Jüngere Generationen sind kränker als ihre Eltern und Großeltern

Bild: gemeinfrei

Nach einer Studie ist der Fortschritt in Gesundheit und Lebenserwartung in den USA, vor allem bei den Weißen beendet, auch Angststörungen und Depressionen nehmen zu.

Es gab immer wieder mal Hinweise darauf, dass der seit dem 19. Jahrhundert ununterbrochene Anstieg der Lebenserwartung sich verlangsamen oder zu einem Halt kommen könnte, während die Gesundheit bei den jüngeren Generationen abnimmt (Geht es mit der Gesundheit bergab?) Auch kognitiv könnte sich etwas zusammenbrauen (Flynn-Effekt: Werden wir immer dümmer?). Sollten Lebenserwartung, Gesundheit und/oder Intelligenz einen Höhepunkt überschritten haben und abnehmen, wäre das eine tiefe Verunsicherung für das Fortschrittsversprechen der Moderne und auch des Kapitalismus nach dem Ende des realen Sozialismus.

Soziologen von der Ohio University haben nun eine im American Journal of Epidemiology veröffentlichte Studie vorgelegt, nach der die Aussichten für die Generation X (geb. 1966-1980) und Generation Y (geb. 1981-1995) düsterer werden. Die physiologische und psychologische Verfassung hat sich ebenso verschlechtert wie das gesundheitliche Verhalten. Begonnen hat die Zunahme der Morbidität und Mortalität bereits bei den Baby Boomern, aber sie verstärkte sich in den jüngeren Generationen, besonders bei den Millennials, also der Generation Y.

Ausgewertet wurden zwei Erhebungen des National Center for Health Statistics, an denen 700.000 Amerikaner teilnahmen, die Auskunft über ihre gesundheitliche Verfassung gaben, um zu sehen, wie sich diese verändert. Soziologieprofessor Hui Zheng, Hauptautor der Studie, findet die Ergebnisse alarmierend: „Wenn wir kein Mittel finden, diesen Trend zu verlangsamen, werden wir wahrscheinlich eine Vergrößerung der Morbiditäts- und Mortalitätsraten sehen, wenn diese Generationen älter werden.“

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Es handele sich nicht nur um die zunehmende Fettleibigkeit, die sich trotz der Fitnessgesellschaft ausbreitet, sondern auch um das Anwachsen von Depressionen und Angst, der zunehmenden sesshaften Lebensweise und vermehrtem Drogen- und Alkoholkonsum. Zuletzt ist in den USA die Lebenserwartung vornehmlich aufgrund der Opioid-Epidemie zurückgegangen, die Covid-19-Pandemie wird den Trend fortsetzen.

So hätten physiologische Fehlsteuerungen, gemessen am metabolischen Syndrom, bei allen Geschlechtern und ethnischen Gruppen zugenommen. Darunter versteht man Risikofaktoren für Herz- und Kreislauferkrankungen, Nierenleiden, chronische Entzündungen und Diabetes, die u.a. durch Übergewicht, Blutdruck, Cholesterinspiegel und BMI erfasst  werden.

Offenbar sind die (nicht nur alten) Weißen, die sich gerne dem Trumpismus angeschlossen haben und den Untergang fürchten, besonders betroffen und tatsächlich vom Niedergang bedroht: Sie leiden mehr unter Angst und Depression, trinken mehr und konsumieren in der jüngeren Generationen mehr Drogen und rauchen wieder mehr. Rauchen sei aber nicht für die zunehmenden physiologischen Fehlsteuerungen verantwortlich, eine Rolle spiele aber die Fettleibigkeit. Bei den Schwarzen haben chronische Entzündungen zugenommen.

Hui Zheng sagt, in den USA sei bereits die Lebenserwartung gesunken und hätten Morbidität und Behinderungen zugenommen: „Menschen der Generation X und Y sind noich relativ jung, daher unterschätzen wir vielleicht ihre Gesundheitsprobleme.“ Man werde das genauer sehen, wenn die Menschen älter werden und sich chronische Krankheiten vermehrt zeigen. Möglich wäre, dass die Verschlechterung der Gesundheit bei den jüngeren Generationen ein spezifisches Problem der USA sein und mit dem Gesundheitssystem und der Wirtschaft zusammen hängen könnte, vermutlich dürfte es aber eine Entwicklung sein, die in vielen westlichen Gesellschaften eingetreten ist. Dagegen spricht, dass etwa in Deutschland die Lebenserwartung weiter zunimmt.

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