Propagandakampf um die Rettung von Zivilisten aus Asovstal

Asow-Kämpfer helfen Zivilisten, die Bunker von Asovstal zu verlassen. Irgendwie erinnern die Bilder an die der Weißen Helme.

Die ukrainische Regierung beansprucht, sie habe die Zivilisten „gerettet“. Ohne Mithiolfe Russlands wäre dies aber nicht möglich gewesen. Russland hat auch Zivilisten aus Asovstal „gerettet“. Wer hat die Flucht verhindert?

 

Gestern brüstete sich der ukrainische Präsident Selenskij, den Beginn der Evakuierung von Zivilisten aus den Tunnels des Stahlwerks Asovstal in Mariupol eingeleitet zu haben, wo sich ukrainische Soldaten und Asow-Kämpfer verschanzt haben. Russland hatte allerdings schon länger humanitäre Korridore für die Zivilisten angeboten, aber auch für die Soldaten, sich gegen Garantie für das Leben und medizinische Versorgung der Verwundeten zu ergeben.

Russlands Interesse musste es sein, dass die Zivilisten die Bunker verlassen können, um massiv zuschlagen zu können, sollten die eingekesselten ukrainischen und ausländischen Soldaten sich nicht ergeben. Das Interesse von diesen und der ukrainischen Regierung war es, die Evakuierung der Zivilisten mit der der Soldaten und Verwundeten zu verbinden. Die „Helden von Mariupol“ dürfen sich nicht ergeben, zumal Russland angedroht hat, die Asow-Kämpfer nicht als Kombattanten zu behandeln, sondern sie, wenn ihnen Verbrechen nachgewiesen werden können, vor Gericht zu stellen.

Nachdem UN-Generalsekretär Guterres Putin und Selenskij besucht hatte, kam Bewegung in verfahrene Situation. Vermutlich musste die Asow-Führung erkennen, dass Zivilisten, zumindest einige, evakuiert werden müssen, um den Vorwurf nicht zu verstärken, dass diese als menschliche Schutzschilde festgehalten werden.

Nachdem einige Zivilisten aus Asovstal das Gelände verlassen konnten oder durften, berichteten sie russischen Medien, sie seien festgehalten und nicht über die von Russland eingerichteten humanitären Korridore informiert worden. Kiew und Moskau erlaubten die Mitwirkung des Internationalen Roten Kreuzes und der Vereinten Nationen bei der Evakuierung. Gestern nun halfen demonstrativ Asow-Kämpfer Zivilisten aus den Bunkern herauszukommen und zu den Bussen zu kommen, die Richtung Saporischschja fuhren. Es soll sich um etwa 100 Zivilisten handeln, die offenbar ungehindert dorthin evakuiert werden konnten.

Die ukrainische Regierung versucht, so Vize-Ministerpräsidentin Irina Vereshchuk, die Evakuierung der Zivilisten, die „gezwungen“ waren, „mehr als 50 Tage ohne Nahrung, ohne Wasser, ohne Kommunikation unter den Trümmern zu leben“,  als deren „Rettung“ durch sie und Asow darzustellen. Dass die Eingeschlossenen und womöglich Festgehaltenen 50 Tage ohne Wasser überlebt haben sollen, deutet schon auf Propaganda hin. Selenskij schrieb die Rettung auch der ukrainischen Regierung zu, ohne die Russen hätte es freilich keinen Waffenstillstand und keinen Konvoi gegeben.

Man muss allerdings wohl annehmen, dass Asow die Zivilisten nun ziehen ließ, weil es nicht mehr anders möglich war, nachdem Rotes Kreuz und Vereinte Nationen mit in die Öffnung von humanitären Korridoren und der Organisation von Konvois involviert waren. Keine Seite konnte sich leisten, das Feuer zu eröffnen. Allerdings wurden nur wenige Zivilisten aus den Bunkern gelassen. Wenn es stimmt, dass sich dort um die tausend Zivilisten, vor allem Frauen und Kinder, aufhalten sollen, dann schützt man sich weiterhin mit diesen – wahrscheinlich sind die Verbleibenden zum großen Teil Familienangehörige. Wie viele es sind, ist unbekannt.

Von russischer Seite wird gemeldet, dass bislang insgesamt 80 Zivilisten aus Asovstal evakuiert worden seien – Richtung von Russland kontrolliertem Territorium, nämlich nach Bezymennoje oder Novoazovsk in der „Volksrepublik Donezk“, auf Videos ist zu sehen, dass hier auch Mitarbeiter des Roten Kreuzes mitwirken. Am Freitag habe sich eine dreiköpfige Familie, am Sonntag mehr als 40 Zivilisten retten können.

Interessant wird jetzt sein, was die in die Ukraine  und die nach Russland verbrachten Menschen berichten werden. Gegenüber russischen Medien sagten Evakuierte, dass sie festgehalten und nicht über die humanitären Korridore informiert worden seien. Man kann annehmen, dass die nach Saporischschja Evakuierten anderes berichten werden. Wer wird den Propagandakampf gewinnen? Zu vermuten steht, dass die Informationsblasen weiterhin gegenseitig abgeschlossen bleiben.

