dagobert gehortet wird um zu baden? Die Reichen geben doch, siehe Bill Gates etc.
    Wieso soll die Kapitalistische Produktionsweise als was Gutes dargestellt werden, schlecht sind nur die Akteure, die rücken vom Geld nichts raus.
    Das Volk klatsch Beifall zu Elon Musk in Brandenburg. Er hat was fürs Volk gemacht Arbeitsplätze geschaffen. Dafür verbraucht er das ganze Wasser und hat Subventionen ohne Ende bekommen und immer noch keine Baugenehmigung. Als wenn Putin das organisiert hätte.
    Was ist mit dem ganzen Geld das für Masken und Impfstoffe ausgegeben worden ist? Warum muss das erst durch die Taschen des Kapitals um dann dem nicht Kapital der Moral zu bezichtigen.
    42 Millionen soll geholfen werden 65 Millionen sollen auf der Flucht sein.
    Das Beste zum Schluss,die guten Staaten beschließen Sanktionen damit es dem Volk richtig dreckig geht und sie dann Ihre Regierung stürzen. Es geht um Interessen nicht um Moral.

    Antwort
    • Der Hinweis auf das systemische Problem ist hier wie an vielen anderen Stellen sicher berechtigt. Die gedankliche Trennung des „Systems“ von dem „Profiteuren“ führt aber nicht weiter. Außerdem sollte man nicht übersehen von wem welche Aussagen in welchem Kontext gemacht werden.

      Mr. Beasley hat sicher eine ganz spezielle Sicht auf das Problem der Verhungernden in der ganzen Welt. Wenn so jemand sieht wie sich einzelne Personen feiern lassen weil sie so sinnvolle Dinge tun wie sich bei ihren ausgebeuteten Angestellten dafür zu bedanken das diese es ermöglicht haben das sie ins Weltall fliegen konnten kann ich schon verstehen das da eine Rechnung aufgemacht wird wie viele Verhungernde dadurch hätten gerettet werden können.

      Alleine das Geld würde nicht nachhaltig helfen das ist schon richtig. Das führt dann aber auch direkt zu der Frage was denn die Ursachen dafür sind das diese Menschen verhungern. Im Detail und Einzelfall ist diese Frage komplex und oft schwer bis gar nicht beantwortbar. Tritt man aber einen Schritt zurück und betrachtet das Ganze von etwas weiter weg kommt man (wie sie ja auch) zu dem Ergebnis das hier weitere Opfer eines unmenschlichen Systems sind.

      Wer erhält jetzt aber dieses System und wie wird es erhalten. Das sind genau die Menschen die hier aufgefordert werden etwas für die Verhungernden zu tun. Und die Antwort auf das wie, durch die Macht die ihnen das Kapital bringt. Diesen Zustand aber zu verändern ist schwierig. Ein Thema woran sich viele Menschen lange schon die Zähne ausbeißen. Weil er das weiss fordert Herr Beasley keine Enteignung.

      Aber einmal Abstrakt gesprochen, mit der Kenntnis das sich so etwas in unserem Rechtssystem nicht durchsetzen lässt. Eine Enteignung der Verantwortlichen für die Ausbeutung, welche in letzter Instanz zu den Verhungernden führ. Und eine Verteilung diese Mittel unter den Geschädigten nach Bedarf. Das würde zum einen die Machtbasis der Verantwortlichen zerstören und den Opfern einen Start ermöglichen.

      Und leider die Welt auch nicht perfekt machen, ja ja…

      Mit lieben Gruß
      Georg

      Antwort
  • Hallo Georg,
    Danke für deine Gedanken.
    ich meine schon das es wichtig ist und weiterführt zu sagen das es am System liegt und das zu belegen. Alles andere ist Moralische.( Moral ist Aktion gesetzte Machtlosigkeit. K.M.)
    Was Moral bringt kann auch bei dem Klatschen für Krankenhauspersonal gesehen werden. Wer geht den für klatschen arbeiten? Bei Benzo und dem Weltraumprogramm ist mir lieber die Menschen sehen wie hoch die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft ist und nicht was die Ausbeuter damit treiben.
    Wie wird über die Bauern gejammert, was die treiben ist nicht privates wollen, sondern systemische Notwendigkeit. https://igbau.de/Binaries/Binary16991/2021-InitiativeFaireLandarbeit-Saisonarbeitsbericht.pdf
    Sicher ist nicht immer mit der Weltrevolution zu argumentieren, dennoch sollte deutlich werden woran es krankt. Der Feudalismus ist nicht ersetzt worden weil er die Menschen nicht satt gemacht hat.
    beste Grüße
    Peter

    Antwort
    • Hallo Peter,

      danke deine Hinweis auf http://mlwerke.de/me/me02/me02_172.htm#VIII3 S. 213.
      Ich bin nicht so belesen in Marx Werk. Ich halte diese Aussage sogar für nicht stark genug. Ich würde sogar behaupten: Moral ist die Ablenkung vom Unwillen zu wirklicher Veränderung.

      Aber der Hinweis auf die moralische Implikation durch einen Dritten kann doch auch Ursprung von Empörung, ja sogar Zorn sein. Und sind am Ende nicht allein Empörung und Zorn der Massen das was ein System verändern kann? Das schwierige daran ist, den Zorn gegen das System und nicht gegen die Person zu lenken. Hier kommen wir zu der, von mir ja auch geteilten Auffassung, das auf die systemische Natur des Problems immer wieder hingewiesen werden muss. Das ist es was ich meine wenn ich sage das System von den Profiteuren zu trennen bringt einen nicht weiter.

      Ich glaube das die Antriebsfeder für jede Systemänderung nur im Zorn über die Profiteure liegen kann, alles andere ist einfach zu abstrakt. Daher freue ich mich auch über solche Beiträge.

      lieben Gruß
      Georg

      Antwort

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