Studie: Impfen alleine reicht zur Bekämpfung von Covid-19 nicht aus

Bild: Tim Rechkamm/CCnull.de/CC BY-SA-2.0

Angesichts von Impfstoffen mit unterschiedlichem Impfschutz und nachlassender Immunität, der gefährlicheren Delta-Variante und unzureichender Impfbereitschaft sei laut einer neuen Studie mit der Impfung ein Beenden der Pandemie nicht erreichbar.

 

Seit Beginn der Corona-Pandemie spült eine unendliche Flut an wissenschaftlichen Veröffentlichungen Erkenntnisse in die gesellschaftliche Aufmerksamkeit, die meist gar nicht dem vor der Pandemie üblichen Peer-Review-Verfahren unterworfen waren, sondern auf Preprint-Servern veröffentlicht werden. Peer-Review bietet allerdings auch keine Sicherheit vor falschen wissenschaftlichen Ergebnissen, aber eine gewisse Begrenzung der Flut. Das vorangeschickt ist vor kurzem eine interessante Studie zur Impfung veröffentlicht worden, die abzuschätzen versuchte, unter welchen Bedingungen eine Corona-Impfkampagne unter der Dominanz der Delta-Variante, des sinkenden Impfschutzes und einer unzureichenden Impfquote Erfolg haben könnte oder scheitern würde.

Ausgangspunkt der Überlegungen der Studie ist, dass mit der Delta-Mutante, die gegenüber dem ursprünglichen Virus mit einem Reproduktionswert von 3 einen geschätzten von 5-8 besitzt, eine Ausrottung von Covid-19 höchst unwahrscheinlich ist. Dazu kommt, dass es wenige Monate nach der bislang vollständigen zweifachen Impfung zu vermehrten Impfdurchbrüchen kommt, die auch schwere Erkrankungen und den Tod zur Folge haben können. Die Impfwirksamkeit ist, was die Zukunft anbetrifft, nicht mehr wirklich genau anzugeben. Die Wissenschaftler haben dennoch versucht, ein Vorhersagemodell für den weiteren Verlauf von Covid-19 auf der Grundlage des Reproduktionswerts und dem Einfluss nachlassender Immunität, von Impfraten, der je nach Impfstoff unterschiedlichen Impfwirksamkeit und dem Anteil der Bevölkerung, der sich impfen lassen will, zu entwickeln. Unberücksichtigt blieb das Alter, obgleich das im Hinblick auf Inzidenz, Erkrankung und Tod eine entscheidende Größe ist.

Mit dem Modell lassen sich, so die Wissenschaftler der Studie zur Impfung, je nach den Variablen Zeiten der nachlassenden Epidemie aufzeigen, die sich mit Zeiten verstärkter Ausbreitung abwechseln. Oder man kann sehen, dass eine Vergrößerung der Impfabdeckung der Bevölkerung von 65 auf 95 Prozent die langfristigen Todesraten um den Faktor 5 reduzieren kann. Wenn die Impfabdeckung 65 Prozent beträgt, dann können sich die Todesraten um den Faktor 14 und 3 aufgrund der Annahmen über nachlassenden Impfschutz und Impfraten verändern. In das Modell fließen also viele Annahmen ein, womit es auf die Bedeutung einzelner Faktoren aufmerksam machen und höchstens eine Tendenz zeigen, aber nicht wirklich als Vorhersage dienen kann.

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Aber die Wissenschaftler sagen, dass selbst unter den optimischsten Annahmen über die Impfwirksamkeit und einer hohen Impfabdeckung die Impfung alleine nicht zu einem Verschwinden von Covid-19 führen dürfte, zumal neue Varianten entstehen können und es noch keine Gewissheit über die Rate des nachlassendes Impfschutzes gibt. Langfristig könnten gerade Veränderungen des Verhaltens der Menschen, die ohne staatlich verordnete Maßnahmen eintreten wie Benutzung von Masken, Heimarbeit oder Lüftung die Reproduktionszahl deutlich unter 1 zu halten.

Nach dem Modell ist im Hinblick auf die Mortalität der Impfschutz und die nachlassende Immunität von großer Bedeutung. Wichtig sei auch, diejenigen schnell zu impfen, die ihren Impfschutz nach der Impfung oder Erkrankung wieder verloren haben. Nichtpharmazeutische Interventionen (NPIs) sollten ebenso wichtig genommen werden wie die Impfung.

Für die Zukunft wäre es für die Bekämpfung von Covid-19 wichtig, genauer die Rate des Immunitätsverlustes zu kennen. Und für die weitere Impfstoffentwicklung ist nicht nur der Impfschutz, sondern auch seine Dauer entscheidend. Klar sei aber laut der Studie, dass man mit der Impfung nicht allein die Pandemie wirksam bekämpfen könne, wie das Großbritannien zeigt:

„Als das Covid-19-Impfprogramm zum ersten Mal durchgeführt wurde, dachten vielleicht viele Menschen, dass es die Pandemie beenden würde. Sowohl unsere Ergebnisse als auch die realen Daten, die wir jetzt im Vereinigten Königreich haben, zeigen jedoch, dass dies nicht der Fall ist. In der aktuellen Situation mit einer hochinfektiösen Delta-Variante sind Kontrollmaßnahmen einschließlich der NPIs nach wie vor unerlässlich, um die effektive Reproduktionszahl zu senken. Die derzeitige Politik, die eine hohe Prävalenz der Krankheit im Vereinigten Königreich zulässt, erhöht die Wahrscheinlichkeit neuer, ansteckenderer Varianten, und diese Modellergebnisse zeigen, wie die anschließende Kontrolle dadurch erschwert wird.“

2 Kommentare zu Studie: Impfen alleine reicht zur Bekämpfung von Covid-19 nicht aus

  • Gut der Artikel, genau solche können auch auf den Scheiterhaufen führen. ( sieh, Svenja Flaßpöhler bei Hart aber Fair) Es war Peinlich.
    Ich sehe es ähnlich, vor allem auch weil ich die Argumente von Dr.Dr. Schubert ( https://www.youtube.com/watch?v=3rmiE0FswpY) und Dr.Gerald Hüther nachvollziehen kann.
    Im übrigen stimmt es nicht wenn immer wieder gesagt wird das es alle Impfskeptiker sind, sie haben lediglich eine andere Sicht und kommen zu anderen Schlüssen wie der Mainstream.
    Mit 72 Jahren reicht es mir das ich einen Mundschutz habe und mich nicht in Menschenmassen bewege. Falls es mich „erwischt“ muss ich nicht in die Intensivstation, mir reicht ein Platz bei den Passivrauchern, Krankenhauskeime geschädigten, Verkehrsstaub kranke oder Herz Kreislauf Kranken.
    Was leider nicht diskutiert werden darf sind die Profite, weil es ja um Menschenleben geht.

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