Scholz ist die neue Merkel

Grafik: Bundestagswahl 2021
Bild: Tim Reckmann/CCnull.de/CC BY-2.0

Im DeutschlandTrend bestätigt sich, dass Scholz wirklich Kanzlerkandidat werden könnte, Union und Grüne fallen weiter zurück. Die Linke ist in Schockstarre, eine Ampel-Koalition wird wahrscheinlich. Gute Aussichten?

Damit hatte eigentlich niemand wirklich gerechnet, dass die SPD im Schatten von Olaf Scholz doch noch die Möglichkeit haben könnte, den Kanzlerkandidaten zu stellen. Offenbar haben seine beiden Konkurrenten, Armin Laschet und Annalena Baerbock, die Chance vertan. Jetzt setzen immer weniger auf die Loser der Umfragen, während der prognostizierte Gewinner zulegt. Ist das die Weisheit der Massenn.

 

Im aktuellen DeutschlandTrend stürzt die Union rabiat ab, seit der letzten Umfrage um 7 Punkte auf 20 Prozent, ebensoviel legt die SPD zu und kommt nun auf 25 Prozent. Eine deutliche Mehrheit. Die Grünen verlieren 3 Punkte und erreichen nur noch 16 Prozent, während die Gewinner des Unionsabsturzes, also die FDP um einen Punkt auf 13 und die AfD gleich um 2 Punkte auf 12 Prozent wächst. Außerhalb des Spielfelds stehen die Linken, die offenbar eine treue Wählerschaft haben, aber mit 6 Prozent noch immer fürchten müssen, womöglich gar nicht in den Bundestag einzuziehen.

Nach den Ergebnissen reicht es nicht für eine Wiederholung der großen Koalition unter der SPD, auch Rot-Rot-Grün wäre nicht möglich. Die Union könnte mit Grünen und FDP oder die SPD mit Grünen und FDP koalieren. Bei den Befragten ist der Wunsch nach einer SPD-geführten Koalition höher als der nach einer von der Union geführten.

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Langweiler Olaf Scholz ist das Zugpferd für die SPD. Wenn die Deutschen den Bundeskanzler direkt wählen könnten, würden dies 46 Prozent für Scholz machen, aber nur 16 Prozent für Laschet und 13 Prozent für Baerbock. 29 Prozent sind sich noch unsicher, zudem könnte die Loser- und Gewinneraussicht noch manche dahin bringen, sich anders zu entscheiden. Hinter Laschet steht mit 47% nicht einmal die Hälfte der Unionswähler, bei denen Grünenwähler sind es immer 61% und bei der SPD 87 %.

Der SPD wird mehr Kompetenz in vielen Fragen zugesprochen, vor allem in der Sozialpolitik aber welche Kompetenz man welcher Partei zuordnet, scheint wohl vor allem von Klischees abzuhängen. Und obwohl der Klima- und Umweltschutz ganz oben steht, können die Grünen davon nicht mehr profitieren.

Wie schon im Triell zu beobachten gewesen, gibt sich Olaf Scholz zwar als Langweiler, aber als Fels in der Brandung. Er gilt als am sympathischsten, glaubwürdigsten und führungsstärksten und gilt als der Kandidat mit der größten Kompetenz. Scholz verspricht, was Laschet gerne gemacht hätte, der sich aber auch absetzen musste, das Weiter So nach dem Abtritt von Angela Merkel – und profitiert davon, Amtsträger zu sein, der zudem den Geldhahn in der Krise geöffnet hat. Die Union hat unter Merkel einige sozialdemokratische Kröten schlucken müssen, das gefällt aber den Menschen wohl besser als die Rückkehr zu einem Kapitalismus mit dem alten Versprechen, dass es doch allen besser geht, wenn die Unternehmen und Reichen mehr Geld haben und investieren, wie das Union und FDP propagieren. Das ist schon seit einigen Jahrzehnten ein hohles Versprechen, widerlegt von der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und einer sinkenden Aufwärtsmobilität.

Am beliebtesten sind Angela Merkel, gefolgt von Olaf Scholz und knapp dahinter Markus Söder. Dann kommt ein größerer Abstand mit Jens Spahn und Robert Habeck. Heiko Maas ist wohl wegen Afghanistan stark zurückgefallen. Eigentlich sagen die Menschen ja, es gehe ihnen um die Politik, mitunter auch mit dem Personal, aber nicht um die Kanzlerkandidaten. Das stimmt so natürlich nicht.

Worauf wir uns einrichten müssen, scheint zu sein, dass es mit dem „soliden“ Scholz keine größeren Veränderungen oder Experimente geben wird, vor allem nicht wirtschafts- und steuerpolitisch. Einen auf Klimaschutz und Umstellung auf erneuerbaren Energien ausgerichteten Zukunftsplan haben ja die Grünen vorgelegt, der Lebensstil des grünen Milieus überzeugt aber viele nicht. Das Pendant, die AfD und auch die FDP, legen sich Scheuklappen an und haben sich in die gesellschaftliche bzw. wirtschaftliche Vergangenheit zurückgezogen. Unbeweglichkeit, Festhalten und Angst dominieren: Nur keine Experimente scheint die Devise zu sein.

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