Steht Russland hinter der Welle von Bombendrohungen in der Ukraine?

 

SBU nimmt Studenten in Krywyj Rih fest, der eine Bombendrohung an die dortige Uni gerichtet hat.

Der ukrainische Geheimdienst SBU macht die russischen Geheimdienste verantwortlich, die die Ukraine destabilisieren wollen.  Wirklich überzeugend ist das nicht.

In der Ukraine werden verstärkt Bombendrohungen verschickt, die sich bislang als Blöff herausgestellt haben.  Der ukrainische Geheimdienst SBU behauptet, wen wundert es, dass Russland dahinter steht. Erst kürzlich hatte die US-Regierung behauptet, Russland habe Saboteure in die Ukraine gesandt, allerdings um False-Flag-Operationen vorzunehmen, die Russland einen Vorwand zum Einmarschieren liefern sollen. Die britische Regierung brachte einen angeblichen Plot auf, dass der Kreml bereits eine Besatzregierung plane. Blöd lief, dass der ukrainische Politiker, den man als Kandidaten für den Regierungschef wähnte, zwar ein Oppositioneller ist, aber seit 2018 auf einer russischen Sanktionsliste steht.

Der SBU sieht jedenfalls Russlands Geheimdienste hinter den Bombendrohungen, die sich gegen Schulen, Universitäten und  kritische Infrastrukturen richten. Das sei „Teil einer hybriden Kriegsführung, um den Druck auf die Ukraine zu erhöhen“ und um „Angst und Panik zu verbreiten“. Seit Beginn 2022 habe es bereits mehr als 300 Bombendrohungen gegeben, im gesamten Jahr 2021 seien es 1100 gewesen. Seit Anfang 2021 seien 313 Personen identifiziert worden. Letztes Jahr gab es Bombendrohungen für die U-Bahn in Kiew und für den Reaktor in Tschernobyl. Dort habe es in den letzten Jahren Dutzende von solchen Drohungen gegeben.

Im Fortlauf der Mitteilung bleibst erst einmal von den russischen Geheimdiensten nicht viel übrig. Es soll sich bei der Welle der Bombendrohungen um ukrainische Bürger handeln, um Hooligans oder Spaßmacher, die sich der möglichen Konsequenzen nicht bewusst seien, schreibt der SBU mit Verweis auf die Strafverfolgungsbehörden. Die „Angreifer“ würden über das Internet ihre Botschaften verschicken, mit Programmen, von denen sie glauben, sie würden dabei anonym bleiben. Die meisten Warnungen würden von „benachbarten postsowjetischen Staaten oder von den vorübergehend besetzten Gebieten der Regionen Donezk und Lugansk“ versendet werden. Hingewiesen wird darauf, dass „anonyme Terroristen“, die bewusst falsche Informationen über die Bedrohungen von Bürgern verbreiten, mit Gefängnisstrafen von 2-6 Jahren  bestraft werden können.

Am 15. Januar ging beispielsweise eine Bombendrohung für den Sikorsky-Flugplatz in Kiew ein, berichten Medien, am 18. War ein Gerichtshof in Kiew dran, am 21. Januar wurde gewarnt, dass alle Schulen in Kiew vermint seien, am selben Tag wurden nach einer Bombendrohung alle Schüler in Lwiw evakuiert.

Am Freitag wurde ein Verdächtiger nach Stunden identifiziert, der mit einem Anruf bei der Polizei-Hotline gemeldet hatte, dass er in der ganzen Stadt Melitopol Sprengsätze angebracht habe. Die Warnung erwies sich wie üblich als falsch. Festgenommen wurde ein in der Stadt lebender „anonymer Terrorist“, der wegen schwerer Verbrechen in der Ukraine sowie wegen Mordes in Russland verurteilt worden war. Ob er mit russischen Geheimdiensten zusammenhängt, wurde nicht mitgeteilt und ist auch eher unwahrscheinlich.

Ebenfalls am Freitag wurde vom SBU ein Student festgenommen, der am Donnerstag eine Bombendrohung für die Nationale Universität Krywyj Rih in der nämlichen Stadt an die Universität und die SBU-Hotline geschickt hatte. Er schrieb, er sei ein „russischer Terrorist“ und forderte ein Lösegeld von 250.000 UAH, „damit der Terroranschlag nicht stattfindet“. Benutzt hatte er angeblich für das Versenden der Bombenwarnung einen der geschlossenen Telegram-Chatroom, die angeblich von russischen Geheimdiensten betrieben werden: Dem „Aggressorland“ sollen sie  „als eines der Instrumente zur Verbreitung von Panik in der Ukraine “ dienen.

Nach Strana wollte der Student mit der Bombenwarnung erreichen, dass wieder Online-Unterricht stattfindet. Und es wird darauf hingewiesen, dass Bombenwarnungen auch in Russland auf der Krim, in Rostow und anderen Regionen en vogue sind. In Simferopol wurden wegen Bombenandrohungen an 20 Schulen alle geschlossen. Auch in Nowosibirsk und Jekaterinburg gab es Bombendrohungen,  am 17. Januar gingen Bombendrohungen an 85 Schulen in Rostow usw.

Die Geheimdienste werfen sich gegenseitig die Verantwortung dafür zu. Strana, das ausführlich berichtet, glaubt, es würden die Schüler selbst die Bombenwarnungen mitteilen und Freunde in anderen Ländern auffordern, dies auch zu machen. Tatsächlich sind Massen an Bombendrohungen eine erhebliche Störung der öffentlichen Sicherheit und sorgen für Ärger, Unruhe und Angst. Es wären also geeignete Beeinflussungsoperationen, aber in diesem Fall wird offenbar die angespannte Situation von Einzelnen ausgenutzt, die sich über die von ihnen angerichtete Aufgeregtheit freuen. Auch das scheint ansteckend, eine Epidemie zu sein.

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