Warnungen vor Blackout in Frankreich wegen AKW

Kernkraftwerk in Cattenom. Bild: Bassaar/CC BY-SA-3.0

Alle Jahre steht das Atomstromland mit seinem uralten Atompark vor dem Blackout, wenn die Temperaturen sinken, davor warnt nun auch Bloomberg

Die große US-Nachrichtenagentur Bloomberg hat in einem ausführlichen Artikel auf die Energiekrise in Europa hingewiesen. Wie Krass & Konkret schon im Oktober festgestellt hatte, verweist nun auch Bloomberg darauf, dass die Energiepreise hier immer wieder neue Rekorde brechen, sogar „noch bevor der Winter so richtig einsetzt und eine der schlimmsten Kostenexplosionen der Geschichte droht“, wenn die Temperaturen noch stärker sinken werden.

Nach Bloomberg mussten in Großbritannien schon einige Industrieunternehmen ihre Produktion drosseln, das wird als „Vorbote“ auf das gesehen, was Europa droht, wenn die Preise noch weiter steigen. Bloomberg hat allerdings vergessen, dass in Spanien zum Teil die Produktion von Stahlfirmen schon eingestellt wurde, weil die Strompreise in dem Land mit einem absurden Tarifsystem besonders explodiert sind. Da schon die erste Kältewelle über Spanien liegt, war der Großhandelspreis pro Megawattstunde am Dienstag im Tagesdurchschnitt wieder auf 275 Euro gestiegen. Er lag damit nur noch knapp unter dem Allzeithoch vom 7. Oktober (289 Euro). Am Abend kostete der Strom, der über Smart-Meter direkt auf die Kunden abgewälzt wird, sogar schon 309 Euro.

Dass sich auf der Angebotsseite kaum eine Veränderung ergibt, glaubt Bloomberg auch mit Blick auf die Nord Stream 2 nicht.  Würde die Pipeline in Betrieb gehen, könnte das tatsächlich eine die Linderung für Europa bringen. Tatsächlich hat sich aber die Lage für Spanien und Portugal – und damit für ganz Europa – auf der Angebotsseite sogar weiter zugespitzt. Denn Algerien liefert wegen dem Westsahara-Konflikt kein Gas mehr über eine Pipeline nach Marokko und damit auch nicht mehr nach Europa. Über eine zweite Direktpipeline nach Spanien können die Ausfälle aber nicht aufgefangen werden.

So prophezeit auch Bloomberg, dass auch wegen der „galoppierende Inflation“ in einigen europäischen Ländern wie in Spanien „bei eisigem Wetter die Lichter ausgehen könnten.“ Tatsächlich leiden schon jetzt mehr als zehn Prozent aller Haushalte in Spanien unter Energiearmut. Viele Familien sitzen schon jetzt in kalten Wohnungen, da der Strompreis inzwischen auf das Niveau Deutschlands angestiegen ist, aber das Lohnniveau deutlich darunter liegt, Strom deshalb fast unerschwinglich wurde.

Altersschwache französische AKW sind bei Kälteeinrbuch ein Unsicherheitsfaktor

Einen besonderen Blick richtet die große Nachrichtenagentur aber auf die sehr instabile Lage in Frankreich. Das geschieht zu Recht, da das Land seit Jahren in jedem Winter vor einem Blackout steht. Zuletzt kam es 8. Januar fast dazu, da die Atomkraftwerke im Land die benötigte Leistung nicht erzeugen konnten, als die Franzosen bei einem Kälteeinbruch die Stromheizungen in oft ungedämmten Häusern eingeschaltet haben.

Auf Grund dieser Erfahrung fand zum Beispiel kürzlich in Österreich eine Blackout-Übung statt. Österreich hält die Gefahr für besonders groß, weshalb sich das Bundesheer darauf vorbereitet. (). Man geht davon aus, dass es nur die Frage ist, wann es zu einem europaweiten Blackout kommt und nicht mehr, ob es dazu kommt. Frankreich könnte der Auslöser dafür sein.

„Frankreich, die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas, ist besonders gefährdet“, resümiert deshalb auch Bloomberg und verweist darauf, dass ein möglicher Kälteeinbruch im Januar und Februar dem Netzbetreiber des Landes große Sorgen bereitet, der ohnehin immer wieder die Bevölkerung an kalten Tagen zum Stromsparen auffordert. „Im vergangenen Winter appellierte der Netzbetreiber an die Haushalte, zu Spitzenzeiten weniger Energie zu verbrauchen, und aktivierte einige Verträge zur Nachfragereduzierung mit Herstellern, als es wirklich eng wurde“, resümiert Bloomberg.

