Ursprung des Coronavirus: Nicht viel mehr als mehr oder weniger plausible Szenarien

Bericht der US-Geheimdienste: ohne Ergebnisse

Der nun veröffentlichte, von Präsident Biden in Auftrag gegebene Geheimdienstbericht über den Ursprung von Sars-CoV-2 kann kein Ergebnis liefern. In China wird Schadenfreude zelebriert.

Nach Kritik an der ersten Mission wird die WHO ein weiteres Wissenschaftlerteam nach China entsenden, um den Ursprüngen der Covid-19-Pandemie auf die Spur zu kommen. Das erste Team kam zu dem Schluss, dass die Lab Leak-Theorie sehr unwahrscheinlich sei, also dass das Virus versehentlich oder bewusst aus einem Labor stammt, womit primär das chinesische Wuhan Institute of Virology (WIV) gemeint ist. Kritisiert wurde, dass China Daten zurückgehalten habe und dass die Wissenschaftler bzw. die WHO zu sehr auf Seiten Chinas gestanden hätten. Jetzt sind Experten für Bio- und Laborsicherheit dabei und soll auf Druck der westlichen Staaten gezielt nachgeforscht werden, ob das Virus einem Labor stammt.

China war sauer, dass der Verdacht auch von US-Präsident Biden propagiert wurde, das Virus sei aus einem chinesischen Labor entwichen. Allerdings geriet hier über China hinaus besonders der Virologe und EcoHealth Alliance-Präsident Peter Daszak in Verdacht, im Labor im Wuhan mit Sars-CoV-2 gearbeitet zu haben. Daszak hatte wie Ralph Baric in Chapel Hill auch mit genetisch veränderten Coronaviren geforscht. Und er hat Gain-of-function-Experimente In Wuhan finanziert und erhielt Gelder vom Pentagon zur Biowaffenforschung. Daszak hatte sich auffällig gegen die Lab Leak-Theorie stark gemacht und war auch Mitglied im ersten WHO-Team.

Es wurde in China mit Global Times eine Kampagne gestartet, die darauf hinwies, dass etwa in Italien schon vor dem dokumentierten Ausbruch in Wuhan nachträglich Infektionsfälle gefunden wurden. Überdies rückte man das US-Militärlabor in Fort Detrick in den Blick, in dem es einige Sicherheitsprobleme gab (Propagandakriege: Kommt Sars-CoV-2 aus dem Wuhan-Labor oder von Fort Detrick?) Möglicherweise, so wurde suggeriert, hätten US-Soldaten das Virus nach China anlässlich der Militärweltspiele in Wuhan im Oktober 2019 eingeschleppt.

Anzeige

Erstaunlicherweise haben die amerikanischen Geheimdienste den von Donald Trump, aber auch von Joe Biden sowie amerikanischen Politikern geäußerten Verdacht verstärkt. Biden hatte den DNI, die oberste Geheimdienstbehörde beauftragt, dem Ursprung der Pandemie nachzugehen und einer „definitiven Lösung“ näherzukommen. Die Lab Leak-Vermutung wurden von den 17 Geheimdiensten in der im August veröffentlichten Kurzfassung des ansonsten geheimen Berichts sehr zurückhaltend beurteilt. Ausgeschlossen wird, dass Sars-CoV-2 als Biowaffe erzeugt wurde, wahrscheinlich sei es auch nicht genetisch manipuliert worden. Nur zwei Geheimdienste sagen, es gäbe nicht genügend Daten, um das beurteilen zu können. Plausibel, aber nicht beweisbar, sei sowohl die Annahme einer Zoonose als auch die eines Entkommens aus einem Labor. Der erste Ausbruch sei wahrscheinlich im November in Wuhan geschehen, die Behörden hätten vor dem Ausbruch nicht Bescheid gewusst.

