No Future: Kein Kinderwunsch, aber was ist der Grund?

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Kein Kinderwunsch: Nach einer Umfrage in den USA, sagen die meisten, sie wollen einfach keine Kinder oder keine mehr, angeführt werden auch medizinische oder finanzielle Gründe, aber vermutlich geht die Verunsicherung tiefer.

Wir schauen nun wirklich in eine schwarze Zukunft, was Klimaerwärmung und Umweltzerstörung angeht. Wir befinden uns wieder in einem Wettrüsten und einem Kalten Krieg, der aber schnell in Gewalt umschlagen kann, zumal mit drei Großmächten und der EU und einigen Staaten mit unvorhersehbarem Verhalten die Situation viel komplexer geworden ist. Dazu kommen fernsteuerbare und bald autonome Waffensysteme, die einen künftigen Konflikt viel wahrscheinlicher machen. Und die Tendenz zu wachsendem Wohlstand ist auch in den reichen Ländern für die meisten Menschen gebrochen, in den Gesellschaften vertieft sich, verstärkt durch die Corona-Krise, die Spaltung, was die Stimmung aufheizt. Wer kurz nachdenkt, wird sich ernsthaft überlegen, jetzt noch ein neues Menschenleben in diese Welt zu setzen, die deutlich weniger an positiver Zukunft bietet, wie dies vor Jahrzehnten der Fall war, als auch bereits ähnliche Gedanken aufkamen.

Kein Kinderwunsch, aber warum?

Eine Pew-Umfrage unter Amerikanern bestätigt, dass immer mehr Menschen davor zurückscheuen, die Verantwortung für Kinder übernehmen zu wollen, die eher einer dystopischen Zukunft entgegensehen könnten. Die Corona-Krise hat den Trend verstärkt, der schon zuvor eingesetzt hat. 2019 wurde bereits ein Rekordrückgang der Fertilität festgestellt, die seit den 1960ern nach unten ging. In den USA und in anderen Ländern sank die Geburtenrate durch Corona. Offenbar gab es hier keinen Tanz auf dem Vulkan, sondern einen wachsenden Zweifel.

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Von den kinderlosen Menschen zwischen 18 und 49 Jahren sagen 44 Prozent, es sei nicht sehr oder überhaupt nicht wahrscheinlich, dass sie Kinder haben werden. 7 Prozent mehr als in einer Umfrage 2018. Und 74 Prozent der Unter-50-Jährigen, die bereits Kinder haben, sagen, es sei unwahrscheinlich, das sie weitere Kinder bekommen. Das war allerdings gegenüber 2018 unverändert.

56 Prozent der kinderlosen Frauen und Männer geben als Grund an, keinen Kinderwunsch zu haben, dass sie einfach keine Kinder wollen. Andere Gründe sind medizinische und finanzielle, keinen Partner, Alter, erst dann werden Zustand der Welt (9%) oder Klimaveränderung (5%) angeführt. 19 Prozent gaben keine Antwort an, 12 Prozent andere. Von den Eltern unter 50 Jahren begründen auch 63 Prozent, dass sie keine Kinder mehr wollen, weil sie dies nicht wollen, worin sich viel verstecken kann. Als weitere Gründe werden Alter, medizinische und finanzielle Gründe genannt, nur 4 Prozent geben den Zustand der Welt an.

Das würde bedeuten, dass den Menschen die Klimaerwärmung und der Zustand der Welt mehrheitlich ziemlich egal sind. Es scheinen eher individuelle, vielleicht auch egoistische Gründe zu sein, keine Kinder oder keine mehr zu wollen. Aber hinter der Ablehnung, weitere Kinder oder überhaupt Kinder zu wollen, dürfte doch eine Wahrnehmung oder ein Gefühl für die gegenwärtige Situation und die düsteren oder ungewissen Aussichten liegen. Das mag man wahrscheinlich auch für sich selbst nicht wirklich eingestehen, die Ausblendung des Negativen, beispielsweise von im Alter zu erwartenden Krankheiten und des sicher kommenden Todes, bewahrt einen auch ja auch vor Panik und Depression. Lieber werden dann Gründe vorgeschoben, die rational klingen, beispielsweise finanzielle Ungewissheit. Bei den medizinischen Gründen weiß man nicht, was damit gemeint ist: Unsicherheit, ob die Kinder gesund sein werden, ob die Mutter Schwangerschaft und Geburt gut überstehen wird oder ob hier vielleicht Ängste vor drohenden Krankheiten wie Covid-19 eine Rolle spielen.

Jedenfalls geht die Geburtenrate in der Welt nach einem Hoch in den sechziger Jahren kontinuierlich zurück. In Deutschland ist sie kurz einmal zwischen 2014 und 2016 ein bisschen angestiegen, um dann wieder nach unten zu gehen. Man hat das bislang etwa mit wachsendem Wohlstand und besseren Möglichkeiten der Schwangerschaftsverhütung wie der Pille erklärt. Aber im Hintergrund dürfte doch auch ein wachsendes Gefühl für No Future stehen, das sich auch mit dem wild gewordenen Kapitalismus des Neoliberalismus verstärkt hat, der mit kurzfristigen und egoistischen Gewinnversprechen und der Erwartung, dass es der Markt schon regeln wird, langfristige Planungen und Gewissheiten über Bord geworfen hat.

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