Kampf- und Spähroboter und -drohnen dringen in Gebäude ein

Drohne erkundet Innenraum und identifiziert/lokalisiert Gegner. Bild: Rafael

Neue Entwicklungen werden den Stadt- und Häuserkampf verändern und das Innere von Gebäuden zum Kampfgebiet von KI-gesteuerten Maschinen machen.

Drohnen sind aus bewaffneten Konflikten nicht mehr wegzudenken. Sie haben entscheidend dazu beigetragen, asymmetrische Kriege zugunsten von staatlichem Militär zu wenden, Aufstände niederzuschlagen und einzelne Menschen gezielt zu töten. Zuletzt haben türkiche Kampfdrohnen im Krieg zwischen Armenien und Aserbeidschan für einen schnell Sieg und eine blutige armenische Niederlage gesorgt. Wer über keine Kampfdrohnen verfügt und diese nicht effektiv abwehren kann, steht auf verlorenem Posten.

Zwar haben die IS-Kämpfer am Schluss mit Sprengstoff oder Granaten versehene Kamikazedrohnen zu verwenden, aber bislang ist ein massiver Einsatz von Aufklärungs- und bewaffneten Drohnen durch Rebellen, Terroristen oder Banden noch ausgeblieben.

Die Vorherrschaft im Luftraum wird sowieso von den großen und weitreichenden  Kampfdrohnen, die noch aus der sicheren Ferne gesteuert werden, behauptet. Sie können schon aufgrund der notwendigen Infrastruktur nur von Truppen eingesetzt werden, die wie die Huthis in Jemen auch ein Territorium kontrollieren. Die Huthi-Rebellen haben wahrscheinlich 2019 mit dem Angriff auf saudische Ölanlagen in Biqaiq und Khurais zum ersten Mal demonstriert, welche zielgenaue Zerstörung mit Raketen und Drohnen ausgerichtet werden kann. Die Flugkörper wurden nicht entdeckt, geschweige denn ein einziger von den zahlreichen aus den USA eingekauften Patriot-Raketenabwehrsystemen abgeschossen (Versagen der amerikanischen und saudischen Luftabwehr).

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Bild: UAVTEK

Nanodrohnen, die auch bei starkem Wind fliegen können

Die kleinen Drohnen sind nicht nur die Drohnen des „kleinen Mannes“, sondern auch für das Militär oder Sicherheitskräfte interessant, um Orte auszuspähen und Menschen zu identifizieren. Bislang konnten Minidrohnen unter schlechten Wetterbedingungen wie starkem Wind nicht verwendet werden. Jetzt hat der Rüstungskonzern BAE Systems und UAVTEK den britischen Streitkräften die ersten Nanodrohnen mit vier Rotoren geliefert, die gerade einmal 196 Gramm schwer sind und bis zu einer Windgeschwindigkeit von 80 km/h fliegen können sollen.

Die Reichweite beträgt 2 km, die Batterie reicht für 40 Minuten Flug, den Betrieb einer Kamera und dem Senden der Bilder. Aufgrund der Kleinheit soll die Drohne nur schwer erkannt werden können. Die Nanodrohnen fliegen „autonom“, also vermutlich vorprogrammiert,  und sollen den Soldaten helfen, hinter Hügel oder um die nächsten Ecken schauen zu können.

Roboter erkundet ein Gebäude. Bild: Rafael

KI-gesteuerte Roboter und Drohnen für den Einsatz in Gebäuden

Noch interessanter sind Minidrohnen, mit denen sich das Innere von Gebäuden inspizieren lässt.  Der israelische Rüstungskonzern Rafael hat ein KI-System für Dronen und Roboter entwickelt, die angeblich autonom in Gebäude eindringen und sie erkunden können. Damit sollen auch Bodentruppen Techniken zur Verfügung haben, um automatisch nach Zielen zu suchen und diese zu identifizieren, also beispielsweise nach bestimmten Menschen.

Das KI-System kann etwa den vierbeinigen Roboter Spirit von Ghost Robotics, Nanodrohnen, aber auch größere bewaffnete Drohnen steuern. Der Roboter und die größere Drohne können bewaffnet werden und auch im Dunkeln operieren.

Verkauft wird das KI-System als Möglichkeit, auf Soldaten zu verzichten bzw. deren Leben zu schonen. Man schickt erst einmal Roboter und/oder Drohnen in ein Gebäude, lässt es erforschen und „Ziele“ entweder töten oder für andere Waffensysteme mit Gesichtserkennung zu identifizieren und zu lokalisieren.  Das wird auch für den Häuserkampf in Städten interessant. Aber das ist alles eher noch Zukunft, denn meist könnte schon im ersten Raum und mit der ersten Tür das Eindringen beendet sein. In der Demonstration von Rafael wurde von einer Drohne und dem Roboter ein ebenerdiges Gebäude erkundet, in dem alle Türe offen waren und es kaum Hindernisse gab.

Erst kürzlich wurde berichtet, dass das britische Militär eine mit zwei Gewehren ausgestattete „Killerdrohne“ als Prototypen getestet haben soll. Die i9-Drohne soll dazu dienen, Gegner im Inneren von Gebäuden mit Künstlicher Intelligenz auszukundschaften und Objekte und Menschen zu identifizieren – und sie bei Bedarf auch zu töten. Unauffällig ist die mit einem Meter Durchmesser große Hexacopter-Drohne mit sechs Rotoren, die einen stabilen und präzisen Flug in Räumen ermöglichen sollen, keineswegs. Sie müsste nicht nur durch größere Öffnungen in das Gebäude gelangen können. Schnell wäre auch Schluss, wenn Türen im Weg stehen oder die Erkundung durch enge Gänge gehen müsste. Bewaffnete in einem Gebäude werden die Drohne nicht nur schnell hören, sie könnten sie wohl auch relativ leicht abschießen, wenn sie nicht überrascht werden.

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