Corona-Expertengruppe der britischen Regierung sieht bald 600.000 bis eine Million Infektionen täglich

Sars-CoV-2-Viren. Bild: NIAID

Gefordert werden schnell strenge Restriktionen, die dem Lockdown Anfang des Jahres gleichen sollte, um zu verhindern, dass Krankenhaussystem von den Folgen der Omikron-Welle überwältigt wird.

Boris Johnson, der weiter auf Impfungen und gewisse Beschränkungen setzt, scheint auch aus Druck aus den eigenen Parteireihen noch gewillt zu sein, die Omikron-Welle über Großbritannien hinwegspülen zu lassen. Selbst die schwachen Plan B-Maßnahmen konnte Johnson nur mit der Hilfe der Opposition durchsetzen, weil 100 Abgeordnete der Konservativen diese ablehnten.

Die Niederlande haben schnell entschlossen einen gemäßigten Lockdown über Weihnachten bis mindestens 14. Januar verhängt, obgleich die Inzidenzzahlen nach unten gehen,  auch die dänische Regierung schließt bis 17. Januar Kultureinrichtungen und greift zu anderen, mäßigen Restriktionen. Die neue deutsche Bundesregierung schaut noch zu und hofft wohl, dass die Ansteckungszahlen nicht so explosiv ansteigen wie in Großbritannien mit jetzt 90.000 Neuinfizierten an Wochentagen. Am Sonntag wurden es 82.886 neue Covid-Fälle gemeldet, 72 Prozent mehr als vergangenes Wochenende. Man will sich durch weitere Auflagen für Reise  aus den Hochrisikogebieten erklärten Ländern Großbritannien, Dänemark und Frankreich schützen, obgleich Omikron ja schon im Land ist.

Über 47 Prozent haben in Großbritannien bereits die dritte Booster-Impfung erhalten, 82 Prozent sind zweifach geimpft. Das scheint aber der Omikron-Welle nicht viel entgegenzusetzen. In den letzten 7 Tagen ist zwar die Zahl der Hospitalisierungen um 8 Prozent angestiegen, aber die Todeszahlen gehen noch weiter zurück, was auch die Vermutung zu bestätigen scheint, dass die neue Virusvariante ansteckender, aber harmloser ist. Die Scientific Advisory Group for Emergencies (Sage) geht davon aus, dass sich jetzt schon täglich Hunderttausende in England anstecken.

Die britische Regierung gerät nun durch die eigenen Berater, die Scientific Advisory Group for Emergencies, unter erheblichen Druck. Die Gruppe rechnet in ihrem am Samstag veröffentlichten  Bericht mit 600.000 bis zu zwei Millionen Infektionen täglich Ende Dezember/Anfang Januar und fordert, auch wenn es noch viele offene Fragen gibt,  schnell die Verhängung strenger Maßnahmen, ähnlich wie die im Januar 2021 verhängten, um das Krankenhaussystem vor einem Zusammenbruch zu bewahren. Jetzt schon gebe es Tausende von Infektionen durch die Omikron-Variante, die deutlich ansteckender als die Delta-Variante ist.

Jetzt wachse die Omikron-Variante täglich um den Faktor 0,2 bis 0,4, das heiße, dass etwa alle zwei oder drei Tage eine Verdopplung eintrete. Das liege einerseits an der höheren Ansteckung des Virus, aber auch an den zunehmenden Impfdurchbrüchen. Verwiesen wird auf Modellierungen von drei Universitätsgruppen mit unterschiedlichen Annahmen über die Ansteckungsrate und Impfdurchbrüche, die aber zu einem ähnlichen Resultat kommen: Ende des Jahres ist ein Peak der Infektionen zu erwarten, der deutlich höher als der im Januar 2021 sein wird, bis Ende des Jahres müsse mit mindestens 1000 Hospitalisierungen pro Tag gerechnet werden. Werden keine weitere Maßnahmen ergriffen, kann die Zahl der Hospitalisierungen auch auf 3000-10.000 und die derToten auf 600-6000 täglich ansteigen, sofern die Booster-Impfungen nicht sehr gut schützen. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist so schnell, dass man mit den Booster-Impfungen nicht hinterherkommen würde, sofern diese einen höheren Schutz bieten sollten.

 

Der Gesundheitsminister Sajid Javid mag jetzt trotz der Revolte der konservativen Abgeordneten weitere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie vor Weihnachten nicht mehr ausschließen. Möglicherweise müsse man diese schon verhängen, bevor man Genaueres über die Omikron-Variante weiß.

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