Fukushima: Regierung drängt auf Verklappung der 1,2 Millionen Tonnen verseuchten Wassers

Regierungschef Fumio Kishida am 17. Oktober auf dem Gelände des AKW Fukushima. Bild: Tepco

Angeblich können auf dem Gelände bald keine neuen Tanks mehr errichtet werden. Aber 70 Prozent des Wasser sind trotz Filterung nicht nur mit dem relativ harmlosen Tritium kontaminiert.

Seit Jahren ist das Problem nicht nur, wo das kontaminierte Material vom AKW Fukushima einmal endgelagert werden kann, sondern auch, was mit den gewaltigen Mengen an gefiltertem Wasser geschieht, das in über tausend Tanks auf dem Gelände gesammelt wurde. Und da weiter Grundwasser in die durch Kernschmelze beschädigten Reaktoren fließt, muss immer mehr Tanks damit gefüllt werden. Ein großer Teil des Wassers in den Tanks, mehr als 70 Prozent, soll neben Tritium noch Strontium-90, C-14, Plutonium  und weitere Isotopen enthalten, weil zu Beginn das Reinigungssystem öfter mangelhaft arbeitete und Filter ausfielen. Das musste der Betreiber 2018 einräumen

Anwohner, Fischer und benachbarte Länder wie Südkorea oder China wehren sich gegen den lange gehegten Plan, das Wasser einfach in das Meer abzulassen. Immerhin sind es weit über eine Million Tonnen. 2022 kann kein weiteres gefiltertes, aber weiter kontaminiertes Wasser mehr auf dem Gelände gespeichert werden. Es gibt einfach keinen Platz für weitere Tanks. Dazu kommt, dass die Strahlung in den Reaktoren, in denen sich eine Kernschmelze ereignete, noch immer sehr hoch ist.

Tritium ist eine Beta-Strahler und daher nicht sonderlich gesundheitsgefährdend. Die Strahlung wird im Wasser schnell gestoppt und ist so weich, dass sie nicht tiefer in die Haut eindringen kann. Um gefährlich zu sein, muss Tritium verschluckt oder eingeatmet werden. Das ist beim Einlassen ins Meer nur bedingt der Fall, zumal das kontaminierte Wasser höchst verdünnt wird. Aus AKWs wird regelmäßig mit Tritium kontaminiertes Wasser „kontrolliert“ abgelassen, die Internationale Atomenergiebehörde IAEA hält dies auch im Fall von Fukushima für möglich. Trotzdem ist das Wasser kontaminiert und schon allein die gewaltige Menge wirkt abstoßend gefährlich. Daher wurde die Verklappung im Meer immer wieder aufgeschoben. Aber es gibt ansonsten nur die Alternative der Verdampfung, die 1979 im havarierten AKW Three Miles Island praktiziert wurde. Aber damals handelte es sich nur um 9000 Tonnen Wasser. Problem dabei ist, dass der Regen das Tritium wieder auswäscht, so dass es wieder im auf der Erdoberfläche landet.

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Wassertanks auf dem Gelände von Fukushima. Bild: Tepco

Fumio Kishida, Japans neuer Premierminister, sagte am Sonntag bei einem Besuch im AKW Fukushima, nun müsse endlich die Verklappung trotz der Sorgen der Anwohner beginnen. Man könne nicht länger warten, werde die Anwohner über die Sicherheitsmaßnahmen informieren, um sie zu beruhigen. Auch für Transparenz werde man sorgen. Eigentlich hatten die Regierung und der AKW-Betreiber Tepco schon im April angekündigt, die 1,25 Millionen Tonnen kontaminiertes Wasser ab 2023 über einen Zeitraum von 40 Jahren in das Meer abzulassen. Anwohner und Fischer hatten ebenso wie China oder Südkorea protestiert.

Das kontaminierte Wasser wird nicht direkt verklappt, sondern zuvor hundertfach verdünnt, so dass die Konzentration deutlich unterhalb der Grenzwerte für Trinkwasser der WHO bleiben und nur 1/40 des japanischen Grenzwerts für Trinkwasser betragen soll. An der Einlassstelle würden die Werte höher liegen, aber noch unterhalb des WHO-Grenzwerts bleiben. Aber die Grenzwerte gelten nur für Tritium.

Dazu kommt, dass das Gelände des AKW nicht zur Aufstellung weiterer Reaktoren ausreichen mag, aber es wäre durchaus möglich, dies in unmittelbarer Umgebung zu machen. Dann ließe sich Zeit gewinnen, um vielleicht doch noch Möglichkeiten zu finden, das Wasser zu filtern – und Tritium mit der kurzen Halbwertszeit von etwa 12 Jahren würde sich praktisch von selbst unschädlicher machen. Aber Regierung und Tepco scheinen dies nicht zu wollen und scheuen wahrscheinlich die Kosten, weswegen sie auf der vorgeblichen Alternativenlosigkeit des baldigen Verklappens beharren. Allerdings behindern die vielen Tanks auch den Rückbau der Reaktoren. Dabei ist die immer noch ungelöste Frage eben auch, wo die nach der Kernschmelze hochgefährlich belasteten Materialien sicher gelagert werden können.

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