Studie: Genesene ohne Impfung sind besser geschützt vor einer neuen Infektion als zweimal Geimpfte

Bild: Johaehn/Pixabay.com

Nach einer Studie von israelischen Wissenschaftler schützt die natürliche Immunität besser und länger als eine zweimaligen Impfung mit dem Pfizer/Biontech-Impfstoff. Das könnte die Impfstrategie verändern.

 

Bislang galten die zweimal Geimpften und damit die Impfquote als Garant für Sicherheit vor schweren Erkrankungen. Sie stellen mittlerweile 65 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Genesenen liefen immer mit, sollten sich aber auch zumindest einmal impfen lassen, um den Immunitätsschutz zu erhöhen. Wir kennen nur die Zahl der Genesenen unter denn bestätigten Corona-Fällen, das sind etwas mehr als 3,7 Millionen oder 4,7 Prozent der Gesamtbevölkerung.    Dann gibt es die Gruppe der Ungeimpften, die gefährdet sind, zu denen allerdings auch Menschen gehören können, die bereits infiziert wurden, dies aber nicht weiter bemerkt oder beachtet haben und auch nicht getestet wurden.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine allerdings bislang nur im Preprint vorliegende Studie von israelischen Wissenschaftlern, die anhand der bislang größten Patientengruppe untersucht haben, wie gut der Immunschutz bei Genesenen (natürliche Immunität)  im Vergleich zu dem bei zweimal mit dem Pfizer-Impfstoff Geimpften ist. Es gibt bislang noch keine Daten über die langristige Schutzwirkung. Man nimmt aber bislang an, dass bei Genesenen, also bei der natürlichen Immunität, die Schutzwirkung nach sechs Monaten schwächer werden könnte. Unklar ist auch, ob und wann nach zweimaliger Impfung bzw. nach einmaliger bei Genesenen oder mit dem Johnson & Johnson-Impfstoff eine Auffrischungs- bzw. Booster-Impfung notwendig werden sollte.

In Deutschland beschlossen wurde, dass Immungeschwächten, Höchstbetagten (über 80 Jahre) und Pflegebedürftigen ab September eine Booster-Impfung angeboten, wenn die zweite Impfung 6 Monate zurückliegt. Auch Genesene können sich dann noch einmal mit einem mRNA-Impfstoff  impfen lassen, ebenso Personen, die mit einem Vektor-Impfstoff immunisiert wurden. Die Impfstoffhersteller setzen auf Booster-Impfungen, weil dann wieder ein Milliarden-Gewinn in die Kassen gespült wird.

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Die israelischen Wissenschaftler von Maccabi Healthcare und der Tel Aviv University haben sich die Daten der zweimal Geimpften, der Genesenen mit einer Impfung und der ungeimpften Genesenen angeschaut. Es handelte sich um Menschen älter ab 16 Jahren in der Zeit vom 1. Juni bis 14. August, als die delta-Variante bereits in Israel dominant war. Um die Langzeitwirkung festzustellen wurden Daten von Menschen herangezogen, die vor 28. Februar 2021 waren, bis zum 28.2. einen positiven PCR-Befund oder bis zu dem Zeitpunkt einen positiven Befund und eine Impfstoffdosis bis zum 25. Mai hatten. Untersucht wurde: bestätigte Sars-CoV-2-Infektionen, Covid-19 Symptome, Mit Covid-19 zusammenhängende Einlieferung ins Krankenhaus und damit zusammenhängender Tod.

Das Ergebnis spricht nicht unbedingt für die Impfung. Verglichen wurden jeweils 16.000 Personen, die im Januar-Februar 2021 zweimal geimpft oder in dieser Zeit infiziert wurden, aber ungeimpft waren. Bei 257 trat in den Beobachtungszeit eine Infektion auf. Die zweimal Geimpften (238) hatten ein 13 Mal größeres Risiko einer Durchbruchinfektion gegenüber einer Neuinfizierung der einmal Infizierten, aber nicht Geimpften (19), die eine natürliche Immunisierung hatten. Insgesamt gab es 199 Menschen mit einer symptomatischen Erkrankung. Die zweimal Geimpften (191) hatten ein 27 Mal erhöhtes Risiko einer symptomatischen Durchbruchinfektion als die ungeimpften Infizierten (8). Krankenhauseinlieferungen gab es nur 9, davon 8 in der Gruppe der zweimal Geimpften, Todesfälle keine. Abgesehen vom Alter (über 60 Jahre) beeinflussten keine weiteren Krankheiten das Ergebnis.

Bei einer Gruppe von 46.000 Personen wurden zweimal Geimpften mit denen verglichen, die sich in irgendeiner Zeit, also auch im Verlauf von 2020, infiziert hatten. Auch hier war das Risiko einer Durchbruchsinfektion bei den zweimal Geimpften um fast 6 Prozent gegenüber den vorher Infizierten erhöht, was nahelagt, dass der Schutz einer natürlichen Immunisierung auch länger anhält und besser schützt. Das Risiko einer symptomatischen Erkrankung war bei den zweimal Geimpften um das 17fache, das einer Einlieferung ins Krankenhaus um das 6,7fache erhöht.

Bei einem Vergleich zwischen ungeimpften Infizierten und solchen, die sich infiziert hatten und später eine Impfung erhielten, hatten letztere ein 0,56-fach reduziertes Risiko einer Neuinfektion.

Aus der statistischen Analyse lässt sich nicht erklären, warum die natürliche Immunität besser schützt als eine zweimalige Impfung. Möglicherweise fällt die Immunantwort bei den Infizierten umfassender aus als bei den Geimpften mit der Anti-Spike-Protein-Immunaktivierung durch den Impfstoff, vermuten die Wissenschaftler. Es könnte sein, dass weitere Proteine der Viren notwendig wären, um einen ähnlichen hohen Schutz mit Impfstoffen zu erzeugen.

Falls sich die Ergebnisse der Studie bestätigen, das eine natürliche Immunität starker und länger anhaltend ist als eine Impfung, würde die Frage entstehen, ob ungeimpfte Infizierte nicht bei künftigen Einschränkungen besser eingestuft werden müssten als vollständig Geimpfte. Die Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass das Alter ab 60 Jahre ein Risikofaktor bleibt. Das könnte wiederum heißen, dass etwa Kinder und Jugendliche nicht geimpft werden müssten, weil sie ein geringes Risiko haben, nach einer Infektion zu erkranken, aber durch Ansteckung einen größeren Schutz als durch die Impfung hätten.

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