Zweiter Test der amerikanischen Hyperschallrakete AGM-183A gescheitert

Bild: mil.ru

Die USA scheinen im Rüstungswettlauf von Hyperschallwaffen, die für die militärische Überlegenheit oder zumindest für die Abwehr von Angriffen entscheidend werden dürften, nicht recht voranzukommen.

Beim zweiten Test des Prototyps der Hyperschallrakete AGM-183A von Lockheed Martin, einer ARRW (Air-launched Rapid Response Weapon hypersonic missile), die von Flugzeugen wie der B-52 Stratofortress gestartet werden soll, trennte sich im Unterschied zum ersten Versuch im April zwar die Rakete vom Flugzeug, aber ihr Triebwerk zündete nicht.

Die Luftwaffe suchte das Scheitern am 28. Juli abzumildern und schrieb einen Tag darauf, dass der Test „zwar nicht alle Flugziele erreicht, aber mehrere erstmalige Ereignisse demonstriert hat“. Das Programm arbeite weiterhin an der „Bereitstellung einer Hyperschallkapazität in den frühen 2020er Jahren“.  Man wisse zwar den Fehler nicht, wolle aber bis Ende 2022 mit der Produktion beginnen. Für das Haushaltsjahr 2022 hat die Luftwaffe schon einmal 161 Millionen US-Dollar gefordert, um die ersten 12 AGM-183A zu kaufen. Im Repräsentantenhaus streben Abgeordnete im Haushaltsausschuss schon vor dem gescheiterten Test an, 44 Millionen weniger zu bewilligen, um dann nur 8 zu kaufen. Sie glauben nicht an den Erfolg und fürchten, dass die Hyperschallraketen schon gekauft werden, während sie noch in der Entwicklung und die Tests noch nicht abgeschlossen sind.

Es soll sich um eine konventionelle Präzisions-Hyperschallrakete handeln, die wichtige, zeitempfindliche Ziele zerstören und schnelle Angriffe auf stark verteidigte Landziele ermöglichen soll. AGM-183A ist eine Rakete, die mit einem Raketenantrieb startet und ab der gewünschten Flughöhe und -geschwindigkeit an der Spitze ein Gleitvehikel ohne Antrieb durch Abtrennung der Nase freisetzt, das dann mit Hypergeschwindigkeit – Ziel ist eine Geschwindigkeit von Mach 6.5 bis  8 und eine Reichweite von 1000 km  – sein Ziel ansteuert und dabei manövrierbar sein soll. Neben der Geschwindigkeit ist vor allem die Manövrierbarkeit wichtig, um die bestehenden Raketenabwehrsysteme zu überwinden. Ein B-52-Bomber soll vier dieser Raketen mit sich führen können, der künftige Tarnkappenbomber  B-21 Raider ist auch für die Hyperschallraketen vorgesehen.

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Eine B-52 mit einer Hyperschallrakete AGM-183A. Bild: USAF

Bei land- und seegestützten Hyperschallraketen scheint das Pentagon hingegen weiter zu sein. Das amerikanische Waffensystem Long Range Hypersonic Weapon (LRHW) soll Hyperschallraketen mit einer Reichweite von mehr als 2700 km abfeuern können. Damit wird das Konzept des Deep Strike verfolgt, also schnell und präzise über große Entfernungen Ziele anzugreifen, wobei die Vorwarnzeit so weit schrumpft, dass Abwehrsysteme automatisch entscheiden müssten, sofern sie überhaupt Hyperschallraketen orten, verfolgen und abschießen können. Im Pentagon versucht man, im Rüstungslauf mit Russland und China mitzuhalten. Mit 3,2 Milliarden US-Dollar wird die Entwicklung von Hyperschallwaffen im Haushaltsjahr 2021 finanziert, für 2022 sind bereits 3,8 Milliarden US-Dollar vorgesehen. Und die Missile Defense Agency (MDA) fordert über 8 Milliarden US-Dollar für entsprechende Abfangraketen und satellitengestützte Sensoren zur Verfolgung von Hyperschallraketen oder – gleitern.

China entwickelt Hyperschallraketen, die in Schwärmen angreifen und jedes existierende Raketenabwehrsystem durch Geschwindigkeit und Menge überwältigen würden. Schon 2019 hat China die DF-17-Rakete mit einem Hyperschall-Gleiter und einer Reichweite bis 2500 Kilometer auf eine Parade vorgeführt. Natürlich muss bei solchen Meldungen von Militärministerien, wie man Verteidigungsministerien nennen müsste, immer damit gerechnet werden, dass es sich um Attrappen oder vorgegebene Testerfolge handelt, um Verteidigungs- oder Bedrohungsszenarien aufzubauen. China soll auch eine von Flugzeugen abschießbare Rakete mit einem Hyperschallgleiter haben.

Russland hat mit der Entwicklung von Hyperschallraketen massiv nach dem Ausstieg der USA aus dem ABM-Vertrag 2002 und der Installation des Raketenabwehrschirms begonnen. Diese Entscheidung, die den USA die Überlegenheit sichern und die Alliierten unter den amerikanischen Raketenschild zwingen sollte, stand am Beginn des neuen Rüstungswettlaufs. Angeblich hat Russland bereits zwei Hyperschallraketen. Die Avangard soll mit Mach 20 fliegen und mit einem Nuklearsprengkopf ausrüstbar sein, die von Flugzeugen abgefeuerten und manövrierbaren Kinschal-Hyperschallraketen können ebenfalls mit einem Nuklearsprengkopf ausgestattet sein, sollen eine Reichweite von bis zu 2000 km haben und angeblich mit Mach 10 fliegen. Im Juli wurde angeblich erfolgreich die Hyperschallrakete 3M22 Zirkon-Rakete getestet, die von U-Booten und Schiffen abgefeuert werden kann. Mit ihrer hohen Geschwindigkeit erzeugen sie ebenso wie Avangard-Raketen eine Plasmawolke, durch die sie von Radarsystemen nicht erkenntlich sein sollen. Beim Test flog die Zirkon allerdings nur 350 km mit einer Geschwindigkeit von Mach 7.

 

Und es ist die Rede, dass Russland neue Hyperschallwaffen testen wird. Generalleutnant Vladimir Zarudnitsky, Chef der Militärakademie des russischen Generalstabs, schrieb, dass Russland für seine Luftwaffe die Langstrecken- und Hyperschallrakete KH-95 entwickelt, die eine Reichweite von bis zu 5000 km haben soll. Es soll bereits einen Abschusstest von einem Flugzeug gegeben haben.

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