Wahlbörse: Vorsprung der SPD hat sich auf 3,5 Prozentpunkte leicht verringert

Grafik: Bundestagswahl 2021
Bild: Tim Reckmann/CC-BY 2.0

Wir stellen bis zur Bundestagswahl Ergebnisse der PESM Wahlbörse vor. Im Gegensatz zu Umfragen fragen Wahlbörsen: Wie werden die einzelnen Parteien abschneiden? Die kollektive Intelligenz der Teilnehmer bestimmt bei Wahlbörsen die resultierende Prognose.

Der Vorsprung der SPD vor der Union hat sich in der letzten Woche leicht verringert und beträgt aktuell zu Beginn der finalen Woche  (20.9. 2021, 7 Uhr) 3,5 Prozentpunkte. Die Union kann an der Wahlbörse zwar etwas zulegen auf Kosten der Grünen, der FDP und geringfügig auch der SPD, aber das ist nicht die nötige klare Trendumkehr. Alle zwölf Umfrageinstitute sowie die beiden Wahlbörsen sehen eine Führung bei der SPD von 2-7 Prozentpunkten.

Im Hinblick auf die Wahlstatistik ist eine Umkehrung der Reihenfolge theoretisch nur noch mit geringer Wahrscheinlichkeit möglich. Praktisch kann man die relativ hohe Quote noch unentschlossener Wähler als Argument für einen möglichen Umschwung in den letzten Tagen (last swing) anführen. Der Rekordanteil von Briefwählern (wohl über 40 Prozent) wird jedoch eher für einen Gewinn der SPD sprechen, weil sie in der letzten Zeit in Führung gelegen hat und ihre Wähler motiviert sind, nach einer langen Durststrecke erstmalig wieder eine Chance zu erhalten.

Bildhaft kann man Laschet mit einem Boxer vergleichen, der in der letzten Runde klar gegen Scholz zurückliegt und nur noch durch einen KO-Schlag gewinnen kann. Ein solcher lucky punch wäre ein spektakuläres Ereignis wie etwa aktuell ein Skandal bei der Anhörung von Scholz im Finanzausschuss, wo die umstrittene Razzia thematisiert werden soll, die kürzlich im Finanz- und Justizministerium stattgefunden hat. Alle anderen Vorgehensweisen der Union gegen die SPD sind verpufft und auch das letzte Triell hat Scholz gewonnen, wie eine Blitzumfrage von Forsa ergeben hat. Insgesamt ist der Wahlkampf in Deutschland jedoch im Vergleich zur Schlammschlacht in den USA durchaus fair. Es hat keine befürchtete Amerikanisierung stattgefunden.

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Nun zu den Zahlen, wobei wir in Klammern wieder den kleinsten und größten Wert der letzten Umfragen angeben. Die SPD bleibt stabil mit 25,4  Prozent (24-27 Prozent) vor der CDU mit 21,9 Prozent (20-23 Prozent), die leicht  zugelegt hat. Die Grünen haben etwas verloren mit nunmehr 15,8 Prozent (15-18 Prozent). Der vierte Rang ist heiß umkämpft zwischen der FDP mit 11,1 Prozent (10-13 Prozent) und der AfD mit ebenfalls 11,1 Prozent (10-12 Prozent). Die Linke erreicht 6,3 Prozent (6-8 Prozent). Hier besteht noch eine, wenn auch geringe Gefahr, unter die 5 Prozent-Hürde zu geraten. Die Sonstigen könnten insgesamt auf 8,4 Prozent kommen. Darunter sollten die Freien Wähler mit etwa 3,0 Prozent wohl am besten abschneiden.

Numerisch und praktisch sind mehrere Koalitionen möglich. Den relativ meisten Zuspruch finden die Ampel (SPD, Grüne, FDP) und Rot-Grün-Rot. Sogar eine Wiederauflage einer Groko, dieses Mal unter der Führung der SPD, sowie ebenfalls eine Jamaika-Koalition (Union, Grüne, FDP) wären rechnerisch möglich.

Nach diesem Wahlkampf könnte es also zu einer spannenden Koalitionsbildung kommen.

Der letzte Stand der Wahlbörse zur Bundestagswahl wird am Samstag kommen.

Anders als bei den meisten anderen Prognosemärkten wird die PESM Plattform als Echtgeldbörsenplatz betrieben, bei der die Teilnehmer einen Geldbetrag ihrer Wahl auf ihr Konto einzahlen, um damit an allen laufenden und kommenden Börsenplätzen handeln zu können. Dabei folgt der Veranstalter dem Rahmen eines Nullsummenspiels. Nullsummenspiele zeichnen sich dadurch aus, dass sämtliche Einzahlungen der Teilnehmer später auch wieder ausgezahlt werden, wobei die Gelder im Spielverlauf umverteilt werden können. Anders formuliert bedeutet das, dass keinerlei Gebühren für die Börsianer anfallen, und dass die Prognosys Bewertungs GmbH sich nicht an den Spieleinsätzen bereichert.

Prof. Dr. Walter Mohr ist Leiter der Prognosys Bewertungs GmbH. Siehe auch das Interview mit Walter Mohr: Warum Wahlbörsen mitunter besser als repräsentative Umfrage zur Vorhersage von Wahlergebnissen sind.

 

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