Zahl der Woche: 30

Die Masse menschengemachter Produkte wächst jährlich um 30 Gigatonnen.

Anthropozän – ein immer häufiger gehörter Begriff, der durchaus umstritten ist. Während die Kritiker sagen, Erdzeitalter sollten wie bisher nach geologischen Umwälzungen eingeteilt werden, vertreten seine Befürworter die Auffassung, der Mensch habe heute den genau gleichen und damit wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Planeten. Letztere finden Unterstützung in einer aktuellen Studie des Department of Plant and Environmental Sciences am Weizmann Institute of Science.
Nach Auswertung zahlreicher Datenreihen zur natürlichen und menschlichen Produktivität seit 1900 kommen die Wissenschaftler*innen dort zum Schluss: 2020 könnte das Jahr sein, in dem die Masse der von Menschen hergestellten Dinge mit 1,1 Teratonnen (1 Teratonne = 1012 Tonnen) erstmals die natürliche Biomasse übersteigt, die nur noch 1 Teratonne beträgt.
Das liegt zum einen am exorbitanten Wachstum der menschlichen Produktion, andererseits auch am Schwinden der natürlichen Leistungsfähigkeit. Diese hat der Mensch in den letzten 10.000 Jahre durch Übernutzung der Ressourcen nämlich halbiert. Machten zu Beginn des 20. Jahrhunderts die anthropogenen Produkte gerade einmal 3 Prozent der natürlich gewachsenen Masse aus, wird der Mensch – verdoppelt sich unsere Produktion wie zuletzt alle 20 Jahre – 2040 die Erdoberfläche mit 2 bis 3 Teratonnen „Zeugs“ zukleistern. Wo die Grundlage dafür dann herkommen soll, ist unklar, denn was dann noch an nicht-menschlicher Biomasse übrig sein könnte, dazu sagen die Wissenschaftler*innen nichts. Ron Milo, Ko-Autor der Studie, findet die Zahlen „schockierend“. Vielleicht sollte er einen Termin mit Peter Altmaier machen, der Einkaufen jüngst als „patriotische Aufgabe“ entdeckt hatte.

Global human-made mass exceeds all living biomass. Nature Volume 588, S. 442–444 (2020)
www.nature.com/articles/s41586-020-3010-5

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