Keine Biowaffe, nicht genetisch manipuliert

Jetzt wurde der aktualisierte Geheimbericht – pünktlich zum G20-Gipfel? – ohne Kommentar zur Begründung veröffentlicht. Neues findet man nicht, die Geheimdienste sagen, sie könnten nichts Definitives beitragen, solange es keine neuen Informationen gibt. Es fehlen Informationen über die allerersten Fälle. Relativ neutral die Gesamtbeurteilung:

„Die Kooperation Chinas wäre höchstwahrscheinlich erforderlich, um eine abschließende Bewertung zur Herkunft von COVID-19 zu erreichen. Peking behindert jedoch weiterhin die weltweiten Ermittlungen, weigert sich, Informationen weiterzugeben, und beschuldigt andere Länder, einschließlich der Vereinigten Staaten. Dieses Verhalten spiegelt zum Teil die Unsicherheit der chinesischen Regierung darüber wider, wohin eine Untersuchung führen könnte, und ihre Frustration darüber, dass die internationale Gemeinschaft die Angelegenheit nutzt, um politischen Druck auf China auszuüben.“

Nur ein Geheimdienst vermutet mit mäßigem Vertrauen, dass das Virus aus einem Labor stammen könnte. Als Grund wird genannt, dass die nächsten Verwandten von Sars-CoV-2 in Fledermäusen aus der Provinz Yunnan gefunden wurden. Wissenschaftler hätten Proben zu Labors gebracht und könnten sie beim Einsammeln oder Experimentieren angesteckt haben. WIF-Forscher haben sich aufgrund ihrer wissenschaftlichen Veröffentlichungen mit Coronaviren möglicherweise unter mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen beschäftigt. Möglicherweise hätten sich Forscher angesteckt, ohne dies zu bemerken, weil sie nur milde oder keine Symptome hatten, weswegen auch chinesische Untersuchungen nicht auf einen Laborursprung kommen könnten. Dass im WIV früher Chimären oder Kombinationen von Sars-ähnlichen Coronaviren erzeugt wurden, sage nichts darüber aus, ob Sars-CoV-2 mittels Gentechnik hergestellt wurde.

China gegen „Politisierung“ der Ursprungsfrage

Global Times hat sich auf das Thema eingeschossen und erklärt jetzt, Biden hätte sich mit dem mit „großen Trara“ bestellten Geheimdienstbericht, der in Verwirrung und ohne festes Ergebnis endete, selbst in den Fuß geschossen. Man habe mit einer voreingenommenen Untersuchung China beschuldigen wolle, schaue jetzt aber schlecht vor der Welt aus.

Top-Epidemiologen und Mitarbeiter von Chinas oberster Gesundheitsbehörde würden einhellig vorschlagen, die Untersuchung auf Länder auszudehnen, in denen das Vorhandensein des Coronavirus vor dem Auftreten in Wuhan berichtet worden ist, also auch auf die USA.

Zitiert wird Zeng Yixin, Vizeminister in der Gesundheitskommission, der sagte, es sei ironisch, dass die US-Regierung des Geheimdienstapparat mobilisiert habe, anstatt professioneller Gesundheitsbehörden. China fordert die USA auf, die Frage nach dem Ursprung des Virus zu „politisieren“.

Wie es aussieht, wird wahrscheinlich nicht mehr herauszufinden sein, woher das Virus wirklich kommt, zumal wenn es stimmt, was der Geheimdienstbericht sagt, dass die chinesischen Behörden wahrscheinlich das erste Auftreten der Infektion nicht mitbekommen haben, wofür vieles spricht. Nur wenn es tatsächlich aus dem Wuhan-Labor oder einem anderen Labor stammt, ließe sich das womöglich noch nachweisen, wenn Aufzeichnungen gemacht wurden und noch vorhanden sind, was kaum denkbar erscheint. Aber eine Verschwörung, wie dies manche China unterstellen und andere der USA, dem Pentagon oder Coronavirusforschern, wäre die einfachste und wahrscheinlich abwegigste Erklärung. Aber vieles ist möglich. Covid-19 wird weiterhin die Phantasie anregen.

1 Kommentar zu Ursprung des Coronavirus: Nicht viel mehr als mehr oder weniger plausible Szenarien

  • Geheimdienst- also Desinformationsdienst? Echt jetzt? Das ist doch Müll. Wer sich auf Berufslügner und im Fall von US Geheimdiensten sogar auf eine Mörderbande stützt muss sich gefallen lassen im Verdacht zustehen deren Sache zu unterstützen.

    Vielleicht sollte Florian Rötzer, mal schauen ob am Artikel „Das fliegende Schuppentier“ bei Free21 was dran ist.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.