Droht eine neue, noch gefährlichere Sars-CoV-2-Variante?

Coronaviren. Bild: NIAID

In Südafrika wurde die Variante B1.1.529 entdeckt, die womöglich ansteckender ist. Vor allem ist zu beobachten, dass wir uns in einem Panikmodus befinden.

 

Es bestätigt sich, dass die reichen Länder sich in einer Pandemie nicht mit Impfungen in einer Festung einschließen können, wenn nicht der Rest der Welt auch geschützt wird. Erst kürzlich wurde bekannt, dass sich eine neue Variante aus Afrika nach Europa verbreitet hat (Neue Corona-Variante mit „ungewöhnlichen Mutationen“ aus dem Kongo in Frankreich). In den meisten Staaten Afrikas sind nur wenige Prozent der Bevölkerung geimpft, Sars-CoV-2 kann sich gut verbreiten und mutieren.

Das ist gerade wieder in Südafrika geschehen. Dort wurde in der Provinz Gauteng eine neue Variante entdeckt:  B1.1.529. Dort wurde nach den Nationalen Institut für ansteckende Krankheiten 22 positive Fälle entdeckt. Unter normalen Bedingungen wären diese Erkrankungen untergegangen, aber mit der Aufrüstung mit Tests und Genomanalysen werden schon kleine Vorfälle bemerkt. Die Leiterin des Instituts nahm dies zum Anlass, die Menschen aufzufordern, vorsichtig zu sein, sie sollen sich impfen, Masken tragen, soziale Distanzierung einhalten und sich nur in gut gelüfteten Räumen aufhalten.

In Südafrika sind nur 24 Prozent der Bevölkerung zweimal geimpft, in vielen Ländern sehr viel weniger als 10 Prozent. Allerdings reicht eine zweimalige Impfung gegenüber der Deltavariante nicht aus, wie das auch gerade in Israel wieder zu sehen ist. Und kommen neue, ansteckendere Varianten ins Spiel, die von den Impfstoffen nicht abgedeckt werden, wird es wieder problematisch.

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In Südafrika wurden von der neuen Variante vier Personen infiziert, die „vollständig“, also zweimal geimpft waren. Noch ist allerdings nicht bekannt, ob sich daraus schwere Verläufe bilden. Es sei ein „großer Evolutionssprung“, sagt Tulio de Oliveira, Direktor der KwaZulu-Natal Research and Innovation Sequencing Platform.

Die Variante habe 30 Mutationen alleine im Spike-Protein, mit dem das Virus an die Zellen andockt, die Delta-Variante habe nur zwei gehabt. Da die Impfstoffe, vor allem die mRNA-Impfstoffe, das Spike-Protein anzielen, ist fraglich, ob sie eine Immunabwehr mit so vielen Mutationen noch bewerkstelligen können. Es ist bislang aber nur eine Vermutung, dass B1.1.529 sich schneller ausbreiten und den Immunschutz aushebeln könnte.  Die Inzidenz in Südafrika ist schnell von 300 Anfang November auf 1200 angestiegen.

Obwohl offiziell nur 22 Infizierte  bekannt sind, mittlerweile sind es 77, schreibt Karl Lauterbach: „Neue Südafrikanische Variante B1.1.529 wird von Spezialisten in UK als sehr gefährlich eingestuft. Verdrängte in SA Delta, Mechanismus voll unklar, sehr viele Mutationen. “ Auch andere befürchten eine neue Welle. Israel und Großbritannien verhängten bereits Reisebeschränkungen. Das Wissen ist jedenfalls noch gering.

Es gibt immer wieder Warnungen vor Virus-Varianten, die sich dann in Luft aufgelöst haben. Das ist ein Effekt davon, dass nun so viele Labors und Wissenschaftler ungewöhnlich genau und in Echtzeit auf die Covid-19-Entwicklung schauen. Entdeckt werden im Panikmodus  auch marginale Veränderungen und Ereignisse, die normalerweise außen vor bleiben. Wissenschaftler haben auch die Tendenz, Aufmerksamkeit zu finden und spielen Entdeckungen hoch. Die Gefahr ist, dass man sich in einen Zustand der Hypochondrie oder der Paranoia begibt, überall Gesundheitsgefahren zu entdecken, die bei anderen Ursachen schlicht hingenommen werden.

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