Taliban übernehmen Afghanistan, Regierung hat sich ins Ausland abgesetzt

Taliban im Präsidentenpalast. Im YouTube-Video von al-Jazeera zeigen sich die bärtigen Kämpfer veruinsichert, wie sie sich in der schnieken Umgebung präsentieren sollen.

Die Taliban versprechen, brav zu sein und keinen Rachfeldzug zu machen. Die Nato hat eine krachende Niederlage erlitten, der vom Westen errichtete Staat war ein Potemkinsches Dorf.

Der Blitzkrieg der Taliban gleicht dem Siegeszug, mit dem der Islamische Staat fast widerstandslos im Irak und in Syrien eingenommen hatte. Die von der Nato ausgebildete Armee und Polizei laufen über und geben kampflos auf. Auch die Warlords fliehen das Land. Kaum waren die Kämpfer vor Kabul, bereits gut ausgerüstet mit Waffen, die die Nato zurückgelassen hat, drangen sie schon ins Zentrum und in die bislang gut gesicherte Green Zone vor. Die Regierung ist bereits geflohen. Die Flüchtlinge aus dem ganzen Land, die in der Stadt Zuflucht gefunden haben, sitzen hingegen fest. Andere versuchen vor allem über den Iran in die Türkei zu gelangen, um von dort nach Europa zu kommen. Die Türkei meldet, die Mauer an der Grenze zum Iran sei fast fertig, sie dient dafür, Flüchtlinge abzuwehren. Dafür haben die Taliban ungehindert die Tore des Hauptgefängnisses geöffnet, die Inhaftierten strömten in die Freiheit hinaus.

Menschenmassen drängen zum Flughafen, es herrscht Chaos. Die Frage wird sein, ob die Taliban diesen abriegeln, sie sollen bereits Checkpoints eingerichtet haben. Es heißt, dass es auf dem Zivilflughafen kein Sicherheitspersonal gibt.   Angeblich ist der Flughafen ebenso wie die US-Botschaft noch unter Kontrolle der amerikanischen  Truppen, um die Amerikaner und lokale Helfer auszufliegen. Präsident Biden hat zu den bereits 3000 Soldaten, die den Abzug sichern sollen, noch einmal 1000 zur Verstärkung geschickt. Das sieht ganz nach einer Wiederholung der Niederlage der USA im Vietnam-Krieg aus, als die Amerikaner in Panik Saigon verließen. Ähnlich wie damals bringen Hubschrauber das Botschaftspersonal in Sicherheit. US-Außenminister Blinken versucht, das zu abzustreiten. Man habe schließlich diejenigen vor 20 Jahren angegriffen, die für die 9/11-Anschläge verantwortlich waren. Darin sei man erfolgreich gewesen. Das ist kläglich und wird niemanden überzeugen.

Die Bundesregierung wurde völlig überrascht, will jetzt aber in der Nacht Flugzeuge nach Kabul schicken, um die Deutschen und Ortskräfte zu holen. Das Botschaftspersonal war bereits auf den militärischen Teil des Flugplatzes geschafft worden. Offenbar will man sich auf die US-Truppen zur Sicherung verlassen. Viele der Ortskräfte der Bundeswehr und der übrigen Nato-Truppen werden zurückbleiben und letztlich bezeugen, dass auf den Westen kein Verlass ist. Das wird geopolitisch große Folgen haben. Zumal es eine Wiederholung von Syrien ist, als die Amerikaner die syrischen Kurden im Stich ließen.

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Präsident Ghani und seine Minister und Berater haben schnell das Weite gesucht. Die Taliban haben den Präsidentenpalast eingenommen und das Anwesen des ehemaligen Präsidenten Karzai, der von den Amerikanern installiert wurde und für die Ausbreitung der Korruption verantwortlich war. Er hat sich zu Abdullah Abdullah, Chef des Hohen Rats für nationale Versöhnung,  geflüchtet. Abdullah war erst am Freitag aus Doha nach Verhandlungen mit den Taliban mit einem Vorschlag für eine politische Lösung zurückgekehrt, angeblich auf der Grundlage eines Waffenstillstands. Das hat sich erübrigt, die bärtigen Taliban-Männer haben die Macht übernommen.

Der stellvertretende Taliban-Führer Mulla Baradar erklärte nach der Einnahme von Kabul, sie hätten niemals geglaubt, auf solche Weise zu triumphieren – über die angeblich mächtigste Nation und ihre Nato-Alliierten. Die Taliban würden nun geprüft, ob sie den Schutz und das Wohlergehen der Nation sicherstellen können.

Die Taliban wollen nun das „Islamische Emirat von Afghanistan“ erklären und garantieren den Nato-Mitarbeitern in einer Erklärung Amnestie, Soldaten und Polizisten würden übernommen, Unternehmer, Geschäftsleute und Investoren sollen normal weiterarbeiten, Leben und Eigentum werde geschützt, den Nachbarstaaten wird versichert, man werde keine Probleme machen, Botschaftsangehörige, Diplomaten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen bräuchten keine Probleme zu befürchten.

Die Niederlage des Westens scheint total zu sein. Es gibt keine Übergangsregierung, die Taliban übernehmen nach 20 Jahren wieder die Macht. Inwieweit sie sich geändert haben, muss man absehen. Afghanistan wird ein islamischer Staat werden und wahrscheinlich Vorbild für andere Revolten und Kämpfe etwa in Afrika, nachdem der IS in den Untergrund gewandert ist. Ob die Taliban wieder al-Qaida und den IS auf ihrem Territorium akzeptieren oder dies müssen, wird sich auch entgegen Blinkens Siegensmeldung zeigen. Die Nato hat jedenfalls dem politischen Islamismus nachgeholfen.

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