US-Militär will zur Herstellung der „globalen Informationsdominanz“ in die Zukunft schauen

 

GIDE 3. Bild: DoD

NORTHCOM setzt auf KI-Systeme, Cloud-Ressourcen und globale Sensornetzwerke, inklusive „kommerziell verfügbare Informationen“, um die Informationsdominanz und damit die Überlegenheit bei der Entscheidungsfindung herzustellen.

Militärs wollen vieles, gerne natürlich nicht nur die totale Übersicht über (mögliche) Schlachtfelder und Bewaffnung und Strategien der (möglichen) Gegner vom nunmehr digitalen Standpunkt in Echtzeit, sie würden natürlich auch gerne wissen wollen, wie sich Situationen entwickeln werden und an welchen Indizien man künftige Entwickelungen erkennen könnte.

NORTHCOM, das Northern Command, zuständig für die Verteidigung der USA, ist schon seit einiger Zeit damit beschäftigt, wie sich eine „globale Informationsdominanz“ herstellen ließe, was nicht von ungefähr an die Versuche nach 9/11 erinnert, ein weltweites Überwachungsprogramm namens Total Information Awareness (TIA), das schließlich vom Kongress als Paket blockiert wurde, Teile wurden aber weiter verfolgt und umgesetzt, was nicht zuletzt Edward Snowden aufdeckte.

GIDE 3. Bild: DoD
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Die Global Information Dominance Experiments (GIDE) setzen natürlich, muss man heute sagen, auf KI-Systeme, Cloud-Ressourcen und globale Sensornetzwerke, inklusive „kommerziell verfügbare Informationen“, um die Informationsdominanz und damit die Überlegenheit bei der Entscheidungsfindung herzustellen. Angelegt sind die „Experimente“ oder Übungen mit einem simulierten Gegner auf das Ziel, Vorhersage- oder Weissagungsmöglichkeiten für die Zukunft zu haben, wobei man „bescheiden“ bleibt und nur wenige Tage aus dem Kaffeesatz von Mustern, Anomalien und Trends vorausblicken will. Die Experimente finden nicht nur in der Simulation statt, sondern es werden auch Soldaten, Gerät und Systeme wie Flugzeuge eingesetzt, um mit Real-world-Daten zu arbeiten. Der Entscheidungsraum für militärische, aber auch zivile Führungskräfte soll damit von der taktischen auf die strategische Ebene gehoben werden, weil es darum geht, schneller als die Konkurrenten zu sein.

GIDE 3. Bild: DoD

Kürzlich fand das dritte GIDE statt, General Glen VanHerck, Kommandeur des Northern Command, stellte GIDE Ende Juli vor. Er hob hervor, dass KI und Maschinelles Lernen Veränderungen entdecken können. Nach bestimmten Parametern könne eine Warnung gegeben werden, um mit einem anderen Sensor etwa auf einem Satelliten nachzuschauen, was an einem bestimmten Ort los sin könnte. Man könne damit proaktiv handeln und komme aus der reaktiven Haltung heraus: „Die Fähigkeit, Tage im Voraus zu sehen, schafft einen Entscheidungsraum. Das ist für mich als operationeller Kommandeur die Möglichkeit, Streitkräfte aufzustellen, um Abschreckungsoptionen zu schaffen und diese dem Minister oder sogar dem Präsidenten zur Verfügung zu stellen.“ Im Kern bestehe die Aufgabe darin, alle verfügbaren Informationen zu verarbeiten und die Ergebnisse dem US-Militär über Clouds weltweit zur Verfügung zu stellen. Es geht aber auch darum, da arbeite man mit dem Weltraumkommando zusammen, die Satelliten der Gegner zu bedrohen oder auszuschalten, was diese umgekehrt auch machen können.

GIDE 3. Bild: DoD

Wenn vanHerck von „zwei Hauptkonkurrenten“ sprach, „die beide Atomwaffen besitzen und gegen uns auf täglicher Basis konkurrieren“, dann sind damit Russland und China gemeint. Man befindet sich demnach vor einem möglichen wirklichen Krieg in einem kalten Krieg des taktischen Wettrüstens auf allen Ebenen, zumindest suggeriert das das Militär zur Selbstrechtfertigung und Rechtfertigung von Ausgaben. Bedrohungsszenarien werden vom Militär- und Sicherheitskomplex mithin ebenso geschaffen, wie sie bestehen – gutes Beispiel das dramatische Norad-Video. Für Außenstehende ist das schwer abzuschätzen.

Aber die Entwicklung, immer stärker auf KI-Systeme zu setzen, um zur Informationsdominanz die zunehmende Flut der aus militärischen, geheimdienstlichen und zivilen Quellen stammenden Informationsströme zusammen zu bringen, zu analysieren und Empfehlungen/Warnungen zu generieren, läuft in den USA ebenso wie in China oder Russland auf das Ergebnis hinaus, die Entscheidungen zu automatisieren. Das Ziel, schneller zu sein, kann mit Menschen in the loop und ihren langsamen Verarbeitungs- und Entscheidungsprozessen, auch wenn sie nur noch den Finger auf den Knopf zur Bestätigung von maschinell getroffenen Entscheidungen drücken müssen, nicht auf Dauer geleistet werden, wenn es um Millisekunden wie an der Börse geht.

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