Studie zu Impfquote stellt keinen Zusammenhang zwischen geringer Impfquote und erhöhter Inzidenz fest

Bild: whitesession/Pixabay.com

Die Harvard Wissenschaftler untersuchten in ihrer Studie zur Impfquote in den Counties der USA und in 68 Staaten das „Narrativ“, dass steigende Inzidenzen mit einer geringen Impfquote zusammenhängen.

 

In Österreich oder in Bayern sieht es so aus, als wäre eine niedrigere Impfquote mit einer höheren Inzidenz verbunden. Das würde bedeuten, dass vor allem die Ungeimpften die Inzidenz in die Höhe treiben, was auf Verschwörungstheorien, rechte Kreise, Nähe zur alternativen Medizin (auch unter Ärzten) und allgemeine Impfskepsis zurückgeführt wird. Eine Studie von Harvard-Wissenschaftlern zur Impfquote, die die ansteigende Inzidenz in 68 Staaten und 2947 Countis in den USA untersucht haben, konnten allerdings keinen Zusammenhang zwischen der Impfquote und der Inzidenz feststellen.

Nach RKI-Angaben im Wochenbericht vom 18.11. mehren sich allerdings die Impfdurchbrüche bei den Über-60-Jährigen. Von den registrierten symptomatischen Covid-19-Fällen sind in dieser Altersgruppe bereits 61,6 Prozent Impfdurchbrüche (bei den 18-59-Jährigen 43 Prozent). Auch bei den Hospitalisierten liegt der Anteil bei den Impfdurchbrüchen schon bei 44,8 Prozent, bei denjenigen auf der Intensivstation bei 37,8 Prozent und unter den Verstorbenen bei 43 Prozent. Bei den Jüngeren sind die Zahl entsprechend niedriger.

Noch ist die Inzidenz der symptomatischen Fälle pro 100.000 bei den Ungeimpften 18-59-Jährigen dreimal so hoch wie bei den vollständig Geimpften, wo sie aber ansteigt, bei den Über-60-Jährigen ist die Inzidenz bei den Umgeimpften nur noch etwas mehr als doppelt so hoch. Noch schützt die Impfung relativ gut. Bei den Über-60-Jährigen sind 6 von 100.000 unter den Hospitalisierten, bei den Ungeimpften sind es 28.

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Studie überprüft das „Narrativ“, dass eine hohe Inzidenz von einer geringen Impfquote verursacht wird

Die oben erwähnte Preprint-Studie ist allerdings nicht ganz aktuell, die am 3. September abgerufenen Daten stammen aus Our World in Data, die Studie wurde am, 30. September veröffentlicht. Die Wissenschaftler wollten das „Narrativ“ überprüfen, dass der erneute Anstieg der Inzidenz in den USA auf Gebiete mit niedrigen Impfquoten zurückgeht. Das Narrativ gebe es auch in Deutschland und in Großbritannien, während Israel mit der hohen Impfquote und schnellen Impfung dennoch einen Anstieg der Covid-19-Fälle verzeichnete. Gerade haben auch in Israel wieder Verantwortliche für das Gesundheitswesen gesagt, der Anstieg verdanke sich vor allem den noch Ungeimpften. Die R-Zahl stieg weiter auf 1,02, es seien aber 83 Prozent der schweren Covid-19-Fälle im Krankenhaus Ungeimpfte. Neue Maßnahmen sind jedoch nicht vorgesehen.

Eingeschlossen in die Untersuchung wurden die Staaten, in denen der Impfstatus, die Inzidenz und das letzte Update 3 Tage vor dem 3. September vorlagen. Berechnet wurden für die sieben Tage vor dem 3. September die Covid-19-Fälle pro 1 Million und der prozentuale Anteil der vollständig Geimpften (damals mit 2 Impfungen oder genesen mit einer Impfung). Ähnlich gingen sie bei den US-Counties vor.

Ergebnis der Untersuchung: Bei den Staaten konnte kein signifikantes Verhältnis zwischen dem Anteil der vollständig Geimpften und neuen Covid-19-Fällen während der letzten 7 Tage festgestellt werden. Es gab hingegen sogar einen kleinen positiven Zusammenhang, dass Länder mit einer höheren Impfquote und eine etwas höhere Inzidenz haben.

Beispielsweise hatte Anfang September Israel, wo mehr als 60 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft war, in den letzten sieben Tagen vor dem 3. September die höchste Inzidenz pro 1 Million Menschen. „Das Fehlen eines aussagekräftigen Zusammenhangs zwischen dem prozentualen Anteil der vollständig geimpften Bevölkerung und den neuen COVID-19-Fällen wird beispielsweise durch einen Vergleich zwischen Island und Portugal verdeutlicht“, schreiben die Wissenschaftler. „In beiden Ländern sind mehr als 75 % der Bevölkerung vollständig geimpft und es gibt mehr COVID-19-Fälle pro 1 Million Einwohner als in Ländern wie Vietnam und Südafrika, in denen etwa 10 % der Bevölkerung vollständig geimpft sind.“

Ähnlich fällt das Ergebnis in den US-Counties aus. Es gibt zwar erhebliche Unterschiede zwischen Counties, aber keine signifikanten Hinweis, dass mit einer wachsenden Impfquote die Zahl der neuen Covid-19-Fälle zurückgeht. 4 der 5 Counties mit der höchsten Impfquote werden von der US-Gesundheitsbehörde CDC als solche mit einer hohen Ansteckungsgefahr bezeichnet, während unter den 57 Counties mit einem niedrigen Ansteckungsrisiko in 26,3 % (15) weniger als 20 % der Bevölkerung vollständig geimpft sind.

Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass Regierungen sich besonders angesichts der Delta-Variante und künftig möglichen Mutationen nicht auf die Impfung alleine verlassen dürfen, sondern andere nicht-pharmazeutische Maßnahmen einbeziehen sollten:

„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man sich zwar bemühen sollte, die Bevölkerung zur Impfung zu bewegen, dies aber mit Demut und Respekt tun sollte. Die Stigmatisierung von Bevölkerungsgruppen kann mehr schaden als nützen. Wichtig ist, dass andere nicht-pharmakologische Präventionsmaßnahmen (z. B. die Bedeutung fundamentaler öffentlicher Gesundheitshygiene wie die Einhaltung von Sicherheitsabständen oder das Händewaschen, die Förderung häufigerer und billigerer Formen von Tests) erneuert werden müssen, um ein Gleichgewicht zu finden, damit wir lernen, mit COVID-19 zu leben, so wie wir auch 100 Jahre später noch mit verschiedenen saisonalen Abwandlungen des Influenzavirus von 1918 leben.“

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