Saudi-Arabien und 9/11

„We never forget.“ Fragt sich nur was. Bild: Weißes Haus

Die Biden-Regierung hat ein erstes Geheimdokument des FBI über die Encore-Untersuchung des FBI zur Verwicklung Saudi-Arabiens in die 9/11-Anschläge freigegeben – vielfach geschwärzt, aber doch eine Bestätigung, dass es da mehr gibt, als bislang bekannt ist.

Auf Anordnung von US-Präsident Joe Biden wurde das erste bislang geheime Dokument des FBI über die Encore- Nachforschungen zur Verwicklung von Saudi-Arabien in die Planung und Ausführung der 9/11-Anschläge aus dem Jahr 2016 veröffentlicht. Biden war von Opferangehörigen, Überlebenden und Rettungskräften unter Druck gesetzt worden, die drohten, gegen seine Teilnahme den 9/11-Feierlichkeiten zu protestieren, wenn er nicht Dokumente freigibt.

Biden hatte bereits darauf hingewiesen, dass bei der Freigabe auf die nationale Sicherheit Rücksicht genommen werden müsse. Am Samstag konnte er aufgrund seiner Anordnung an allen Veranstaltungen teilnehmen, wie zu erwarten war, blieben aber große Teile des 16-seitigen Berichts geschwärzt, der sicherheitshalber nach den Zeremonien veröffentlicht wurde.

Der Verdacht, dass die saudische Regierung in die Anschläge verwickelt war, besteht seit Beginn an – schließlich waren 15 der 19 Attentäter Saudis – und wurde verstärkt, nachdem 28 Seiten des Berichts der 9/11-Kommission, die Saudi-Arabien betreffen, unter Verschluss blieben. 2016 wurden die Seiten dann vielfach geschwärzt freigegeben. Sie bestätigten den Verdacht, dass es Treffen zwischen saudischen Regierungsangehörigen und den 9/11-Attentätern gab, aber Beweise wurden auch dank der Schwärzungen nicht geliefert. Die offizielle Schlussfolgerung, man habe keine Beweise für eine Beteiligung der saudischen Regierung gefunden, lässt das Türchen offen, dass es eine solche doch gegeben haben könnte.

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Aus dem FBI-Dokument geht etwa hervor, was man allerdings schon wusste, dass ein nicht namentlich genannter Saudi (PII), der einen Antrag auf amerikanische Staatsbürgerschaft gestellt hat (vermutlich handelt es sich um Mussaed Ahmed al-Jarrah), im saudischen Konsulat in Los Angeles gearbeitet hat. In einer Befragung 2015 kam heraus, dass er in Kontakt mit Menschen stand, die zwei Attentätern „signifikante logistische Hilfe“ gewährt hatten. Dazu gehörte neben Fahad al-Thumairy Omar al-Bayoumi, der vermutlich ein saudischer Geheimdienstagent war und Nawaf al Hazmi und Khalid al Mihdhar finanziell unterstützt hatte. Zudem gibt es Hinweise auf eine Reihe anderer Saudis, die in Kontakt mit al-Qaida-Mitgliedern oder Omar Abdel Rahman, der schon 1993 hinter einem Bombenanschlag auf das WTC stand.

Für die Gruppe der Familienangehörigen und Überlebenden, die vor einem amerikanischen Prozess die saudische Regierung wegen Mittäterschaft angeklagt haben, liefert der FBI-Bericht trotz der vielen Schwärzungen den Beweis für die saudische Komplizenschaft. Zahlreiche saudische Regierungsmitarbeiter hätten koordiniert ein wichtiges Unterstützungsnetzwerk für die beiden Attentäter organisiert.

Der veröffentlichte Bericht wurde erwartungsgemäß so eingeschwärzt, dass aus ihm nicht wirkliche Beweise für eine Komplizenschaft der saudischen Regierung hervorgeht. Obgleich die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den USA schon lange prekär sind, wollen es sich die USA nicht leisten, Saudi-Arabien geopolitisch als Partner und vor allem als Handelspartner zu verlieren. Dass die saudische Regierung direkt ihre Hände im Spiel hatte, dürfte auch kaum nachzuweisen sein, zu vermuten ist aber schon, dass Saudi-Arabien, das damals auch das Taliban-Regime diplomatisch anerkannte, das al-Qaida Unterschlupf gewährte, ein Interesse daran hatte, die USA, die sich geopolitisch weg vom Nahen Osten auf China umorientierten, wieder an die Region zu binden. Es ist nicht zu erwarten, dass die US-Regierung, wie immer sie kritisch zu Saudi-Arabien steht, einen Beweis für dessen Beteiligung an 9/11 liefern wird. Allerdings beginnt die Biden-Regierung, die ebenfalls auf Anti-China-Kurs ist, sich mit deutlichen Zeichen aus der Region zurückzuziehen (9/11, Saudi-Arabien und die USA).

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