Bietet der Vektor-Impfstoff von Astra-Zeneca einen längeren Impfschutz als die mRNA-Impfstoffe?

T-Zelle. Bild: National Institute of Allergy and Infectious Diseases, National Institutes of Health

In Großbritannien gibt es eine hohe Inzidenz, aber eine geringe Hospitalisierungsrate. AstraZeneca Chef führt dies auf die höhere T-Zellen-Immunität zurück, für britische Wissenschaftler ist Covid-19 nur noch ein Schrecken für die Ungeimpften. Wie länge hält der Impfschutz durch Astra wirklich?

In Großbritannien, wo der Covid-19-Impfstoff AZD1222, ChAdOx1 nCoV-19 oder Vaxzevria von Astra-Zeneca produziert und viel verwendet wurde, versucht man, dem inzwischen schlechten Image im Europa entgegenzutreten. In Deutschland empfahl nach der Zulassung Anfang Februar die Ständige Impfkommission, diesen nur bei Menschen zwischen 18 und 64 Jahren zu verwenden, vorübergehend wurde er im März nicht mehr verimpft und soll seit Ende März wegen des Risikos von Hirnvenenthrombosen bei jüngeren Menschen nur an Über-60-Jährige verimpft werden. Als zweiten Impfstoff empfiehlt die Stiko einen mRNA-Impfstoff.

Nach der kassenärztlichen Vereinigung kann Vaxzevria gar nicht mehr bestellt werden, Ende November wird er wohl nicht mehr verimpft. Nach Studien bietet der Impfstoff einen geringeren Schutz als die mRNA-Impfstoffe, der auch schneller schwindet. Das alles hat die Verunsicherung der Menschen verstärkt und die Bereitschaft vermindert, sich damit impfen zu lassen. AstraZeneca verkauft den Impfstoff angeblich zu Herstellerpreisen. Von den zwei Milliarden hergestellten Impfdosen seien zwei Drittel in Länder mit geringen und mittleren Einkommen gegangen.

Jetzt ist Pascal Soriot, der Chef von AstraZeneca, an die Öffentlichkeit getreten und behauptete gegenüber BBC, AZD1222 zeige vor allem bei älteren Menschen einen besseren und längeren Impfschutz vor Covid-19 als die mNRA-Impfstoffe. Das könne der Grund sein, warum in Großbritannien nicht wie in anderen europäischen Ländern mit der Inzidenz auch die Hospitalisierungsrate in die Höhe gegangen ist: „In Großbritannien wurde der Impfstoff für ältere Menschen verwendet, während in Europa ursprünglich gedacht wurde, dass er bei diesen nicht wirke“, sagte er, obgleich schon Ende März der Impfstoff etwa in Deutschland nur noch für Ältere empfohlen wurde.

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Beobachtet worden war, dass die Antikörper nach der Impfung schnell wieder verschwinden und damit auch der Impfschutz. Soriot sagt, die Bildung von Antikörpern würden nur die erste Reaktion darstellen: „Die Bildung von T-Zellen dauert länger, aber die Reaktion ist haltbarer und dauert länger.“ Es habe sich gezeigt, dass der Vektor-Impfstoff, „die T-Zellen stärker in älteren Menschen stimuliert“. Aber es gebe keine Beweise, ob der Anstieg der Hospitalisierung in Europa wirklich damit zusammenhängt, dass die älteren Menschen weniger mit AZD1222 geimpft wurden, man brauche mehr Daten. Aber gesagt ist es nun mal. Belegt hat Soriot die Behauptung nicht. Im Juli waren Wissenschaftler der University of Oxford in einer in Nature veröffentlichten Studie zum Ergebnis gekommen, dass mit dem Vektor von Adenoviren arbeitende Impfstoffe in Stromazellen eindringen und dort zur Bildung von mehr und lange haltenden T-Zellen anregen. Das wurde allerdings nur anhand von Tests mit Mäusen und Proben menschlicher Zellen gezeigt.