Die Verfügbarkeit der altersschwachen Atomkraftwerke, über die das Land etwa 80 Prozent des Bedarfs produziert, sei gering, wird festgestellt. Beigetragen habe dazu auch, dass sich in der Coronavirus-Pandemie auch die Wartung einiger Reaktoren verzögert habe. Wird es demnächst wieder eng, sei der „nächste Schritt“ die „Verringerung der Spannung im gesamten Netz und dann als letztes Mittel rollende Stromausfälle von zwei Stunden pro Region“. Damit könnte das Netz eventuell vor einem Zusammenbruch bewahrt werden, der große Gefahren für das gesamte europäische Netz birgt.

Stromausfälle sind möglich, meint auch Jeremy Weir, Vorstandsvorsitzender der Trafigura Group, einem Schweizer Rohstoffhandelshaus, gegenüber Bloomberg. Wenn es kalt werde, gäbe es keine einfache Lösung auf der Angebotsseite, sondern eine Lösung müsse auf der Nachfrageseite gefunden werden. Das bedeutet, dass ganze Industriezweige oder ganze Regionen vom Netz gehen müssten, vielleicht muss sogar beides geschehen, je nachdem wie sich die Lage in den Nachbarländern entwickelt, an deren Tropf Frankreich in Kältephasen regelmäßig hängt.

Tatsächlich hat sich die Lage im Atomstromland mit der Abschaltung der Uraltmeiler in Fessenheim zugespitzt (), da zudem der Bedarf über E-Mobilität weiter steigt. Dem Land ist es bisher auch mit 10 Jahren Verspätung nicht gelungen, mit dem EPR in Flamanville den ersten Meiler der sogenannten 3. Generation ans Netz zu bringen. Dessen Kosten haben sich inzwischen von 3,3 auf 19,1 Milliarden Euro vervielfacht. Mit der Summe hätten viele Solarpanels und Windräder das Stromnetz längst stabilisieren können. Doch beim Zubau erneuerbarer Energien kommt das Land nicht voran, was Präsident Macron sogar schon als „Fehler“ eingeräumt hat.

Allerdings sehen seine Pläne trotz allem kaum Investitionen in erneuerbare Energien vor, mit denen die Stromknappheit schnell bekämpft werden könnte. Stattdessen will Macron viele neue Atommeiler bauen. Doch dahinter stehen auch militärische Interessen, wie Macron sogar bereitwillig einräumt.  Der EPR-Neubau in Flamanville, der eigentlich schon seit fast zehn Jahren Strom produzieren sollte, legt allerdings schonungslos offen, dass über AKW-Neubauten der Stromknappheit nicht schnell begegnet werden kann. Sie tragen auch nichts zum nun drängenden Problem der Klimaveränderungen bei, da frühestens in 15 Jahren neue Meiler ans Netz gehen könnten. Seit 2006 wird in Frankreich am EPR herumgewerkelt, am finnischen Olkiluoto sogar noch länger.

In China, wo in Taishan die ersten beiden EPR-Reaktoren laufen – was auch mit niedrigeren Sicherheitsstandards erklärt werden kann – gibt es erhebliche Probleme. Inzwischen ist offenbar das Problem von Gasaustritten geklärt. Es soll auf einen „Konstruktionsfehler im Reaktorbehälter“ zurückgehen, hat die Nachrichtenagentur Reuters mit Bezug auf die französische „Kommission für unabhängige Forschung und Information über Radioaktivität“ (Criirad) berichtet. Der französische Energiekonzern Electricité de France (EDF) baut nicht nur die EPRs in Frankreich und Finnland, sondern war auch an dem Bau und Betrieb des AKW in Südchina beteiligt.

Bekannt ist längst, dass auch der Reaktorbehälter in Flamanville Probleme aufweist, weshalb er nach einigen Betriebsjahren geprüft werden soll. Taishan I wurde im August wieder abgeschaltet, da es zu Beschädigungen an Brennelementen kam, die auf „abnormale Vibrationen“ zurückzuführen seien, erklärte Criirad in Bezug auf einen Whistleblower. Modellversuche bei Framatome im französischen Le Creusot, woher auch der schadhafte Flamanville Reaktorbehälter stammt, hätten bereits 2007 und 2008 diese Mängel an der Hydraulik des Tanks gezeigt.

1 Kommentar zu Warnungen vor Blackout in Frankreich wegen AKW

  • Ich wusste nicht das es in Frankreich so große Probleme mit der Energieproduktion gibt.Vereinzelt konnte immer was gehört werden, aber das es mit der gesellschaftlichen Produktion so schlecht gestellt ist???
    Was reden die Deutschen Politiker immer, wenn es um die „Alternativen“ Energie in Deutschland geht, das dann Atomstrom auf Frankreich kommt.
    Insgesamt ist es grässlich wo es alles klemmt in Europa, mir kommt da selbst das Virus als was ganz normales vor. Aber gut ist der doch, auf den wird alles abgeladen und das schönste er kommt aus China.
    Ich gehe mal mein Gewehr putzen.

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