11 Kommentare zu Propagandakampf um die Rettung von Zivilisten aus Asovstal

  • >Dass die Eingeschlossenen und womöglich Festgehaltenen 50 Tage ohne Wasser überlebt haben sollen, deutet schon auf Propaganda hin

    Ja, 3×3’er Survival-Regel

    Man überlebt:
    3 Minuten ohne Luft
    3 Tage ohne Wasser
    3 Wochen ohne Nahrung

    Antwort
  • Immerhin erfreulich, dass mindestens 80 Menschen herausgelassen wurden oder flüchten konnten. Die in den westlichen Mainstream-Medien Berichtenden vollführen sprachliche Kapriolen, um den simplen Umstand, dass diese Menschen und ihre noch nicht entkommenen Leidensgenossen von den Asow-Faschisten als menschliche Schutzschilde missbraucht wurden bzw. immer noch werden.

    Antwort
  • Die mediale Aufmerksamkeit, die heute den eingesperrten Zivilisten im Asowstal zuteil wird, dient sehr stark propagandistischen Effekten.
    Eine der Ursachen dieses Disasters jährt sich heute zum achten Male. Am 2.5.2014 kesselten Asowhorden im Gewerkschaftshaus von Odessa mehr als 200 Zivilisten ein und zündeten das Gebäude an, sodass Dutzende sogar vor laufenden Kameras am lebendigen Leibe verbrannten. – Das wird heute weiterhin von der freien Presse des Westens „beschwiegen“.
    Den Russen ist, und bleibt das aber gegenwärtig.

    Antwort
  • Was ich für sehr gut halte ist das das Rote Kreuz und die UN an dem Prozess beteiligt sind. So wird die Propaganda immer schwieriger. Wobei hier nicht vergessen werden darf, dass die Organisationen auch Interessen vertreten.

    Antwort
  • Ich frage mich, ob es wirklich das vorrangige Interesse der Russen ist nach der Evakuierung der Zivilisten ‚massiv zuzuschlagen‘. Ich glaube, dass sie viel eher daran interessiert sind, möglichst viele Gefangene zu nehmen. Nach (bisher unbestätigten) Gerüchten sollen sich ja in Asovstal auch ausländische Söldner und sogar recht hohe NATO-Leute befinden. Denen könnte man dann einen Prozess machen, Videos veröffentlichen und so die westliche Propaganda herausfordern und diese Leute auch als Druckmittel benutzen. Abgesehen davon ist ja auch noch offen, was sich da unterirdisch alles so befindet – von den Zivilisten mal abgesehen.

    Ich glaube mich zu erinnern, dass die Russen bereits sehr früh gesagt haben, dass sie die Nazi-Rädelsführer vor Gericht stellen, das Fußvolk aber ohne weiteres ’neutralisieren‘ werden.

    Antwort
  • Es gab vor Jahren den Begriff „Lügenpresse“ und das ist identisch mit „Mainstream-Medien“. Ich Frage mich manchmal, ob die Mitarbeiter dieser Medien sich mindestens beschissen fühlen. Ich denke die sind sich über die Lügengeschichten nicht bewusst. Manchmal beginne ich diese Personen zu bedauern.

    Antwort
  • „Man kann annehmen, dass die nach Saporischschja Evakuierten anderes berichten werden.“

    Ja, man darf. Es wäre sehr ungeschickt, um nicht zu sagen lebensgefährlich aktuell irgendwas anzudeuten, was dem ukrainischen Narrativ widerspricht. Und bei den Russen wird es wahrscheinlich nur wenig anders aussehen.

    Antwort
  • Die Gerüchte verdichten sich, daß der kanadische Generalleutnant Trevor Cadieu bei einem Fluchtversuch aus dem Werk festgenommen worden sein soll. Wie zuverlässig die Quellen sind, vermag ich nicht zu beurteilen, deshalb ohne Gewähr:

    Das erschien bereits am 28.4.:

    „Canadian Lieutenant General and Chief of Bioweapon Lab Trevor Cadieu was captured by Russia while trying to flee Azovstal factory in Mariupol“

    https://expmx.com/2022/04/28/canadian-lieutenant-general-and-chief-of-bioweapon-lab-trevor-cadieu-was-captured-by-russia-while-trying-to-flee-azovstal-factory-in-mariupol/

    Gestern berichtete https://vz.ru/news/2022/5/2/1156659.html daüber

    Und das erschien heute:

    https://cont.ws/@SonOfCont/2276902

    Neben dem angeblichen Fluchtversuch und der Festnahme wird behauptet, der Mann sei für ein Biolab im Werk verantwortlich gewesen. Man habe ihn nach Moskau gebracht.

    Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Nachricht nicht offiziell bestätigt worden sei.

    Eine weitere Quelle von heute:

    „Bestätigt!!! Generalleutnant Trevor Cadier. Kanada. Verhaftet bei dem Versuch, durch ein zentrales Abwasserrohr in Azovstal zu entkommen. Er war Leiter des Labors 18, das mit tödlichen Viren wie Ebola oder Nipah arbeitete. Er wird nach Moskau reisen, wo er verurteilt wird.“

    https://cont.ws/@id54073678/2276850

    Video dazu: https://www.youtube.com/watch?v=Ajdc4cRaB3c

    Antwort
  • Schon mal auf die Idee gekommen das die eingeschlossenen Zivilisten nicht nach Osten wollten, sondern tatsächlich ausgeharrt haben um nach Westen evakuiert zu werden. Immerhin sollen es ja heute in Summe schon mehr als 250 an zwei Tagen sein, was gegen über den 80 von den Russen evakuierten Zivilisten doch erheblich mehr sind. Und wie schon im Artikel beschrieben, konnten sich bei massiver Beteiligung von UN und Rotkreuz auch die Russen nicht leisten den Korridor gen Westen zu beschießen.

    Und Klar: Natürlich gab es Biowaffenlabore im Werk, was sonst, genauso wie die rollenden Labore des Saddam.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.