In Großbritannien wurde fast die Hälfte der Menschen mit AstraZeneca geimpft, in anderen europäischen Ländern waren es 20 Prozent und weniger.

Angeblich sind mittlerweile fast ausschließlich Ungeimpfte in den Intensivstationen. Im Guardian veröffentlichten Prof Sir Andrew Pollard, Direktor der Oxford Vaccine Group und verbunden mit AstraZeneca, und Brian Angus, Professor für Infektionskrankheiten am Nuffield Department of Medicine der University of Oxford, einen Artikel, indem sie sagen: „Covid-19 ist keine Erkrankung der Geimpften mehr“, sondern fast ausschließlich der Ungeimpften. Die Impfstoffen würden einen „fast vollständigen Schutz gegen diese Formen der lebensgefährdenden Covid-19-Fälle bieten“. Der Schutz einer zweifachen Impfung vor leichten Erkrankungen sei zwar von 63 auf 44 Prozent wegen der aufgrund der Delta-Variante schwindenden Immunität zurückgegangen. Für die meisten sei so eine Infektion höchstens lästig, nur wenige vulnerable Personen müssten ins Krankenhaus wie bei der Grippe ins Krankenhaus eingewiesen werden.

Sorio trat mit der Behauptung anlässlich der Eröffnung eines großen neuen Forschungszentrums von AstraZeneca in Cambridge mit 16 Labors und 2200 Wissenschaftlern an die Öffentlichkeit. Davor hatte der Konzern bekanntgegeben, das Ergebnisse von klinischen Tests des neuen Impfstoffs AZD7442, der Antikörper von Genesenen verwendet, nach 6 Monaten zu 87 Prozent gegen eine symptomatische Erkrankung schütze, schwere Erkrankungen und Todesfälle seien nicht aufgetreten. Eine einmalige Impfung biete einen Impfschutz von 12 Monaten.

Wissenschaftler der Universität Tübingen haben gerade die Ergebnisse der Phase-I-Studie mit dem eigenen Impfstoff CoVac-1, der auf im Blut von Personen mit überstandener Covid-19-Erkrankung identifizierten Peptiden beruht, in Nature veröffentlicht. Die Wissenschaftler gehen auch davon aus, dass ein langfristiger Impfschutz nicht von Antikörpern, sondern von der T-Zell-Antwort abhängt. Die war vier Wochen nach der Impfung der Versuchspersonen stark und blieb auch bislang bestehen:

„Darüber hinaus sind die durch CoVac-1 aktivierten T-Zell-Antworten deutlich stärker ausgeprägt als die bei Genesenen nach natürlicher Infektion und auch potenter als die T-Zell-Immunität, die durch zugelassene mRNA- oder Vektorimpfstoffe erzeugt wird. Anders als bei den bislang zugelassenen Impfstoffen richtet sich die CoVac-1-induzierte T-Zell-Immunität nicht nur gegen das Spike Protein, sondern gegen verschiedene Virusbestandteile. Die Wirksamkeit des Impfstoffes wird durch keine der bekannten SARS-CoV-2-Varianten negativ beeinflusst.“

Aus der Studie geht hervor, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer 18-42 Tage nach der zweiten Impfung sechsmal mehr T-Zellen produziert als der von AstraZeneca. Das bestätigt die Behauptung des Astra-Zeneca-Chefs nicht, auch wenn der Telegraph nationalistisch gesinnt die Überlegenheit Großbritanniens und des Impfstoffs beteuert: „There will be myriad reasons why Britain is doing better than Europe. AstraZeneca has certainly played its part.“ Nebenbei wird in dem Artikel, der eher den AstraZeneca-Impfstoff anpreist, jedoch auch gesagt, dass es nicht der Impfstoff den Unterschied ausmacht, sondern vielleicht der Umstand, dass in Großbritannien einfach schon mehr Menschen infiziert waren, aber auch, dass man mit der Boosterimpfung früher begonnen hat.

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