Erstmals genverändertes Schweineherz in einen Menschen verpflanzt

Bild: University of Maryland School of Medicine

Am University of Maryland School of Medicine wurde die womöglich bahnbrechende Transplantation an einem Patienten vorgenommen, der sonst hätte sterben müssen und das Risiko auf sich nahm.

Schon lange wird daran gearbeitet, Ersatzorgane von Tieren zur Transplantation für Menschen verwenden zu können. Es gibt viel zu wenige Organe von Menschen. In den USA warten 110.000 Menschen auf ein Ersatzorgan, mehr als 6000 Menschen sterben jährlich, weil sie keines erhalten. Das Hauptproblem bei Xenotransplantationen ist, dass die Organe schnell vom Immunsystem abgestoßen werden. Zwar lassen sich bereits Haut und Knorpel aus körpereigenen Zellen im Labor zur Transplantation züchten, aber bei ganzen Organen ist man über kleine Organoide aus Körperzellen, geklonten oder induzierten pluripotenten Stammzellen nicht hinausgekommen.

In den 1980er Jahren hoffte man, Ersatzorgane aus Tieren gewinnen zu können. Zwar lassen sich Herzklappen von Schweinen transplantieren, aber bei anderen Organen erfolgte schnelle Abstoßung. Berühmt wurde der Fall von Stephanie Fae Beauclair (Baby Fae), die mit einem schweren Herzfehler geboren wurde und keine Überlebenschance hatte. 1984 verpflanzte der Transplantationsmediziner  Leonard Bailey dem Säugling ein Pavianherz. Das Mädchen starb 20 Tage nach der Operation an den Folgen der Abstoßung, was Bailey hätte wissen müssen.

Gestern wurde von der  University of Maryland School of Medicine gemeldet, dass erstmals einem Menschen ein Herz eines genveränderten Schweins erfolgreich transplantiert wurde. Es sei die letzte Möglichkeit gewesen zu überleben, da der 57-jährige David Bennett für eine Transplantation eines menschlichen Herzens nicht in Frage gekommen sei. Erfolgreich ist relativ, es gehe ihm drei Tage nach der Operation noch gut, heißt es von der Klinik. Er kann selbständig atmen, hängt aber noch an einer Herz-Lungen-Maschine, um sein neues Herz zu unterstützen.

Die Klinik hatte von der zuständigen Behörde FDA eine Ausnahmegenehmigung für die Transplantation des patentierten Organs UHeart™ aus dem genveränderten Schwein von Revivicor (United Therapeutics) erhalten. Mittels Gene Editing wurden dabei gleich 10 Gene verändert. Drei Gene, die für die schnelle Abstoßung von Organen von Schweinen verantwortlich sind, wurden ausgeschaltet, während sechs menschliche Gene in das Genom eingefügt wurden, damit das Herz aufgenommen wird. Ein weiteres Gen wurde noch ausgeschaltet, um ein exzessives Wachstum des Herzzellen zu verhindern. Überdies wurde ein neues Medikament von Kiniksa Pharmaceuticals verwendet, um die Immunreaktion zu unterdrücken. Zuvor waren die genetisch veränderten UHearts™ an Pavianen getestet worden.

Sicherheit gibt es für solch eine erste Operation natürlich nicht, es ist ein Experiment auf Leben und Tod. „Es hieß entweder sterben oder diese Transplantation durchführen. Ich will leben. Ich weiß, dass es ein Schuss ins Blaue ist, aber es ist meine letzte Wahl“, soll Bennett einen Tag vor der Operation gesagt haben.

Natürlich feiern sich die beteiligten Wissenschaftler und Ärzte sowie die Klinik über die historische Transplantation. Betont wird, dass damit die Organknappheit gelöst werden könnte: „Dies ist der Höhepunkt jahrelanger, hochkomplizierter Forschung, um diese Technik bei Tieren mit Überlebenszeiten von über neun Monaten zu verfeinern. Die FDA hat unsere Daten und die Daten des Versuchsschweins genutzt, um die Transplantation bei einem Patienten mit einer Herzerkrankung im Endstadium zu genehmigen, für den es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gab“, sagte der hauptverantwortliche Chirurgieprofessor  Muhammad M. Mohiuddin. „Das erfolgreiche Verfahren lieferte wertvolle Informationen, die der medizinischen Gemeinschaft helfen, diese potenziell lebensrettende Methode bei künftigen Patienten zu verbessern.“

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