Gläserne Stadt

SAR-Aufnahme von Tokio. Bild: Capella Space.

Capella Space hat einen neuen SAR-Satelliten im Weltraum stationiert, der hochaufgelöste Bilder herstellt. Dunkelheit oder Wolken sind kein Hindernis mehr, auch Räume in Gebäuden können nun beobachtet werden

Die Überwachung des Lebens auf der Erde war bislang aus dem Weltraum schwierig. Die Auflösung war zu gering, um Kleinigkeiten auszumachen. Wolken verhinderten ebenso wie Rauch oder Dunkelheit die Sicht, und dann sind da auch noch die Gebäude, der umbaute Raum, der für den Kontrollblick ein Schwarzes Loch darstellte.

Die amerikanische Firma Capella Space  hat nun einen neuen Satelliten in die Umlaufbahn geschickt, der nicht mit optischen Sensoren Bilder aufnimmt, sondern mit Synthetic Aperture Radar (SAR), also mit magnetischen Wellen, die Erdoberfläche abtastet. Zivile und militärische SAR-Satelliten sind schon lange im Einsatz, Capella bietet nun eine bislang einmalige Pixel-Auflösung von 50 cm x 50 cm mit einer Bandbreite von 500 MHz  an, genauere Bilder dürfen kommerzielle Satelliten nicht liefern, das ist militärischen vorbehalten. Offeriert wird Regierungen eine höhere Auflösung, man hofft darauf, auch kommerziell 25 cm x 25 cm anbieten zu können.

Beobachtet werden kann nun die Erdoberfläche auch bei Wolken, Rauch, Nebel und in Dunkelheit. Angeboten wird eine stündliche globale Abdeckung für Regierungen und Unternehmen, sobald das Satellitennetz fertig ist. Demnächst sollen mit einer Space X-Rakete weitere Satelliten in den Weltraum gebracht werden.

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SAR-Aufnahme von Tokio. Bild: Capella Space.

Blick in Gebäude aus dem Weltraum

Neu ist auch, dass sich mit den ausgesendeten Signalen in einer Stärke von 9.65 GHz nicht nur kleinste Veränderungen auf der Oberfläche bemerken lassen, sondern dass nun der Blick von oben auch Gebäudemauern durchdringen und ins Innere schauen kann. Die Innenräume von Gebäuden sind nun kein Schutz mehr vor Beobachtung, Städte und der umbaute Raum werden gläsern.

Auf der Website sieht man die Bilder von Städten nicht in größter Auflösung, aber es lässt sich erkennen, dass Gebäude und andere Strukturen durchsichtig werden. Man kann in einzelne Zimmer schauen und sehen, wer sich dort wo aufhält und was sich dort befindet. Vielleicht geeignet, um  Weihnachtsfeste mit zu vielen Gästen oder ausschweifende Silvesterparties in Seuchenzeiten zu erkennen?

Mit zwei Satelliten können dann auch dreidimensionale Bilder erzeugt werden. Sie lassen sich etwa nutzen, sagt  Geschäftsführer Payam Banazadeh, um zu sehen, wie viel Öl sich in offenen Öltanks befindet oder wie viel täglich in einer offenen Mine abgebaut wird, was natürlich auch militärisch nützlich ist, beispielsweise auch um zu erkennen, wie viele und welche Flugzeuge sich in einem Hangar befinden.

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